Alles außer Fußball Ex-DFL-Chef Seifert gründet Sport-Streamingdienst

Ende vergangenen Jahres hat sich Christian Seifert von der Spitze der Deutschen Fußball Liga zurückgezogen. Nun taucht er mit einem neuen Projekt wieder auf – und greift damit auch Platzhirsch DAZN an.
Neue Herausforderungen: Der Medienkonzern Axel Springer hat sich mehrheitlich an dem neuen Unternehmen von Christian Seifert beteiligt

Neue Herausforderungen: Der Medienkonzern Axel Springer hat sich mehrheitlich an dem neuen Unternehmen von Christian Seifert beteiligt

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Federico Gambarini / dpa

Der Medienkonzern Axel Springer und der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert (52), entwickeln gemeinsam eine Streaming-Plattform für Ligenwettbewerbe und Einzelsportevents abseits des Fußballs. Der Start der Plattform sei für Herbst 2023 geplant, teilte das Medienhaus am Montag in Berlin mit. Sie soll auf den deutschen Markt zugeschnitten sein.

Ziel des gemeinsamen Unternehmens sei es, für Millionen von deutschen Sportfans, die sich für Ligen und Sportarten jenseits des Fußballs begeistern, eine neue mediale Heimat zu schaffen. So solle auch die Wahrnehmung von Sportarten wie etwa Handball, Basketball und Eishockey gesteigert werden, die medial im Vergleich zum Fußball bisher ein Schattendasein führen. Die Ligen und andere Wettbewerbe sollen über das Portal selbst zu sehen sein, aber auch über bestehende Plattformen wie MagentaTV von der Telekom.

Wie die Plattform heißen wird, wurde noch nicht bekannt. Gründer des Start-ups mit Sitz in Köln ist Seifert, wie es weiter hieß. Der Medienkonzern Axel Springer, zu dem die journalistischen Marken "Bild" und "Welt" gehören, habe sich mehrheitlich an dem neuen Unternehmen beteiligt. Seifert halte weiter einen signifikanten Anteil und fungiere als geschäftsführender Gesellschafter.

"Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation, in der sich Millionen von Fans auch für andere Sportarten als Fußball interessieren", erklärte Seifert die Unternehmensgründung. Man werde zahlreichen Ligen und Verbänden Kooperationsangebote unterbreiten. Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, Mathias Döpfner (59), sagte: "Sport gehört zu Axel Springer. Und in diesem Bereich wollen wir erklärtermaßen weiter investieren und wachsen."

Wachstum der Streaming-Dienste stagniert

Seifert stand fast 17 Jahre lang an der Spitze der DFL, im Oktober 2020 kündigte er seinen freiwilligen Rückzug zum Ende des Jahres 2021 an. Bis zum Beginn der Pandemie gelang es dem Medienmanager mit ausgeklügelten Ausschreibungen und Auktionen die Erlöse der Profiklubs aus der Vergabe der Übertragungsrechte auf eine Milliardensumme zu schrauben. Aber auch während der Pandemie überzeugte er als Krisenmanager.

Wie erfolgreich Seifert nun mit seinem neuen Projekt sein wird, bleibt abzuwarten. Streaming liegt zwar im Trend, doch auch große Anbieter wie Netflix enttäuschten zuletzt mit einem schwachen Wachstum und einem mauen Ausblick. Der Sportsender DAZN musste zuletzt sogar die Preise deutlich erhöhen: Die Kosten für ein Monatsabonnement verdoppeln sich praktisch ab dem 1. Februar für Neukunden auf 29,99 statt 14,99 Euro, der günstigste Vertrag für ein Jahr kostet 274,99 statt 149,99 Euro.

Zwar werden die Übertragungsrechte für andere Sportarten nur für einen Bruchteil der Summen im Fußball gehandelt. Doch die meisten Verbände haben bereits Medienpartner, oftmals DAZN. Zudem will Seifert sich mit der neuen Plattform nur auf Deutschland beschränken, ein relativ überschaubarer Markt. DAZN überträgt dagegen neben dem Fußball nicht nur Sportereignisse auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene.

Vielleicht könnte das aber auch die Intention von Seifert sein: Eine neue Plattform aufzubauen, die dann in einigen Jahren von einem großen Konkurrenten wie DAZN übernommen wird.

mg/dpa-afx, Reuters