Nio, Apple, Yum Neue Lockdowns in China belasten Konzerne

Der größte Virusausbruch in China seit dem Sommer führt zu neuen Lockdowns. Der E-Autobauer Nio muss seine Produktion stoppen. Die Null-Covid-Doktrin belastet erneut auch die Produktion von Apple. Der iPhone-Konzern sucht jetzt Alternativen – jenseits von China.
Kaserniert im Lockdown: Beschäftigte des iPhone-Herstellers Foxconn

Kaserniert im Lockdown: Beschäftigte des iPhone-Herstellers Foxconn

Foto: REUTERS

In China fordern steigende Corona-Zahlen und die Null-Covid-Politik der Regierung einen immer höheren Tribut in der Wirtschaft. Neben dem Apple-Zulieferer Foxconn sind zum Beispiel auch der Elektrofahrzeughersteller Nio und die Restaurantkette Yum China von den strikten Maßnahmen betroffen.

Nio setzte jetzt die Produktion in seinen Werken in der im Osten Chinas gelegenen Provinzhauptstadt Hefei aus. Yum China, Betreiber von KFC und Pizza Hut, teilte am Mittwoch mit, dass 1400 seiner rund 12.400 Filialen in dem Land im Oktober vorübergehend geschlossen waren oder nur eingeschränkt Speisen und Getränke anbieten konnten. Im Juli und August waren im Schnitt nur 400 Filialen betroffen.

China hat gegenwärtig mit dem größten Ausbruch des Virus seit dem Sommer zu kämpfen. Damals waren in mehreren Großstädten Millionen Menschen gezwungen, zu Hause zu bleiben oder sich im Rahmen der strengen Corona-Maßnahmen in zentrale Quarantäne-Einrichtungen zu begeben.

Lockdown über riesigen Industriepark verhängt – Menschen flüchten

In China kursieren seit Monaten Videos von Menschen, die eilig Bürokomplexe und Einkaufszentren verlassen, um dort nicht unter Quarantäne gestellt zu werden. Über einen Industriepark der Stadt Zhengzhou, in dem sich ein wichtiges Werk von Foxconn befindet, verhängten die Behörden am Mittwoch einen neuen Lockdown, der bis zum 9. November in Kraft bleiben soll.

Auch hier flüchteten offenbar viele Menschen von ihrem Arbeitsplatz: In Online-Netzwerken eingestellte Videos zeigten Arbeiterinnen und Arbeiter der Foxconn-Fabrik, die mit Taschen in großer Eile das Gelände verlassen, um nicht in ihrer Produktionsstätte eingesperrt zu werden. Die Echtheit dieser Aufnahme konnte ebenso wenig überprüft werden wie die anderer Aufnahmen.

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Apple drohen durch die neuerlichen Lockdowns Einbußen bei der Produktion, denn Foxconn produziert 70 Prozent aller iPhones weltweit – die meisten davon in Zhengzhou. Allein Foxconn beschäftigt dort rund 200.000 Mitarbeiter. Dem iPhone-Auftragsfertiger zufolge arbeitet das Werk weiter im Pandemie-Modus, in dem Beschäftigte isoliert von der Außenwelt auf dem Gelände leben und arbeiten. Bei den Mitarbeitern wächst aber zunehmend der Unmut. Viele beschwerten sich in den in sozialen Medien über ihre Behandlung und Versorgung auf dem hermetisch abgeriegelten Fabrikgelände. Zur Besänftigung der Mitarbeiter hat Foxconn inzwischen die Boni vervierfacht.

Chinas Null-Covid-Politik gerät damit im Vergleich zum Rest der Welt immer mehr aus den Fugen. Doch Staatschef Xi Jinping (69) hatte erst beim Kongress der Kommunistischen Partei Mitte Oktober den strikten Kurs erneut bekräftigt, mit dem größere Ausbrüche um jeden Preis eingedämmt werden. Mehr als 80 Prozent der chinesischen Großstädte meldeten im vergangenen Monat neue Fälle, wobei die Ausbreitung durch Urlaubsreisen und neue Untervarianten befeuert wurde.

Apple zieht sich aus China zurück

Die strikte Null-Covid-Doktrin Pekings und das zusehends angespannte Verhältnis zwischen den USA und China zwingt Apple wie auch andere Unternehmen, ihr Verhältnis zu dem Riesenreich möglichst schnell zu entkoppeln. Für Apple steht dabei viel auf dem Spiel: Fabriken in China stellen heute mehr als 90 Prozent der Produkte des US-Konzerns her, die auch unter Chinesen extrem beliebt sind. In manchen Jahren steuerten chinesische Verbraucher bis zu einem Viertel zum Konzernumsatz von Apple bei.

Doch der Druck zum Handeln steigt: Nicht wenige Unternehmen suchen und gründen neue Produktionsstätten in anderen Teilen Asiens, um so ihre Abhängigkeit von China zu lösen. Apple zum Beispiel hat zwischen 2017 und 2021 die Zahl seiner Lieferanten in Vietnam und Indien auf 36 mehr als verdoppelt. Im September begann Apple unter großem lokalen Aufsehen mit der Herstellung seines neuen iPhone 14 in Indien, wo zuvor nur ältere Modelle hergestellt wurden. Zudem will Apple bald mit der Produktion seiner MacBook-Laptops in Vietnam beginnen.

Bereits jetzt produziert Apple einige seiner Gadgets zum Großteil in Vietnam: Fast die Hälfte seiner Airpod-Kopfhörer lässt der iPhone-Konzern dort herstellen, bis 2025 sollen es gut zwei Drittel sein. Die Analysten von J.P. Morgan Chase schätzen, dass derzeit gerade Mal 5 Prozent der Apple-Produkte außerhalb Chinas hergestellt werden. Bis 2025 könnten es 25 Prozent sein.

rei mit Reuters
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