Nach der Flucht aus China Die neuen Lieblingsländer der Krypto-Miner

Die chinesische Regierung hat das Mining von Kryptowährungen verboten. Nun zieht es die Schürfer des digitalen Goldes mit ihren gewaltigen Server-Farmen unter anderem nach Texas, Kasachstan und Kentucky. Ein Überblick.
Krypto-Schürfer müssen sich nach ihrer Verbannung aus China neue Standorte suchen

Krypto-Schürfer müssen sich nach ihrer Verbannung aus China neue Standorte suchen

Foto: © Stephen Lam / Reuters/ REUTERS

Umzug der Schürfer-Gemeinde: Nachdem die kommunistische Regierung Chinas sie aus dem Land verbannt hat, müssen etliche Krypto-Miner neue Standorte für ihre Supercomputer finden. Peking will seinen eigenen digitalen Yuan durchsetzen: Mithilfe einer eigenen Kryptowährung könnte der Staat die Transaktionen der Chinesinnen und Chinesen en detail nachvollziehen. Deshalb wollte man die unliebsame Bitcoin-Währung, die auf einer anonymisierten und dezentralen Blockchain basiert, nicht mehr durch Server-Farmen im eigenen Land unterstützen.

Ein Verbot mit Folgen: Die globale Hash-Rate, die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks, gab nach dem Eingriff Pekings zeitweise um 40 Prozent nach. Die Nachfrage nach neuen Standorten, um Bitcoin zu schürfen, war daraufhin größer denn je. Einige Mining-Unternehmen hatten vorgeplant, andere erwischte der Schritt unvorbereitet. Sie alle müssen ihre Computer nun außer Landes schaffen. Die Frage ist nur: wohin?

Dem Branchen-Onlinemagazin Coindesk zufolge soll ein Viertel der Leistung in den USA wieder online gehen. Weitere 25 Prozent dürften in Zentralasien, insbesondere Kasachstan und in der Mongolei erneut hochfahren. Das dritte Viertel teilen sich Südamerika und die EU voraussichtlich auf. Der Rest der bisherigen globalen Rechenleistung könnte Coindesk zufolge verloren gehen, da ein Teil der Computer in China zurückgelassen wurde.

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Hier wollen die Krypto-Player ihre Coins schürfen

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Kürzere Wege und niedrigere Strompreise in Kasachstan und der Mongolei

Nach ihrer Verbannung aus China zieht es die Mining-Unternehmen über die Grenze. Die Nachbarstaaten Mongolei und Kasachstan locken mit einigen für Schürfer attraktiven Eigenschaften: allen voran den niedrigen Strompreisen. Denn die bestimmen die Margen der Unternehmen maßgeblich. Rechenoperationen, mit denen Bitcoin erzeugt werden, sind besonders energieintensiv. Laut dem Cambridge Center for Alternative Finance (CCAF) benötigt Bitcoin pro Jahr dieselbe Menge an Energie wie Schweden. Der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde in Kasachstan liegt bei etwa 0,04 Dollar - für die Schürfer ein verlockend günstiger Preis. Auch das kalte, trockene Klima in der Region sei optimal. Zu heiße und feuchte Bedingungen schaden nämlich den Supercomputern und deren Leistung.

Die Nähe zu China macht die zentralasiatischen Staaten ebenfalls interessant. Denn die Schürfer wollen möglichst schnell neue Standorte erschließen. Maschinen von China nach Kasachstan zu transportieren, nimmt weniger Zeit in Anspruch als sie in die USA zu schaffen. Hinzu kommen die hohen Frachtkosten. Die Computer, die mehrere Tausend Dollar wert sind, sind darüber hinaus äußerst empfindlich. Die Arbeitskräfte, die diese bauen und instand halten, sind etwa in der Mongolei deutlich billiger als in den Vereinigten Staaten.

USA lockt mit Sicherheit

Angesichts der Kosten spricht also vieles für einen raschen Umzug innerhalb Asiens. Trotzdem buhlen auch einige Bundesstaaten der USA um die Bitcoin-Miner: Denn diese sind zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor geworden. Viele Unternehmen handeln insbesondere Texas als potenziellen neuen Standort. Der für seine Erdöl-Industrie bekannte Staat hat erst im Juni Digitalwährungen rechtlich anerkannt. Der texanische Gouverneur twitterte daraufhin: "Blockchain ist eine boomende Branche in Texas. Ich habe soeben ein Gesetz unterschrieben, um einen Master-Plan für die Blockchain-Industrie in Texas zu ermöglichen."

Das texanische Stromnetz ist zudem vom Netz der USA abgekoppelt. Mining-Unternehmen können Kapazitäten der Stromanbieter zu einem fixen Preis kaufen. Wenn die Energienachfrage im Bundesstaat insbesondere für die Klimaanlagen in den heißen Sommermonaten steigt, können die Farmen ihren Strom zurück ans Netz verkaufen - sofern sie diesen nicht selbst benötigen. Im Süden der USA buhlen neben Texas noch weitere Staaten um die Krypto-Firmen. In Kentucky müssen Miner bereits weniger Steuern zahlen. In Floria spielte der Bürgermeister von Miami, Francis Suarez, mit dem Gedanken, die Stadt zu einem "Knotenpunkt" für Bitcoin-Mining zu entwickeln.

Ein Umzug in die USA ist für die Miner zwar aufwendig und teuer, aber dafür bieten die US-Staaten andere Vorteile. Und sie bieten, was China nicht geboten hat: stabile rechtliche Geschäftsbedingungen, die amerikanische "business-friendly" Einstellung sowie mögliche Zuwendungen und Subventionen der Politik.

Venezuela: Pleite-Land will Bitcoin-Goldgrube werden

Ausgerechnet Venezuela sollen die Miner Coindesk zufolge ebenfalls anvisieren. Das von Krisen und Hyperinflation gebeutelte Land lockt die Krypto-Unternehmen vor allem mit seinen sehr niedrigen Strompreisen. Einerseits ist der venezolanische Bolivar extrem schwach gegenüber dem US-Dollar. Andererseits sitzt Venezuela auf riesigen Öl- und Gasreserven und verfügt über eine starke Wasserkraft-Infrastruktur. Trotzdem leiden die Einwohnerinnen und Einwohner des Landes unter mehrtägigen Blackouts. Auch die beiden Länder El Salvador und Paraguay bemühen sich um die Schürfer-Branche. El Salvador machte jüngst damit auf sich aufmerksam, den Bitcoin als offiziell gesetzliches Zahlungsmittel zuzulassen.

Auch in Paraguay sind die Stromkosten mit ca. 0,05 Dollar pro Kilowattstunde sehr niedrig. Hinzu kommt, dass ein Großteil davon aus erneuerbaren Energien stammt. Die südamerikanische Option birgt für die suchenden Miner aber ein Risiko: die politische und wirtschaftliche Instabilität, die in vielen Staaten herrscht.

Hash-Rate des Bitcoin-Netzwerkes

Die ersten Unternehmen scheinen jedenfalls schon einen Standort gefunden zu haben. Die durchschnittliche 7-Tage-Hash-Rate hat sich von seinem Tief Anfang Juli wieder erholt und liegt in etwa bei dem Niveau, dass sie nach dem Crash im diesjährigen April hatte. Bis zur Rekordleistung von 180 Mio. TH/s müssen allerdings noch einige Computer ans Netz gehen.

flx
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