Megadeal in US-Fernsehbranche AT&T verabschiedet sich vom Mediengeschäft

Nun ist es offiziell: AT&T-Chef John Stankey verschmelzt die Mediensparte Warner mit dem TV-Konzern Discovery und fokussiert sich damit wieder auf das Kerngeschäft. Die Aktien der beiden Konzerne reagieren mit deutlichen Kursgewinnen.
Produktion und Streamingangebot aus einer Hand: Das Warner-Bros-Filmstudio, das unter anderem den Blockbuster "Game of Thrones" herausgebracht hat, soll unter das Dach des TV-Konzerns Discovery schlüpfen

Produktion und Streamingangebot aus einer Hand: Das Warner-Bros-Filmstudio, das unter anderem den Blockbuster "Game of Thrones" herausgebracht hat, soll unter das Dach des TV-Konzerns Discovery schlüpfen

Foto: Macall B. Polay/ AP

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T fokussiert sich wieder auf sein Kerngeschäft und spaltet seine erst vor drei Jahren übernommene Mediensparte Warner Media ab. Das Geschäft mit TV-Sendern wie CNN und HBO sowie dem Filmstudio Warner Bros. solle mit dem TV-Konzern Discovery fusioniert werden, wie AT&T am Montag mitteilte. Mit dem Deal reagiert der Konzern auf den durch die Corona-Krise beschleunigten Boom von Streamingdiensten wie Netflix und Disney+, aber auch auf die Herausforderungen durch den teuren 5G-Netzaufbau und die stark wachsende Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US.

Nach der Fusion sollen die AT&T-Aktionäre 71 Prozent an dem neuen Unternehmen mit einem angepeilten Jahresumsatz von mehr als 50 Milliarden Dollar halten, zu dem dann auch Discovery-Fernsehkanäle wie TLC und HGTV mit Koch- und Wissenschaftsshows gehören. Zugleich erhält AT&T 43 Milliarden Dollar (35,4 Milliarden Euro) in Form von Bargeld und Schuldtiteln. Nach Berechnungen der "Financial Times" wird das fusionierte Medienunternehmen einen Wert von 150 Milliarden Dollar haben. Konkurrent Netflix ist derzeit rund 195 Milliarden Dollar wert.

Am Aktienmarkt sorgte die Ankündigung für Begeisterung. Discovery-Aktien stiegen um mehr als 11 Prozent und peilten damit den besten Tag seit mehr als zwölf Jahren an. AT&T  legten rund 4 Prozent zu. Netflix und Disney verloren hingegen leicht.

Discovery-Chef Zaslav übernimmt die Führung

Die neue Firma soll von Discovery-Chef David Zaslav (61) geführt werden. Das hatte zuvor schon das "Wall Street Journal" berichtet - und betont, es sei unklar, ob der Chef von Warner Media, Jason Kilar, an Bord bleiben werde. Kilars Name kam in der Mitteilung am Montag nicht vor.

Zu Warner Media gehören neben HBO ("Game of Thrones"), CNN und dem Filmstudio Warner Bros. ("Batman", "Wonder Woman", "Harry Potter") auch weitere Sender wie TNT. Der Kabel- und Streaminganbieter Discovery fokussiert sich bisher auf Doku-Formate mit Sendern wie Animal Planet und Food Network.

Strategische Kehrtwende

AT&T-Chef John Stankey (59) vollzieht mit dem Schritt eine strategische Kehrtwende. Sein Vorgänger Randall Stephenson (61) hatte den Konzern in den 13 Jahren seiner Amtszeit mit insgesamt 43 Akquisitionen verschiedenster Art stark aufgebläht. AT&T hatte für Warner Media im Jahr 2018 mehr als 80 Milliarden Dollar bezahlt - und sich dafür hoch verschuldet. Nun trennt sich Stankey von dem Mediengeschäft und fokussiert sich wieder auf das Kerngeschäft, die Telekommunikation.

Mit dem Deal um Warner Media leitet der AT&T-CEO binnen weniger Monate schon beim zweiten Riesenzukauf seines Vorgängers den Rückzug ein. Bereits im Februar hatte er einen Anteil von 30 Prozent an dem Satellitenspezialisten DirecTV für nur 1,8 Milliarden Dollar verkauft, für den AT&T einst fast 50 Milliarden Dollar hingeblättert hatte. Stankey gibt mit der neuen Strategie auch dem Druck von aktivistischen Investoren wie Elliott Management nach, die eine Konzentration auf das Kerngeschäft gefordert hatten.

Die Erlöse aus dem Deal mit Discovery kann AT&T gut gebrauchen. Zuletzt hatte der hochverschuldete Konzern viel Geld in den Ausbau seines 5G-Mobilfunknetzes gesteckt sowie in die Erweiterung seines Glasfasernetzes.

Streamingdienste auf dem Vormarsch

Das TV- und Filmgeschäft befindet sich gerade in einem tief greifenden Wandel mit dem Vormarsch von Streamingdiensten, der von der Corona-Pandemie noch einmal beschleunigt wurde. Warner Media versucht aktuell, auf den Zug mit dem Streamingangebot HBO Max aufzuspringen, in dem auch Warner-Filme laufen. Mit Netflix (207 Millionen Abonnenten) oder Disney Plus (100 Millionen Abonnenten) kann es der Dienst mit seinen 64 Millionen Nutzern aber noch lange nicht aufnehmen. Zusammen mit Discovery und deren rund 88 Millionen Zuschauern sind HBO und CNN allerdings deutlich schlagkräftiger und können durch die Ausgliederung auch unabhängiger agieren.

Das Streaming dünnt in den USA auch die Erlöse im lange lukrativen Geschäft mit Kabel-TV aus. Der Warner-Nachrichtensender CNN, der in den USA im Kabelfernsehen zu sehen ist, erlebte einen Aufschwung im vergangenen Jahr mit dem Wahlkampf ums Weiße Haus. Zuletzt gingen die Zuschauerzahlen aber wieder zurück. Zaslav betonte, man wolle CNN behalten und noch ausbauen.

Auch der Konkurrenz Verizon trennt sich inzwischen von seinen teuren Medienzukäufen. Anfang des Monats verkaufte er die Onlinesparte mit den Internetdinos Yahoo und AOL für fünf Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Apollo Global Management. Verizon gab damit weitgehend die Ambitionen auf, bei Onlinewerbung mit Schwergewichten wie Google und Facebook zu konkurrieren.

rei, mg/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.