Google, Apple, Facebook US-Tech-Giganten reagieren auf Ukraine-Krieg

Große Internetkonzerne schränken die Verbreitung russischer Staatsmedien ein, Google schaltet Live-Verkehrsdaten aus der Ukraine ab. Wie die US-Tech-Riesen auf den Krieg reagieren.
Die Facebook-Mutter Meta reagiert auf den Krieg in der Ukraine. Der Konzern kündigte an, den Zugang zu den russischen Staats- und Propagandasendern Russia Today und Sputnik in der EU zu beschränken.

Die Facebook-Mutter Meta reagiert auf den Krieg in der Ukraine. Der Konzern kündigte an, den Zugang zu den russischen Staats- und Propagandasendern Russia Today und Sputnik in der EU zu beschränken.

Foto: Chesnot / Getty Images

Russlands Krieg in der Ukraine spielt sich für die meisten Menschen in der Welt in den sozialen Medien ab. Große Tech-Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube mischen sich nun in die aktuelle Lage ein und beginnen, russische Staatsmedien daran zu hindern, ihre Plattformen zur Verbreitung von Propaganda und Fehlinformationen zu nutzen.

Die Facebook-Mutter Meta erklärte beispielsweise, dass pro-russische Gruppen Fehlinformationskampagnen gegen die Ukraine auf ihren Plattformen verbreiten und dabei gehackte oder gefälschte Profile verwenden würden. Das Cybersicherheitsteam von Meta erklärte daraufhin, mehrere mit den Kampagnen in Verbindung stehende Konten blockiert zu haben. Der Konzern kündigte zudem an, den Zugang zu den russischen Staatssendern Russia Today und Sputnik in der Europäischen Union zu beschränken.

Die EU hatte bereits am Sonntag ein Verbot der beiden Sender beschlossen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, dass russischen Medien nicht länger ermöglicht werde "ihre Lügen zu verbreiten, um Putins Krieg zu rechtfertigen."

Auch Google, TikTok und Microsoft sperren Kanäle von RT und Sputnik

Das EU-Verbot der beiden Sender wird nach Angaben von Binnenmarktkommissar Thierry Breton die Verbreitung über alle Kanäle betreffen. Dies gelte für die Übertragung oder Verbreitung über Kabel, Satellit, digitales Fernsehen oder Video-Plattformen, sagte Breton am Dienstag dem französischen Radiosender RTL. Ziel sei, den Zugang der beiden "russischen Propagandaorgane" zum gesamten europäischen Markt einzuschränken.

Auch Google, TikTok und Microsoft folgten am Dienstag mit einem europäischen Verbot für die russischen Staatsmedien RT und Sputnik. Google kündigte an, die YouTube-Kanäle dieser Medien in Europa "mit sofortiger Wirkung" zu sperren, räumte aber ein, dass es "eine Weile dauern wird, bis unsere Systeme vollständig hochgefahren sind".

Google Maps schaltet Live-Verkehrsdaten in der Ukraine ab

Um mögliche Gefahren für die ukrainische Bevölkerung zu vermeiden, zeigt auch der Online-Kartendienst des Alphabet-Konzerns, Google Maps, für die Ukraine nicht mehr an, wo sich Fahrzeuge stauen oder viele Menschen versammelt sind. Weltweit werden damit keine Echtzeit-Verkehrsdaten aus dem Land mehr ausgespielt. Die Maßnahme sei mit lokalen Behörden abgestimmt, teilte die Alphabet-Tochter Google mit.

Google sammelte zuvor, wie in allen anderen Ländern auch, anonymisiert über Smarthphones Standortdaten, um beispielsweise zu erkennen, wo viele Menschen in einem Verkehrsstau stecken. In der Ukraine führte das jedoch dazu, dass in Echtzeit nachverfolgt werden konnte, ob Zivilisten an Straßensperren im Stau stehen. Demnach könnten Rückschlüsse auf Truppenbewegungen oder Fluchtrouten möglich sein.

Für die Menschen in der Ukraine sei es jedoch weiterhin möglich, den Navigationsservice zu nutzen, um Routen zu planen. Wie Googles Transparenzbericht zeigt, ist die Nutzung des Kartendienstes in der Ukraine seit dem Tag des russischen Angriffs am 24. Februar stark angestiegen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits 500.000 Menschen aus der Ukraine geflüchtet.

Twitter kennzeichnet russische Staatsmedien

Auch die soziale Plattform Twitter mischt sich im digitalen Krieg mit ein. Integrität-Chef Yoel Roth kündigte an, Tweets, die Links zu Webseiten russischer staatlicher Medien enthalten, zu kennzeichnen und Maßnahmen ergreifen zu wollen, um die Verbreitung solcher Inhalte auf Twitter deutlich zu reduzieren. "In den kommenden Wochen werden wir diese Kennzeichnungen auch auf andere staatlich unterstützte Medien ausweiten", so Roth.

