Kooperation mit Mastercard Apple will als Finanzdienstleister wachsen

Apple hat am Wochenende gleich eine Vielzahl an Neuigkeiten verkündet. Highlight: Der iPhone-Bauer bietet Kunden künftig auch Ratenzahlungen an und macht damit Klarna und Co Konkurrenz.
M2 inside: Apple-Chef Tim Cook präsentiert ein Notebook mit dem neu entwickelten Prozessor des Unternehmens

M2 inside: Apple-Chef Tim Cook präsentiert ein Notebook mit dem neu entwickelten Prozessor des Unternehmens

Foto: Noah Berger / AP

Der US-Technologiekonzern Apple will ab Herbst den Kauf mit Ratenzahlung anbieten. Nutzer des Zahlungsdienstes Apple Pay sollen zunächst ausschließlich in den USA einen Kauf in vier Raten über sechs Wochen hinweg "ohne Zinsen oder Gebühren jeglicher Art" bezahlen können, erklärte das Unternehmen am Montag. Apple will dafür mit dem Zahlungsdienstleister Mastercard zusammenarbeiten.

Auf dem Markt für Ratenzahlungen tummeln sich bereits zahlreiche Anbieter wie Affirm, Afterpay, Klarna und Paypal. Während der Pandemie sind ihre Umsätze sprungartig gestiegen. Immer mehr Einzelhändler arbeiten mit den Zahlungsdienstleistern zusammen und treten diesen einen kleinen Teil der Einnahmen aus den Geschäften mit Kunden ab, die sich die Produkte sonst nicht hätten leisten können.

Während Befürworter die Ratenzahlungen für transparenter als Kreditkarten halten, sind Verbraucherschützer über die potenzielle Überschuldung der Käufer besorgt. Daneben sorgen sie sich auch um die Verwendung der Daten, die Unternehmen durch die Finanzierungsdienste sammeln. Indes steht Apple mit seinem Bezahldienst im Visier der europäischen Kartellbehörden. Der Konzern versperre bei Apple Pay Dritten den Zugang zu Schlüsseltechnologien und verstoße so gegen Wettbewerbsrecht, hatte EU-Kommissarin Margrethe Vestager (54) Anfang Mai erklärt. Sollte die EU nach einer Stellungnahme Apples bei dieser Position bleiben, drohen Apple hohe Strafzahlungen.

Unterdessen müssen Apple-Kunden sieben Jahre nach der Markteinführung der Apple Watch weiterhin auf die Einführung einer großen neuen Produktkategorie warten. Zwar ist es im kalifornischen Silicon Valley ein offenes Geheimnis, dass Apple an einem epochalen Projekt, nämlich einer eigenen Brille für virtuelle und erweiterte Realität arbeitet. Trotzdem kamen Apple-Chef Tim Cook (61) am Pfingstmontag die Worte "Virtual Reality" (VR) oder "Augmented Reality" (AR) in seiner Keynote-Ansprache der Entwicklerkonferenz WWDC kein einziges Mal über die Lippen.

Neuer Chip für Apples Computer

Stattdessen stellten Cook und sein Team zum WWDC-Auftakt eine ganze Reihe von Weiterentwicklungen und Detailverbesserungen vor, um die ohnehin schon sehr erfolgreichen Apple-Produkte noch ein kleines Stück weiter zu optimieren. Außerdem kündigte der US-Konzern einen neuen Prozessor für seine neuen Mac-Computer an. Den ersten eigenen Computerchip, den M1, hatte Apple vor zwei Jahren auf den Markt gebracht und damit seinem damaligen Hauslieferanten Intel den Rücken gekehrt.

Die M1-Erfolgsgeschichte soll mit den neuen Generationen der Laptops Macbook Air und Macbook Pro mit dem M2-Prozessor fortgeschrieben werden. Das M2-Chipsystem soll bei gleichem Stromverbrauch mehr Leistung als Apples erster M1-Chip bieten. Unter anderem habe der M2 ein Viertel mehr Transistoren, betonte Apple-Technologiechef Johny Srouji (58).

Auf dem iPhone bringt das neue Betriebssystem iOS 16 unter anderem mehr Möglichkeiten zur Personalisierung des Sperrbildschirms mit sogenannten Widgets für Funktionen wie die Anzeige der Wettervorhersage. Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android können schon lange Widgets auf dem Sperrbildschirm anzeigen. Apple wird Entwicklern auch eine Live-Schnittstelle anbieten, über die zum Beispiel die Ankunftszeit eines Fahrdienstes oder der Stand bei einem Spiel auf dem Sperrbildschirm in Echtzeit angezeigt werden können.

In Apples SMS-Alternative Messages wird man Nachrichten eine Zeit lang nachträglich korrigieren und zurückziehen können. In der Karten-App können künftig Routen mit bis zu 15 Stopps geplant werden. Apps können künftig Bilder aus Apples "Look Around"-Straßenansichten integrieren - was zum Beispiel Immobilien-Anwendungen zugutekommt. Die Apple Watch wird auch Schlafphasen aufzeichnen und die Nutzer daran erinnern können, ihre Medikamente einzunehmen.

Ausbau der Auto-Software

Stärkere Ambitionen ließ Apple auch im Automobil-Sektor erkennen. Obwohl auch hier das geheimnisumwitterte Apple-Car nicht in Sicht ist, hat der Konzern große Pläne mit seiner Auto-Software CarPlay. Bisher war sie dafür da, Inhalte von einem iPhone auf den Infotainment-Bildschirm zu bringen. Die kommende Version soll nun aber auch Zugriff auf Auto-Funktionen wie die Steuerung der Klimaanlage bieten - und auch das komplette Instrumenten-Cluster zum Beispiel mit der Geschwindigkeits-Anzeige betreiben können.

Erste Fahrzeuge, die darauf zurückgreifen, sollen Ende kommenden Jahres vorgestellt werden, wie es hieß. Unter den Herstellern, die laut Apple bei dem Projekt mitmachen, sind Mercedes, Audi und Porsche sowie unter anderem Ford, Renault, Nissan und Volvo. Google arbeitet bereits seit Jahren daran, neben seiner CarPlay-Konkurrenz Android Auto den Herstellern auch eine Android-Version für Fahrzeug-Funktionen anzubieten.

Für Apple war der Auftakt der WWDC 2022 nach zwei Corona-Jahren auch ein Schritt in die Normalität. Aber der Konzern traute sich noch nicht, wie im Jahr 2019 über 5000 Entwickler im Silicon Valley zu empfangen. Für den Besuch der futuristischen Firmenzentrale in Cupertino, dem Apple Park, wurden nur wenige hundert Developer und einige Journalisten nach einem Losverfahren zugelassen. Die Massen erreichte Apple mit einer Übertragung des aufgezeichneten Events im Internet.

cr/dpa-afx, AFP
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