Zehn-Minuten-Lieferdienst Delivery Hero steigt bei Gorillas ein

Der hochdefizitäre Schnelllieferdienst Gorillas bekommt insgesamt eine Milliarde Dollar von Delivery Hero und Finanzinvestoren. Damit finanziert der Dax-Konzern nun zwei direkte Rivalen.
Wachstum um jeden Preis: Das Start-up Gorillas liefert bisher rote Zahlen

Wachstum um jeden Preis: Das Start-up Gorillas liefert bisher rote Zahlen

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Monatelang suchte Gorillas-CEO Kağan Sümer (33) nach frischem Geld für seinen hochdefizitären Zehn-Minuten-Lieferdienst  Gorillas. Nun ist der Deal endlich fix: Gorillas bekommt fast eine Milliarde US-Dollar. Rund 235 Millionen Dollar (200 Millionen Euro) davon kommen von der im Dax notierten Liefergruppe Delivery Hero, die nun 8 Prozent an Gorillas hält. Das manager magazin hatte den Einstieg von Delivery Hero bereits im August  enthüllt. Delivery Hero bestätigte  den Einstieg am Dienstagmorgen.

Delivery Hero und weitere Investoren, darunter die Bestandsinvestoren Coatue Management, DST Global, Dragoneer Investment und Tencent, investieren wie berichtet  zu einer Bewertung von 2,1 Milliarden US-Dollar. Zusammen mit dem frischen Kapital steigt die Bewertung von Gorillas auf mehr als drei Milliarden US-Dollar. Bitter für Gorillas-CEO Sümer: Er muss damit rund ein Drittel der Firmenanteile an die Investoren abgeben – mehr als doppelt so viel, als er ursprünglich anvisiert hatte.

Die Delivery-Hero-Aktie legte am Dienstagvormittag als einer der Favoriten im Dax um knapp 1 Prozent zu. Damit setzte der Kurs seine Erholung der vergangenen zwei Wochen fort, nachdem er von September bis Anfang Oktober fast 25 Prozent verloren hatte. Und auch im Rest des Jahres gab es für die Delivery-Hero-Aktie bislang keine klare Richtung. Der Kurs befindet sich nach der rasanten Rallye in 2020, welche in die Aufnahme in den Dax mündete, auf Berg-und-Tal-Fahrt.

Östberg finanziert zwei direkte Rivalen

Delivery-Hero-Boss Niklas Östberg (41) finanziert damit nun zwei direkte Konkurrenten im deutschen Liefermarkt, die sich mit heftigen Rabatten bekriegen. Das eigene Angebot Foodpanda, das wie Gorillas in Berlin Lebensmittel in unter Zehn Minuten liefert, soll zumindest vorerst weiter betrieben werden. "Delivery Hero will Quick-Commerce weltweit vorantreiben und wir sehen in Gorillas einen der führenden Anbieter in Europa und den USA", begründete Östberg den Einstieg. Gorillas' Umsatz wachse monatlich mit zweistelligen Raten.

Mit dem Einstieg bei Gorillas wollte Östberg Insidern zufolge auch verhindern , dass der US-Lieferdienst Doordash bei Gorillas einsteigt, mit denen Gorillas zuerst um ein Investment verhandelt hatte. In Deutschland investiert Doordash nun dennoch mehrere hundert Millionen Dollar: nämlich in den Gorillas-Konkurrenten Flink. Die Pre-Money-Bewertung, also die Bewertung vor dem Kapitalzufluss in der Finanzierungsrunde, liegt mit 2,1 Milliarden US-Dollar auf gleicher Höhe wie in der aktuellen Finanzierungsrunde von Gorillas.

Östberg soll sich dafür eingesetzt haben, Flink und Gorillas zu verschmelzen. Das hätte einen klaren Zehn-Minuten-Lieferdienst-Marktführer in Deutschland geschaffen. Nach dem Einstieg von Doordash muss er sich nun stattdessen auf einen verschärften Konkurrenzkampf einstellen.

In den Schlagzeilen war Gorillas zuletzt vor allem wegen eines seit Monaten andauernden Streits um die Arbeitsbedingungen. Ein Zusammenschluss von Mitarbeitern, das "Gorillas Workers Collective", kritisiert unter anderem befristete Verträge, mangelnde Ausrüstung für Fahrer sowie eine schlechte Dienstplanung. Gorillas betont stets, die Kritik ernstzunehmen und viele Punkte bereits verbessert zu haben.

jr, ak/DPA, Reuters
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