Waymo weit vor Tesla Diese Firmen führen beim autonomen Fahren

Uber hat aufgegeben, Tesla wird geschmäht: Allmählich wird klar, dass nicht alle auf dem Zukunftsmarkt autonomes Fahren gleichermaßen gewinnen können. Hier ist eine Top Ten der Unternehmen.
In Führung: Robotaxis von Waymo in Arizona

In Führung: Robotaxis von Waymo in Arizona

Foto: CAITLIN O'HARA / REUTERS

Wer ist besser? Zwischen Tesla-Chef Elon Musk (49) und John Krafcik (59), der die aus Googles Autoprojekt hervorgegangene Alphabet-Tochter Waymo leitet, hat sich etwas entwickelt, das nach Egokampf aussieht.

Mit vollem autonomen Fahren habe der Ansatz von Tesla nichts zu tun, erklärte Krafcik im Interview mit dem manager magazin . "So funktioniert das in der Praxis nicht", wies er die Annahme zurück, Tesla könne die Sammlung von Daten aus dem Betrieb seines "Autopilot" genannten Assistenzsystems nutzen, um eines Tages echte Robotaxis zu entwickeln. Dafür brauche man schon Hardware wie Sensoren, mit denen Waymo weit voraus sei.

Das wollte Musk nicht auf sich sitzen lassen und konterte, "zu meiner Überraschung hat Tesla bessere Hard- und Software zur künstlichen Intelligenz als Waymo". Einige Experten schalteten sich auf Krafciks Seite ein: Endlich spreche es mal jemand mit Autorität aus. Tesla werde mit seiner Strategie niemals "Level 5" erreichen, also voll autonomes Fahren, meint Sam Abuelsamid vom Analysedienst Guidehouse Research. Deshalb laufe Tesla in den Guidehouse-Rankings zum autonomen Fahren immer am Ende mit.

Tesla auf Platz 18 von 18, Uber außer Konkurrenz

Tatsächlich steht Tesla in der jüngsten Rangliste, die Guidehouse im Frühjahr 2020 veröffentlichte , auf Platz 18 - von 18. Das Unternehmen selbst habe in seinem Jahresbericht eine früher gebrauchte Formulierung gestrichen, man mache "weiterhin erhebliche Fortschritte in der Entwicklung von Technologien für voll autonomes Fahren". Guidehouse wertet diese Auslassung in einem offiziellen Dokument als Eingeständnis, dass dieses Ziel nicht wirklich in Sicht rücke. Tesla zeige im Design seiner Elektroautos auch gar keine Ambition, sie als Robotaxis auszurüsten.

Gar nicht erst im Ranking vertreten ist ein anderer Silicon-Valley-Konzern, der sich lange als Vorreiter im autonomen Fahren gerierte: Uber. Der Fahrdienst hatte jahrelang aggressiv expandiert, Topmanager von Waymo und Tesla abgeworben (und sich mit Waymo einen langen Rechtsstreit um intellektuellen Diebstahl geliefert), den Ersatz seines Millionenheers von Fahrern durch Maschinen in Aussicht gestellt und Testwagen oft auch nonchalant auf die Straßen losgelassen, ohne sich um ein OK der Behörden zu kümmern.

2018 wurden Sicherheitsmängel durch den ersten von einem fahrerlosen Auto verursachten tödlichen Unfall in Arizona offenbar. Und im Dezember 2020 zog Uber einen Schlussstrich: Die Sparte wurde an das Roboauto-Start-up Aurora unter Führung von Waymo-Veteran Chris Urmson (44) verkauft - ein weiterer Silicon-Valley-Star, den Guidehouse keiner Nennung im Ranking für Wert befindet.

Stattdessen muss Tesla sich hinter Start-ups wie Navya oder May Mobility ebenso wie etablierten Autoherstellern von BMW über Volvo bis Toyota einreihen. Auch diese jedoch schaffen es nicht unter die Top Ten. Diese sind:

Platz 10: Daimler/Bosch

Die beiden Stuttgarter Konzerne arbeiten schon seit Jahren in der Entwicklung selbstfahrender Vehikel zusammen. Im Sommer 2019 konnten sie gleich zwei Durchbrüche verkünden: den Start eines Robotaxi-Pilotprojekts im kalifornischen San Jose und ein von den deutschen Behörden genehmigtes Parkhaus in Stuttgart für den Einsatz von Einparksystemen ohne Sicherheitsfahrer - letzteres eine branchenweite Pioniertat. Bosch entwickelt auch neue Radartechnik und will in Dresden in diesem Jahr eine milliardenteure Halbleiterfabrik speziell für autonomes Fahren und andere Zukunftstechniken wie Smart Home einweihen.

Das Ranking erschien, bevor Daimler erst seine Robopartnerschaft mit BMW und dann auch noch die Idee eines Robotaxidienstes aufgab: "Wir treten zu keinem Rennen an, das wir nicht mehr gewinnen können", zeigte ein Konzernsprecher im Oktober das neue Kostenbewusstsein. Immerhin kooperiert Daimler nun mit Waymo, um die nötige Hardware für autonome Lastwagen zu entwickeln - auch für John Krafcik Zukunftsmusik.

Platz 9: Zoox

Das inzwischen von Amazon übernommene Unternehmen hat auf dem Pioniermarkt Kalifornien die erste behördliche Genehmigung für den Transport von Fahrgästen in autonomen Autos erhalten - will sie aber erst nutzen, wenn auch die Auflage wegfällt, Sicherheitsfahrer mitzunehmen. Im Dezember 2020 präsentierte Zoox in San Francisco sein eigenes Robotaxi im Toaster-Look. Die Erfahrung auf den engen, steilen Straßen der Westküstenmetropole gilt weithin als Vorteil, auch wenn Waymo-Chef Krafcik das anders sieht .