Zuvor hatten russische Behörden nach dem Angriff auf die Ukraine den Zugang zu Facebook und Twitter im eigenen Land stark eingeschränkt. Die Internet-Überwachungsorganisation NetBlocks erklärte die Plattformen als "weitgehend unbrauchbar".

Ohnehin erwarten ausländische Medienunternehmen in dem Land noch mehr Probleme, als es ohnehin bereits gibt. Die von Präsident Wladimir Putin unterzeichnete russische Gesetzgebung verpflichtet ausländische Social-Media-Unternehmen mit mehr als 500.000 Nutzern pro Tag, ab Juli 2021 lokale Büros zu eröffnen, andernfalls drohen ihnen strenge Beschränkungen bis hin zum völligen Verbot. Im November listete die staatliche Kommunikationsaufsichtsbehörde Roskomnadsor 13 Unternehmen auf, die sich offiziell auf russischem Boden niederlassen wollten, und kündigte im Januar an, dass sie Ende Februar mit der Verhängung von Beschränkungen beginnen würde. Der Meta-Konzern gehört zu den Internetunternehmen, die in Russland mit möglichen Strafmaßnahmen rechnen müssen, weil sie es versäumt haben, alle Forderungen des neuen Kommunikationsgesetzes zu erfüllen.

Ukrainischer Premier fordert: Apple soll App Store in Russland sperren

Meta gehört gemeinsam mit den US-Konzernen Google, Amazon, Apple und Microsoft (zusammen: GAFAM) zu den einflussreichsten und wachstumsstärksten Unternehmen der Welt. Gemeinsam haben sie einen Börsenwert von rund 7 Billionen US-Dollar. Ihre Technologien werden weltweit von Milliarden Menschen genutzt – und nehmen daher nun auch im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle ein.

Die aktuell klare Positionierung gegen Russland dürfte die amerikanischen Konzerne zumindest finanziell nicht belasten: Die Unternehmen sind wenig vom Russland-Geschäft abhängig. Apple beispielsweise verzeichnete im Jahr 2020 in Russland einen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar, während sich der weltweite Umsatz auf rund 275 Milliarden US-Dollar im selben Zeitraum belief. Auch den anderen Tech-Giganten ergeht es ähnlich. Microsoft setzte 2020 rund 80 Millionen US-Dollar und der Facebook-Konzern Meta rund 500 Millionen Dollar in dem Land um.

Ukrainische Behörden forderten so bereits Apple direkt dazu auf, Sanktionen in Russland zu erlassen. "Wir brauchen Ihre Unterstützung. Im Jahr 2022 ist die moderne Technologie vielleicht die beste Antwort auf Panzer, Mehrfachraketenwerfer und Raketen", schrieb der stellvertretende ukrainische Premierminister Mychajlo Fedorov in einem Brief an Apple-CEO Tim Cook, den er auf der sozialen Plattform Twitter veröffentlichte. Der iPhone-Hersteller sollte demnach den Verkauf seiner Produkte und seine Services in Russland einstellen, inklusive des App Stores. Der Schritt sei sinnvoll, um vor allem die russische Jugend zu motivieren, sich gegen die militärische Aggression ihres Landes zu stellen. Cook reagierte darauf bisher nicht öffentlich, twitterte jedoch zuvor, dass er über den Konflikt in der Ukraine besorgt sei und Apple die humanitären Hilfsmaßnahmen vor Ort unterstütze.

Federov bittet Musk um Starlink-Unterstützung

Federov war es auch, der sich via Twitter an Tesla-Großinvestor Elon Musk wandte. "Während Sie versuchen, den Mars zu kolonisieren, versucht Russland die Ukraine zu besetzen. Während Ihre Raketen nach der Rückkehr aus dem All erfolgreich landen, greifen russische Raketen die ukrainische Zivilbevölkerung an", schrieb er. Federov appellierte dabei an Musk, der im erdnahen Weltraum mit sogenannten Starlink-Empfangsantennen Internetempfang auf reiner Satellitenbasis anbietet, diese Technik für die Ukrainer zur Verfügung zu stellen. Musks Antwort ließ nicht lange auf sich warten "Das Starlink-System ist jetzt auch in der Ukraine aktiv", schrieb er elf Stunden später auf Twitter. Ob die Internetverbindung das hält, was Elon Musk seit Monaten stark bewirbt, ist jedoch noch unklar.

mje/Reuters/dpa