iPhone bleibt Topseller Apple trotzt Wirtschaftsabschwung

Apple trotzt mit seinem iPhone-Geschäft Logistik-Engpässen und Konjunktursorgen. Es steht für rund die Hälfte der Quartalsumsätze, die Abhängigkeit bleibt groß. Doch auch das Geschäft mit Musik- und Videostreaming-Angeboten wächst.
Apples iPhone spült nach wie vor Milliarden in die Kasse, doch gelingt es Konzernchef Tim Cook zusehends, mehr Geld mit bestehenden Nutzern von Apple-Geräten zu verdienen

Apples iPhone spült nach wie vor Milliarden in die Kasse, doch gelingt es Konzernchef Tim Cook zusehends, mehr Geld mit bestehenden Nutzern von Apple-Geräten zu verdienen

Foto: APPLE INC. HANDOUT / EPA

Apple meistert die Herausforderungen durch Lieferkettenprobleme und die galoppierende Inflation. Im abgelaufenen Quartal stiegen die Erlöse um 2 Prozent auf 83 Milliarden Dollar, teilte der iPhone-Hersteller am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Das lag über den Erwartungen von Analysten. Finanzchef Luca Maestri (58) zufolge ist im laufenden Quartal sogar ein stärkeres Wachstum möglich. Die Apple-Aktie kletterte nachbörslich mehr als 3 Prozent. Beobachter hatten vermutet, dass sich Verbraucher beim Einkauf von teuren Apple-Produkten stärker zurückhalten könnten.

Maestri sagte, die Nachfrage nach iPhones habe sich nicht abgeschwächt. Die Abhängigkeit von dem Dauerbrenner ist bei Apple weiterhin groß: Im dritten Geschäftsquartal zum 25. Juni stiegen die iPhone-Erlöse um fast 3 Prozent auf knapp 40,7 Milliarden Dollar und damit fast die Hälfte des Umsatzes.

Nach einer Schätzung der Analysefirma Canalys konnte Apple im vergangenen Quartal dank guter Verkäufe des iPhone 13 seinen Anteil am insgesamt um 9 Prozent geschrumpften Smartphone-Markt ausbauen. Die Analysten errechneten ein Absatzplus von 8 Prozent auf 49,5 Millionen Geräte. Apple selbst nennt keine Stückzahlen mehr. Konzernchef Tim Cook (61) betonte besonders, dass die Zahl der Umsteiger von Telefonen anderer Anbieter auf einem Rekordstand gewesen sei.

iPhone-Nachfrage konstant, Werbung und Accessoires rückläufig

Im Dienstleistungsgeschäft, in das zum Beispiel Abo-Erlöse aus Apples Musik- und Videostreaming-Angeboten sowie App-Abgaben einfließen, gab es einen Zuwachs von 17,5 auf 19,6 Milliarden Dollar. Es ist ein Erfolg der Strategie, mehr Geld mit bestehenden Nutzern von Apple-Geräten zu verdienen. Der Konzern hat nun 860 Millionen Abo-Kunden - das sind 160 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Laut Maestri wirkt sich der Wirtschaftseinbruch auf die Werbeeinnahmen aus sowie auf die Verkäufe von Accessoires, zu denen Apple Produkte wie Kopfhörer und AirTags zählt, sowie den Lautsprecher Home Pod. "Glücklicherweise haben wir ein breites Portfolio, weswegen wir das navigieren können", sagte Maestri. Analyst Runar Bjorhovde vom Marktbeobachter Canalys erklärte: "Apple hat eine gewisse Robustheit, die es dem Unternehmen ermöglicht, weniger belastet zu sein als Konkurrenten." Allerdings ist auch der Smartphone-Primus Samsung Electronics vergleichsweise optimistisch für die Nachfrage nach Handys in der zweiten Jahreshälfte.

Die lange Zeit gravierenden Lieferketten-Probleme nehmen Maestri zufolge ab. Allerdings würden sie bei den Mac-Computern und iPads weiterhin eine Rolle spielen. Im abgelaufenen Quartal seien dem Konzern dadurch weniger als vier Milliarden Dollar an Einnahmen verloren gegangen - weniger als ursprünglich erwartet.

Mac-Umsatz unter den Erwartungen

Bei Mac-Computern und den iPad-Tablets gab es unterdessen Rückgänge - die laut Apple allerdings fast ausschließlich auf Logistik-Engpässe im Zusammenhang mit Corona-Lockdowns zurückgingen. Die Nachfrage nach den Geräten sei dagegen weiterhin stark, betonte Cook. Fast jeder zweite Mac-Käufer habe zum ersten Mal einen der Apple-Computer gekauft. Beim iPad sei es sogar mehr als die Hälfte gewesen. Der Mac-Umsatz fiel knapp 10 Prozent und lag deutlich unter den Erwartungen.

Apple habe insgesamt besser abgeschnitten als vom Konzern selbst erwartet, betonte Cook. Die Bauteile-Engpässe vor allem bei Chips gingen zurück. Apple glaube daran, während Phasen des Wirtschaftsabschwungs zu investieren, sagte er - und schloss ausdrücklich weitere Firmenzukäufe nicht aus.

rei/Reuters/DPA
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