Broadcom bietet 61 Milliarden Michael Dell größter Profiteur der Mega-Übernahme von VMWare

Im bisher zweitgrößten Deal des Jahres will der Chipkonzern Broadcom die US-Softwarefirma übernehmen. Davon profitiert vor allem einer: der Branchenveteran und Multimilliardär Michael Dell.
Altmeister: Michael Dell ist größter Anteilseigner von VMWare

Altmeister: Michael Dell ist größter Anteilseigner von VMWare

Foto: Drew Angerer/ Getty Images

Es ist ein Deal der Superlative. Angeführt vom malaysisch-chinesischen CEO Hock Tan (63) will der Chiphersteller Broadcom den amerikanischen Softwareanbieter VMware kaufen. Man habe sich auf eine Übernahme geeinigt, teilten die Unternehmen am Donnerstag mit. Der Deal bewertet VMWare mit etwa 61 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 57 Milliarden Euro, die in bar und mit Aktien bezahlt werden sollen. Nach der Übernahme des Spieleherstellers Activision Blizzard durch Microsoft Anfang des Jahres ist das die bislang zweitgrößte Firmenübernahme des Jahres.

Käufer: Broadcom-Chef Hock Tan

Käufer: Broadcom-Chef Hock Tan

Foto: REUTERS

Größter Profiteur des Deals ist der IT-Veteran Michael Dell (57). Dem Gründer und CEO des Computerkonzerns Dell Technologies gehören aktuell 40,2 Prozent der VMWare-Anteile. Erst im vergangenen Jahr hatte er VMWare von Dell Technologies abgespalten und fungiert bis heute als Chairman des Unternehmens. Genau wie der zweitgrößte Eigner, die Investmentgesellschaft Silver Lake (10 Prozent), steht er hinter der geplanten Transaktion. Rein rechnerisch wird sein Aktienpaket mit 24,5 Milliarden Dollar bewertet. Das ist auch für einen Multimilliardär wie ihn eine Menge. Das US-Magazin "Forbes" zählt Dell mit einem Vermögen von rund 58 Milliarden Dollar aktuell zu den 25 reichsten Menschen der Welt.

Der Chiphersteller Broadcom ist ein absolutes Schwergewicht der IT-Welt. Der Konzern mit Sitz in Kalifornien ist aktuell rund 217 Milliarden Dollar an der Börse wert. Mit der Übernahme der vor allem im Cloud-Business aktiven VMWare will Vorstandschef Hock Tan das Geschäft nun einmal mehr verbreitern.

Durch einen aggressiven Übernahmekurs hat der Konzernchef Broadcom in den vergangenen Jahren zu einem der am breitesten aufgestellten Chipkonzerne der Welt gemacht. 2018 etwa kaufte er die amerikanische Business-Software-Firma CA für knapp 19 Milliarden Dollar; 2019 schluckte er die IT-Sicherheitsfirma Symantec für knapp 11 Milliarden Dollar. Der Köngisdeal – der Versuch, für mehr als 100 Milliarden Dollar den US-Chiphersteller Qualcomm zu kaufen – scheiterte 2018 jedoch; der damalige US-Präsident Donald Trump (75) hatte die Übernahme durch den damals noch in Singapur sitzenden Konzern blockiert.

Nun bietet Hock Tan den VMWare-Aktionären 142,50 Dollar in bar oder 0,252 Broadcom-Papieren je eigener Aktie. Das Angebot ist ein satter Aufschlag von fast 50 Prozent im Vergleich zu den Schlusskursen vergangener Woche, als erstmals Meldungen über eine mögliche Übernahme kursierten.

VMWare mit Sitz im kalifornischen Palo Alto bietet Cloud-Software für Unternehmen. Insbesondere Konzerne sollen darüber ihre internen Netzwerke mit der Cloud koppeln können. Broadcom rechnet damit, dass vor allem dieses sogenannte Public-Cloud-Geschäft um 19 Prozent jährlich wachsen wird. Strategisch steigt mit dem Dealder Anteil des Software-Geschäfts von Broadcom deutlich. Aufs Jahr 2021 gerechnet, würde der fusionierte Konzern einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar erreichen, wovon fast die Hälfte auf Software-Erlöse zurückginge. Binnen drei Jahren nach Abschluss der Transaktion erwartet Broadcom einen Beitrag zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 8,5 Milliarden Dollar.

lhy/Reuters/DPA