Auftragsfertiger TSMC profitiert Chipkrise stärkt heimlichen Riesen aus Taiwan

Der Brand in einer Chipfabrik in Japan verschärft die Chipkrise der Autoindustrie. Davon profitiert Taiwans Halbleiter-Auftragsfertiger TSMC - der heimliche Riese der weltweiten Chip-Produktion.
Rot ist nur das Logo, nicht die Zahlen: Schriftzug des taiwanesischen Halbleiter-Auftragsfertigers TSMC, der sich unentbehrlich gemacht hat

Rot ist nur das Logo, nicht die Zahlen: Schriftzug des taiwanesischen Halbleiter-Auftragsfertigers TSMC, der sich unentbehrlich gemacht hat

Foto: ANN WANG / REUTERS

Der Brand in einer Fabrik des japanischen Chipsherstellers Renesas schreckt die Autobranche auf – und Japans politische Führung: Die Regierung des Landes bittet Anlagenbauer in Japan und Übersee, schnellstmöglich Teile zur Reparatur des havarierten Werks zu liefern. Die Chipkrise in der Automobilindustrie dürfte sich damit noch verschärfen. Ein Unternehmen, das bislang nur Brancheninsider kennen, wird davon aber zumindest mittelfristig kräftig profitieren: Der taiwanesische Chipproduzent TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger von Halbleitern.

Noch werden zwar laut Experten zahlreiche der in der Automobilindustrie verwendeten Chips, sogenannte Microcontroller, in eigenen Werken spezialisierter Chiphersteller gefertigt. Der Halbleiterproduzent NXP war in diesem Bereich mit 27,2 Prozent Marktanteil im Jahr 2019 Marktführer, gefolgt von Japans Renesas (27 Prozent Marktanteil 2019) und dem deutschen Hersteller Infineon  (16,8 Prozent). Bei Prozessoren neuester Generation allerdings schrumpfen die Größen der darauf eingesetzten Transistoren weiter – und diese werden wohl auch bald in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Apple setzt etwa bei seinen Chips auf Transistoren von 7 Nanometern Größe, produziert werden aber auch bereits Prozessoren mit 5 Nanometern Transistorengröße – und es soll noch weiter nach unten gehen.

Enorme Dominanz bei Halbleitern mit Nano-Transistoren

Die Automotivechips-Spezialisten sind dafür technisch noch nicht gerüstet und lagern die Fertigung deshalb gezwungenermaßen an den taiwanesischen Technologieführer TSMC aus. Das zeigt auch ein Deal zwischen NXP und TSMC  zur Herstellung von 5-Nanometer-Prozessoren aus dem Juni 2020.

TSMC hat als Chip-Auftragsfertiger bereits einen Marktanteil von 56 Prozent, bei der Auftragsfertigung von Chips mit 5 bis 10 Nanometern Transistorengröße sind es sogar weit über 80 Prozent Marktanteil. Der weithin unbekannte Riese aus Asien hatte im selbst im Corona-Jahr hervorragende Zahlen vorgelegt: Im Gesamtjahr 2020 erzielte TSMC einen Umsatz von 45,5 Milliarden Dollar, eine Steigerung von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn im Jahr 2020 lag bei von 17,6 Milliarden Dollar.

Taiwans Chip-Riese investiert gerade in eine neue Fabrik, die Halbleiter mit Transistoren von nur 3 Nanometern Größe bauen soll. Das entspricht einem Zwanzigtausendstel eines menschlichen Haares. Der Vorteil solcher Chips: Sie sollen um bis zu 70 Prozent schneller und auch deutlich stromsparender sein als die aktuell fortschrittlichsten Halbleiter.

Das neue Werk für die weltweit fortschrittlichsten Prozessoren wird einem Bericht der "Financial Times" zufolge  eine Fläche von 160.000 Quadratmetern aufweisen, die Größe von 22 Fußballfeldern. Wie groß die Rolle von TSMC bei der Chips-Auftragsfertigung bereits jetzt ist, zeigt auch ein Hilferuf von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62): Im Januar bat er die taiwanesische Regierung per Brief um Hilfe bei der Lösung der Chipkrise in der Autoindustrie.

Die zunehmende Dominanz von TSMC ruft nun auch bereits die Weltmächte China und USA auf den Plan: Wohl nicht ganz zufällig hat der US-Halbleiterriese Intel vor kurzem angekündigt, 20 Milliarden Dollar in neue Werke zu stecken und nun ebenfalls in die Auftragsfertigung von Chips für Dritte einsteigen zu wollen. Dabei kämpft auch der amerikanische IT-Riese mit der neuesten Technologie: Denn selbst Intel hat Aufträge zur Chipfertigung bereits an TSMC vergeben.

