Milliardär steigt bei Chrono24 ein Bernard Arnault investiert in Uhren-Einhorn

Das Karlsruher Luxusuhren-Portal Chrono24 konnte einen der reichsten Menschen der Welt von sich überzeugen. Das Start-up wird bereits jetzt mit einer Milliarde Dollar bewertet.
Mit Dingen, die die Welt nicht unbedingt braucht, verdient er gutes Geld: LVMH-Chef Bernard Arnault

Mit Dingen, die die Welt nicht unbedingt braucht, verdient er gutes Geld: LVMH-Chef Bernard Arnault

Foto: BENOIT TESSIER/ REUTERS

Das Karlsruher Luxusuhren-Onlineportal Chrono24 nimmt vor einem möglichen Börsengang prominente neue Investoren an Bord. Die dritte Finanzierungsrunde über insgesamt gut 100 Millionen Euro werde vom Technologie-Investor General Atlantic (GA) angeführt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Auch der Start-up-Investor des französischen Milliardärs Bernard Arnault (72), Aglaé Ventures, habe sich beteiligt. "Wir waren schon vor dieser Finanzierungsrunde mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet - also ein 'Unicorn'", sagte Vorstandschef und Mitgründer Tim Stracke. GA und Arnault bewerteten das Unternehmen ebenfalls mit einer Milliardensumme.

Arnault liefert sich derzeit mit Amazon-Chef Jeff Bezos (57) ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des reichsten Menschen der Welt. Der Milliardär ist Großaktionär des französischen Luxuskonzerns LVMH, der allein im ersten Quartal 2021 einen Umsatz von 14 Milliarden Euro erwirtschaftete.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits im Mai aus Finanzkreisen erfahren, dass Chrono24 einen Börsengang anstrebt und dabei mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden könnte. "Wir halten uns alle Möglichkeiten zur weiteren Finanzierung offen. Dazu gehört perspektivisch auch ein Börsengang", sagte Stracke. "Die neue Finanzierungsrunde hat daran nichts geändert." Insgesamt konnte Chrono24 bisher rund 200 Millionen Euro bei Investoren einsammeln, die Gründer um Stracke haben die Mehrheit der Anteile abgegeben.

Ein Verkauf des ganzen Unternehmens - etwa an einen großen Uhrenhersteller - komme jedoch nicht infrage, machte Stracke klar. "Wir sehen extrem großes Potenzial, uns macht das Geschäft viel Spaß. Wir haben kein Interesse, die Unabhängigkeit von Chrono24 aufzugeben." Der Gebrauchtuhren-Händler Watchfinder war vor drei Jahren an den Genfer Luxuskonzern Richemont verkauft worden. Die schweizerische Uhrenplattform Chronext will laut Insidern schon im Herbst an die Börse.

Frisches Geld brauche Chrono24 eigentlich nicht, sagte der Mitgründer: "Wir haben ein starkes Finanzprofil, unser Umsatz ist 2020 um mehr als 50 Prozent gewachsen, bei einer deutlich zweistelligen Ebitda-Rendite." Ziel sei aber die Expansion in weitere Länder. "Der Markt für neue und gebrauchte Uhren ist 50 Milliarden Euro schwer. Das ist vermutlich der globalste Konsumgütermarkt überhaupt."

Auf Chrono24 tummeln sich derzeit 3000 professionelle Händler und 30.000 private Verkäufer. Über die Plattform würden monatlich 20.000 bis 30.000 neue und gebrauchte Luxusuhren verkauft, zu Preisen von durchschnittlich 7000 bis 8000 Dollar, sagte Stracke. Chrono24 bekommt bei jeder Transaktion eine Provision, von privaten Verkäufern 6,5 Prozent. Profihändler zahlen zudem eine Listungsgebühr.

mg/Reuters
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