Alipay-Betreiber Ant Financial Chinas Fintech-Gigant bereitet doppelten Börsengang vor

Das chinesische Fintech Ant Financial will nach eigenen Angaben in Shanghai und in Hongkong an die Börse gehen. Es könnte der größte Börsengang aller Zeiten werden.
Alipay-Zentrale in Shanghais Finanzbezirk Pudong - die Mutter Ant sitzt im etwas weiter südlich gelegenen Hangzhou

Alipay-Zentrale in Shanghais Finanzbezirk Pudong - die Mutter Ant sitzt im etwas weiter südlich gelegenen Hangzhou

Foto: Wang Gang/ picture alliance/dpa

Die Vorbereitungen für einen der größten Börsengänge aller Zeiten nehmen Fahrt auf. Das chinesische Fintech-Unternehmen Ant Financial habe die Arbeiten für eine Emission an der Shanghaier Börse Star und der Hongkonger Börse aufgenommen, teilte der Betreiber des Online-Bezahldienstes Alipay am Montag mit. Details zum Zeitplan oder dem Volumen des geplanten Börsengangs nannte Ant nicht.

Ant Financial wurde zuletzt mit mehr als 200 Milliarden Dollar bewertet und ist damit das am höchsten bewertete Fintech-Unternehmen der Welt. Insider hatten zuletzt gesagt, der lange erwartete Börsengang könnte mehr als 20 Milliarden Dollar schwer werden. Schon 2018 hatte das Unternehmen den Sprung aufs Parkett geplant, diesen dann aber wegen fehlender Profitabilität und regulatorischer Schwierigkeiten zunächst abgeblasen.

Mit Alipay betreibt Ant den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über ihre Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Das Fintech war 2014 von Alibaba abgespalten worden, bevor der Online-Händler an die Börse ging. Der Amazon-Rivale hält 33 Prozent an Ant. Ant erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet 17 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von etwa 2,4 Milliarden Dollar, wie aus Finanzunterlagen hervorgeht, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Ant erklärte, die Informationen seien falsch, offensichtlich ohne weitere Erklärungen dazu abzugeben.

Das Fintech wird von Alibaba-Gründer Jack Ma (55) kontrolliert. An die Börse führen aber würde Ant Financial Simon Hu. Der Alibaba-Veteran hatte erst im Dezember 2019 die Führung des Fintech-Unicorns von Eric Jing übernommen, der seitdem ausschließlich als Executive Chairman fungiert. Der Wechsel war Teil eines konzernweiten Personalumbaus bei Mutter Alibaba, nachdem im September 2019 Chairman und Gründer Jack Ma die Führung an Daniel Zhang (48) abgegeben hatte.

Doppelte Börsennotierungen, die einst branchenübergreifend der bevorzugte Weg für Chinas größte Konzerne waren, sind zuletzt wegen ihrer Komplexität außer Mode gekommen, zumal Aktienverkäufe in völlig unterschiedlichen Märkten mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen schwer zu organisieren sind.

Kenner sprechen von Triumph für Chinas neue Festlandbörse

Dass Ant und seine Eigentümer es nun trotzdem wagen, wird in Finanzkreisen als Triumph für Shanghais Star Board erachtet, das es sich zum Ziel gesetzt hat, der bevorzugte Finanzplatz in Festlandchina für stark wachsende Unternehmen zu werden. Zudem hilft der Börsengang dem Standort Hongkong, der eine Wiederbelebung der Börsennotizen von Tech-Unternehmen erlebt.

Der Star Market der Shanghaier Börse ging im Sommer 2019 an den Start. Das Segment für wachstumsstarke chinesische Firmen wurde nach dem Vorbild der US-Technologiebörse Nasdaq geschaffen. Der Star Market gilt als bislang kühnste Kapitalmarktreform Chinas. Anders als in anderen Segmenten wird der Ausgabepreis allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt und nicht von staatlichen Vorgaben beeinflusst.

rei/Reuters/dpa-afx
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