Chinas Chip-Auftragsfertiger, berichtet die FT, sind technisch noch weit von der Fertigungsexpertise  von TNMC entfernt. Und TSMC ist entschlossen, seinen Vorsprung noch auszubauen: Im Januar erklärte das Unternehmen, seine Investitionen nochmals kräftig zu steigern. In diesem Jahr will das Unternehmen zwischen 25 und 28 Milliarden Dollar investieren. Nach Informationen in lokalen Medien sollen 80 Prozent der Summe für die Entwicklung moderner Technologien wie 3-, 5- und 7-Nanometer-Chips verwendet werden. 2019 waren es 17,2 Milliarden Dollar – und auch das war schon ein neuer Rekordwert für TSMC.

Technologisch kann beim Wettlauf um kleinere Transistorengrößen nur der koreanische Elektronikkonzern Samsung mithalten, der ebenfalls als Chips-Auftragsfertiger tätig ist wenn auch in deutlich kleinerem Umfang als TSMC.

Im vergangenen Jahr profitierte TSMC stark von der weltweit steigenden Nachfrage nach Laptops, Smartphones und Spielekonsolen im Zuge der Coronakrise. Nun dürfte TSMC wohl noch stärker auf Halbleiter für den Automotive-Bereich setzen. Allzu viel Sorgen um weltweite Konkurrenz dürfte sich TSMC dabei nicht machen. Denn der Einstieg in die Chipfertigung und vor allem die Herstellung so kleiner Transistoren ist laut Experten sehr kostspielig.

"Das innovativste Zeug wird auf einem Campus in Taiwan gefertigt"

TSMC blieb bislang weitgehend unbekannt. Denn die Halbleiter, die das Unternehmen fertigt, werden von IT-Firmen wie Apple, AMD oder Qualcomm entwickelt und unter deren Namen verkauft. Über die Hälfte aller weltweit von Auftragsfertigern hergestellten Chips stammen mittlerweile von TSMC. "Die Branche sei "unheimlich abhängig von TSMC", vor allem im technisch fortschrittlichsten Bereich, erklärte der Bain-Berater Peter Hanbury gegenüber der Financial Times. "Vor 20 Jahren gab es noch 20 Auftragsfertiger. Jetzt wird das innovativste Zeug auf einem einzigen Campus in Taiwan gefertigt."

Diese Abhängigkeit sorgt nun weltweit für Irritation. In den USA nennen Politiker den Chipmangel in der Autobranche als Beispiel dafür, dass das Land die Halbleiterherstellung in der Heimat wiederbeleben sollte. TSMC hat auf den Druck des damaligen Präsidenten Donald Trump reagiert – und zugesagt, in den USA 12 Milliarden Dollar in den Aufbau eines Werkes zu investieren.

Europas Chipfertiger müssen sich anstrengen

Japan sorgt sich ebenfalls um die Marktmacht der Taiwaner. TSMC hat deshalb vor kurzem angekündigt, eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Japan aufzubauen. Auch in der EU gibt es Bestrebungen, sich aus der Abhängigkeit von TSMC zu lösen. Die EU-Staaten haben deshalb eine Initiative für Investitionen in eine Chipfabrik für Zwei-Nanometer-Transistoren gestartet, die der nächste Technologieschritt nach TSMCs neuem Werk wäre.

Zum bisherigen Geschäftsmodell von TSMC passt das alles nicht so recht, heißt es in der "FT". Laut Analysten seien die Taiwanesen deshalb so effizient und profitabel, weil sie vieles direkt im Land konzentrieren. Für den US-Standort hätte sich TSMC nur deshalb entschieden, weil die Amerikaner zugesagt hätten, die höheren Fertigungskosten im Land durch Subventionen auszugleichen. Mit Japan will TSMC keine Konfrontation riskieren - wohl auch angesichts der historisch schwierigen Beziehungen zwischen Taiwan und dem Inselstaat. In Europa, so deutete ein TSMC-Sprecher gegenüber der FT an, sehe das Unternehmen kaum einen Vorteil für den Aufbau eines eigenen Werks.

Da werden sich Europas Chipriesen NXP und Infineon wohl vermutlich selbst anstrengen müssen, um den Technologierückstand aufzuholen.

wed
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.