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Platz 8: Yandex

Yandex ist als führender Internetkonzern des Landes die russische Version von Google - und auch in der Entwicklung autonomer Fahrzeuge gibt es Parallelen zum Google-Unternehmen Waymo. Die Firma hat in Russland, Israel und den USA inzwischen nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Meilen Testfahrten zurückgelegt, zum Teil in ihrem eigenen Mitfahrdienst, und ein eigenes Lidar-System (Laserradar) entwickelt, das laut Guidehouse besonders kostengünstig ist.

Platz 7: Volkswagen

Der deutsche Konzern sieht sich selbst gar nicht unbedingt so weit vorn. Zumindest wiederholt Audi-Chef Markus Duesmann  (51), der fürs autonome Fahren zuständig ist, das Mantra, man habe einen Vorsprung von Tesla aufzuholen. Doch Volkswagen hat sich nicht nur mit Ford und dessen Roboauto-Tochter Argo AI verbündet, die im vergangenen Jahr Audis eigene Entwicklungsfirma als neue Europazentrale übernahm. Die möglichen Skaleneffekte bringen die Augen der Guidehouse-Analysten zum Leuchten. In China startet der Konzern auch den ersten Robotaxidienst auf dem größten - und besonders experimentierfreudigen - Automarkt der Welt.

Platz 6: Aptiv/Hyundai

Aptiv ist aus der Roboautoentwicklung des US-Autozulieferers Delphi hervorgegangen, seine Software steckt in mehreren Projekten verschiedener Hersteller rund um die Welt. Der südkoreanische Autohersteller Hyundai, der sich zuletzt als Partner für Apples lang erwartetes und bislang nie materialisiertes Autoprojekt ins Spiel brachte, hat mit Aptiv im August 2020 die Gemeinschaftsfirma Motional gegründet. Ziel ist die Massenproduktion von Autos des Autonomielevels 4, bei dem menschliche Fahrer noch in Ausnahmesituationen eingreifen müssen. In Nevada gab es schon die Freigabe für Tests ohne Sicherheitsfahrer.

Platz 5: Intel/Mobileye

Schon für die herkömmliche Autoproduktion sind Chiphersteller zentral, wie die aktuelle Versorgungskrise zeigt. Chipgigant Intel positioniert sich für das autonome Fahren, das noch mehr und spezialisierte Halbleiter erfordert. Mit der Übernahme der israelischen Firma Mobileye für 15,3 Milliarden Dollar kam 2017 eine andere Hardwarekomponente hinzu. Mobileye gilt als führend in der Entwicklung sogenannter Vidar-Systeme, einer Kombination aus Kameras und Lidar-Sensoren, mit denen das Roboauto seine Umgebung erkennt. 2020 kam die Genehmigung für Testfahrten auch auf deutschen Straßen.

Platz 4: Baidu

Baidu ist für China, was Yandex für Russland und Google für praktisch den Rest der Welt ist. Die Suchmaschine Nummer eins verbindet ihr Kartenmaterial und ihre Kommunikationsdienste mit den Autos ihres Projekts "Apollo". Im Dezember 2020 wurden Testfahrten ohne Sicherheitsfahrer in Peking genehmigt.

Platz 3: Cruise

Das 2016 von General Motors übernommene Start-up, das auch von Honda, Lyft und Softbank mit finanziert wird, konnte im Januar 2020 sein erstes Automodell ohne Lenkrad, Pedale und Rückspiegel präsentieren: den Cruise Origin, der angeblich für weniger als 50.000 Dollar auf den Markt kommen könnte - sobald der Markt dafür reif wäre. Frühere Pläne, in den kommerziellen Betrieb überzugehen, wurden immer wieder verzögert. In der vergangenen Woche beteiligte sich Microsoft mit zwei Milliarden Dollar an Cruise, das nun auf einen Firmenwert von 30 Milliarden Dollar kommt.

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Platz 2: Ford

Volkswagens Parter im Roboauto-Joint Venture Argo AI gilt als das Maß der Dinge für Roboautos in Detroit, dem Zentrum der US-Autoindustrie. Ford hat reichlich Erfahrung aus Pilotprojekten, beispielsweise mit Lieferdiensten von Walmart oder dem Pizzadienst Domino's, gesammelt. Die Corona-Krise kam für solche Dienste, die beim Social Distancing helfen könnten, jedoch zu früh. Der Marktstart der von Ford entwickelten Roboautos wurde auf 2022 verschoben.

Platz 1: Waymo

Waymo-Chef John Krafcik muss sich gar nicht selbst loben , die Bewunderung kommt frei Haus. Die einst als Google Driverless Cars gegründete Tochter des Alphabet-Konzerns führt mit großem Abstand nicht nur nach der Zahl der fahrerlos zurückgelegten Meilen (längst mehr als 20 Millionen), sondern auch nach der fehlerfrei zurückgelegten Strecke. Der kommerzielle Betrieb des Robotaxidienstes Waymo One begann schon Ende 2018, nun sind auch Kaliforniens Straßen dafür frei.

Trotzdem läuft der Fortschritt auch bei Waymo zäh. Die jüngste Kapitalrunde im März 2020 war zwar die bislang größte, taxierte Waymo aber auf eine Bewertung von 30 Milliarden Dollar. Der frühere Hype von bis zu 200 Milliarden Dollar ist vorerst passé. Die Prognosen, dass das Geschäft sehr profitabel werde, sind nur sehr langfristig zu verstehen.

ak
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