Woowa-Zukauf wird teurer Delivery Hero wird eigene Kursrallye zum Verhängnis

Unangenehmer Nebeneffekt der Kursrallye von Delivery Hero an der Börse: Weil die Lieferfirma ihren Zukauf Woowa in Südkorea zum Teil mit eigenen Aktien bezahlt, steigt dessen Preis - die Folge wird wohl eine Milliardenabschreibung sein.
Aktie auf Höhenflug: Delivery Hero gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise - das hat beim Woowa-Kauf auch negative Auswirkungen

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Foto: Britta Pedersen / dpa

Die jüngste Übernahme in Südkorea wird für den Essenslieferdienst Delivery Hero deutlich teurer - allerdings nur auf dem Papier. Denn einen Großteil des vereinbarten Kaufpreises für den dortigen Marktführer Woowa zahlt das Berliner Unternehmen mit eigenen Aktien - und die haben ihren Wert seit dem Vertragsabschluss vor mehr als einem Jahr weit mehr als verdoppelt. Wenn der Aktienkurs bis zu dem bevorstehenden Abschluss der Übernahme nicht noch einbreche, müsse Delivery Hero den Firmenwert von Woowa um 1,4 Milliarden Euro abschreiben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Mit dem operativen Geschäft von Woowa habe die Abschreibung nichts zu tun, betonte Delivery Hero. Woowa entwickele sich stark.

Die in den vergangenen Monaten stark gestiegene Aktie von Delivery Hero verlor am Donnerstag in den ersten Handelsminuten um bis zu knapp 3 Prozent, konnte die Verluste aber schnell auf weniger als ein Prozent reduzieren.

Grund für die Wertminderung ist, dass der Dax-Konzern den Deal zu einem Teil mit Aktien bezahlen will. Neben 1,7 Milliarden Euro in bar sollen weitere 1,9 Milliarden Euro in Form von 40 Millionen Aktien gezahlt werden. So kam der Firmenwert von 3,6 Milliarden Euro zustande. Seit der Ankündigung im Dezember 2019 ist der Kurs der Delivery-Hero-Aktie aber um rund 170 Prozent gestiegen.

Der Wert des Aktienteils ist damit um fast 3,3 Milliarden Euro auf rund 5,2 Milliarden Euro gestiegen - ein Teil davon ist nicht durch die operative Entwicklung gedeckt, sodass dieser abgeschrieben werden muss. Die genaue Höhe der Wertminderung sei abhängig davon, wie der Aktienkurs bei Abschluss der Transaktion steht, sagte Finanzchef Emmanuel Thomassin am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Der Deal soll im März durch sein.

Ein Händler betonte, dass die Abschreibung nichts mit der operativen Entwicklung des übernommenen Unternehmens zu tun hat. Auch vom Analysehaus Kepler Cheuvreux hieß es, dass die Wertminderung keinen Einfluss auf die Attraktivität des Geschäftes habe. Dennoch werde die Abschreibung zu einem hohen Verlust im Geschäftsjahr 2021 führen.

Unterdessen habe die südkoreanische Kartellbehörde KFTC den Kauf schriftlich genehmigt, hieß es. Allerdings muss Delivery Hero dafür die dortige Tochter Yogiyo verkaufen. "Es ist offensichtlich, dass das nicht die bestmögliche Lösung ist", sagte Thomassin am Donnerstag. So sei der Verkauf von Yoyigo "schmerzhaft, aber es mache Sinn".

cr/Reuters, dpa-afx
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