Deutschlands wertvollstes Start-up Katars Staatsfonds steigt bei Celonis ein

Celonis, ohnehin bereits wertvollstes Start-up in Deutschland, erhält von Investoren eine Milliarde Euro an frischen Geldern. Neu unter den Geldgebern: der Staatsfonds von Katar. Die Mittel könnten unter anderem in weitere Übernahmen fließen.
Auf Erfolgskurs: Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk, die Gründer von Celonis

Auf Erfolgskurs: Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk, die Gründer von Celonis

Foto: Celonis

Das wertvollste deutsche Start-up Celonis hat sich eine Finanzierung von einer weiteren Milliarde Dollar gesichert. Damit steige die Bewertung des SAP-Konkurrenten auf knapp 13 Milliarden Dollar von zuvor elf Milliarden Dollar, teilte Celonis am Dienstag mit. An der Spitze der Investoren war dabei der Staatsfonds aus Katar, die Qatar Investment Authority (QIA). Zu den weiteren Geldgebern gehörten unter anderem die Investmentgesellschaften Activant Capital, Neuberger Berman, Alta Park Capital oder Commonfund Capital. Auch Alt-Investoren hätten sich beteiligt, so das Unternehmen.

Angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten und der eingebrochenen Bewertung vieler Tech-Aktien hatten etliche, auch hoch bewertete Start-ups zuletzt Probleme gehabt, frisches Kapital bei Investoren einzuwerben.  Wenn überhaupt, waren die Geldgeber oft nur unter harten Bedingungen für neue Finanzierungsrunden bereit. Celonis stellen die Investoren nun zusätzlich 400 Millionen Dollar bereit. Dazu komme eine Kreditlinie bei einem Bankenkonsortium in Höhe von 600 Millionen Dollar. Die große Kreditlinie spricht Beobachtern zufolge dafür, dass es dem Unternehmen weiter finanziell gut geht.

Bastian Nominacher (37), der den Daten-Spezialisten 2011 mit den beiden Mitstudenten der Technischen Universität München, Alexander Rinke (33) und Martin Klenk (35), gegründet hatte, sagte, das frische Geld gebe dem Unternehmen zusätzlichen Handlungsspielraum, das Geschäft strategisch weiterzuentwickeln und die Marktposition auszubauen. Die Münchner Firma ist darauf spezialisiert, mit ihrer Software Prozesse in Unternehmen zu analysieren und zu verbessern. Celonis zieht dabei Daten aus Unternehmenssoftware wie von SAP, Salesforce oder Microsoft, die dann in der Celonis-Cloud genutzt und gedeutet werden. Zu den Kunden zählen Konzerne wie Siemens, Deutsche Telekom, Lufthansa, Bosch, BMW oder Deutsche Bank. Sie können über die Celonis-Software beispielsweise Änderungen simulieren, um zu sehen, ob und wie sie tatsächlich einen Prozess verbessern können. Laut einem Unternehmenssprecher wachse das Celonis-Geschäft jährlich in einem dreistelligen Prozentbereich.

Das frische Kapital ist technisch eine Erweiterung der bereits im Juni 2021 bekannt gegebenen Finanzierungsrunde der Serie D. Mit den drei vorherigen Runden haben die drei Gründer seit 2016 nun rund 1,37 Milliarden Dollar bei externen Investoren eingesammelt.

Die Kreditlinie kann Celonis zufolge auch für Übernahmen verwendet werden, um weiter zu wachsen. Zuletzt hatte Celonis das Darmstädter Unternehmen Process Analytics Factory (PAF) für rund 100 Millionen Dollar gekauft. Davor hatten die Münchener Lenses.io aus Großbritannien und die tschechische Automatisierungsplattform Integromat übernommen.

Für den katarischen Staatsfonds ist es nicht das erste Start-up-Engagement. Die QIA investiert verstärkt in Techfirmen, darunter etwa in das Berliner Start-up Infarm, das auf Vertical Farming setzt, sowie der britische Zahlungsdienstleister Checkout.com. Zu den Hintergründen über den Einstieg des Staatsfonds aus dem Emirat äußerte sich Celonis zurückhaltend. Der Staatsfonds zähle zu den international renommierten Investoren von Celonis, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Mit strategischen Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen weltweit verfüge die QIA über ein immenses Netzwerk, um Celonis Türen zu öffnen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. QIA ist mit einem Anlagevermögen von 445 Milliarden US-Dollar einer der weltweit größten Anleger und gilt Celonis zufolge als ein langfristig orientierter strategischer Investor.

dri/Reuters
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