Nvidia an Softbank-Firma Arm interessiert In der Chipindustrie bahnt sich ein Megadeal an

Bei Softbank geht es an die Kronjuwelen: In seiner Geldnot will der Investor sein größtes Tech-Investment auflösen. Nun kristallisiert sich ein möglicher Käufer heraus.
Softbanks riesiger Tech-Fonds braucht dringend Geld - Masayoshi Son muss umbauen

Softbanks riesiger Tech-Fonds braucht dringend Geld - Masayoshi Son muss umbauen

Foto: Kazuhiro NOGI / AFP

Der Grafikkarten-Spezialist Nvidia greift Insidern zufolge nach dem Chipentwickler Arm. Nvidia und der Arm-Eigner Softbank befänden sich in fortgeschrittenen Gesprächen und wollten binnen Wochen eine Übereinkunft erzielen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg  am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Nvidia sei aktuell der einzige passende Käufer, mit dem der japanische Mischkonzern konkret spreche. Finanzielle Details seien keine genannt worden und die Pläne könnten auch noch scheitern.

Der Deal wäre finanziell und geschäftlich ein Wendepunkt für Softbank. In den vergangenen Jahren hatte der Mobilfunkkonzern unter Führung von CEO Masayoshi Son (62) mit seinem 100 Milliarden Dollar schweren "Vision Fund" und aggressiven Geschäftsmethoden weltweit die Dimensionen von Tech-Deals in die Höhe getrieben. Nach dem geplatzten Wework-Börsengang hat sich die Anleger-Euphorie jedoch verflüchtigt, spätestens seit der Corona-Pandemie braucht Softbank dringend Geld. Die Beteiligungen in den Bürodienstleister Wework oder den Taxiersatzdienst Uber erwiesen sich weitgehend als Flop.

Im Frühjahr kündigte der Konzern entsprechend an, Beteiligungen von bis zu 41 Milliarden Dollar abzustoßen. Ende Juni begannen die Japaner, ihre Anteile am US-Mobilfunker T-Mobile US an die Deutsche Telekom zu veräußern. Und Mitte Juli hatten Bloomberg und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider über Pläne von Softbank berichtet, auch Arm an die Börse zu bringen oder zumindest teilweise zu verkaufen.

Softbank kaufte Arm einst für 32 Milliarden Dollar

Damit geht es an die Kronjuwelen des Son-Imperiums. Softbank hatte den Chipentwickler Arm im Jahr 2016 für damals 32 Milliarden Dollar gekauft, Son wollte mit dem Unternehmen vom Boom des Internets der Dinge profitieren. Von Arm unterstützte Mikroprozessoren treiben die meisten Smartphones an, unter anderem nutzen die A13-Prozessoren der neuesten iPhone-Generation die Strukturen. Arm gilt als eine der absoluten Schlüsselfirmen in der Chipindustrie. 2019 lieferte die Firma insgesamt 22,8 Milliarden Einheiten aus, ihr Marktanteil bei mobil eingesetzten Prozessoren betrug eigenen Angaben zufolge 90 Prozent, bei Infotainment- und Fahrassistenzsystemen in Autos 75 Prozent.

Seit der Übernahme durch Softbank wuchsen die Umsätze jedoch kaum noch, außer durch Zukäufe. Mit Lizenzgebühren von Chipherstellern, die Arm-Technik nutzen, sowie mit anderen Prämien hat das 1990 gegründete Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt.

Vorstandschef ist seit 2013 der Ingenieur Simon Segars (52), der entscheidend an der Entwicklung der frühen Arm-Technologie mitgearbeitet hatte. Infolge der Übernahme durch Softbank ist er auch ins Board des neuen Eigentümers aufgestiegen, wo er seine Kontakte in seine Heimat im Silicon Valley einsetzen sollte.

Nvidia, der potenzielle Käufer, ist selbst ein Schwergewicht mit einem Börsenwert von rund 260 Milliarden Dollar. Der US-Konzern gilt als führender Entwickler von Grafikchips und Prozessoren für Computer und Spielkonsolen. Es ist ein Geschäft mit hohen Margen. Im Geschäftsjahr 2019/2020, das bei Nvidia bis zum 31. Januar läuft, blieben bei 10,9 Milliarden Dollar Umsatz rund 2,8 Milliarden Dollar Nettogewinn übrig. Mit dem Kauf von Arm, deren Kunde auch Nvidia selbst ist, würde sich der Hersteller breiter aufstellen und deutlich an Größe gewinnen. Allerdings dürften die Wettbewerbshüter einen solchen Deal genau unter die Lupe nehmen.

luk/lhy/dpa-afx