Amazon-Schock Wie Jeff Bezos an einem Abend 23 Milliarden Dollar ärmer wurde

Nach enttäuschenden Quartalszahlen brach der Aktienkurs von Amazon dramatisch ein. Das wirkte sich auch auf das Vermögen des Gründers aus. Und noch andere der reichsten Männer der Welt spüren die Folgen des Tech-Crashs.
Nummer 3 der Welt: Multimilliardär Jeff Bezos nebst Partnerin Lauren Sanchez

Nummer 3 der Welt: Multimilliardär Jeff Bezos nebst Partnerin Lauren Sanchez

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Yui Mok / picture alliance / empics

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Am Donnerstagabend, nachdem die US-Börsen geschlossen hatten, stellte der US-Konzern Amazon die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vor – und sie waren so verheerend, dass viele Investoren nachbörslich ihre Aktien loswerden wollten. Der Kurs brach ein, zeitweise um mehr als 20 Prozent. Die Papiere, die mit gut 110 Dollar aus dem Handel gegangen waren, notierten nachbörslich plötzlich nur noch bei knapp 89 Dollar. Innerhalb kürzester Zeit sank die Unternehmensbewertung um mehr als 230 Milliarden Dollar – das gab es in der Form noch nie.

Mit dem Absturz sank an diesem Abend auch das Vermögen des Gründers und Chairman Jeff Bezos (58) – und zwar in der Spitze um rechnerisch 23 Milliarden Dollar. Die Kurse stabilisierten sich inzwischen zwar über Nacht wieder etwas, aber selbst danach wäre das Buchvermögen des drittreichsten Menschen der Welt über Nacht laut Bloomberg-Daten  von 134 Milliarden Dollar bei Börsenschluss auf 119 Milliarden Dollar gesunken.

Der Amazon-Schock überraschte die Investoren. Der Konzern verdiente im abgelaufenen dritten Quartal nur 2,9 Milliarden Dollar und damit gut 9 Prozent weniger als im Vorjahr; der operative Gewinn hatte sich sogar halbiert und kam maßgeblich vom ebenfalls schwächelnden Cloudservice AWS. Der Umsatz wuchs zwar um 15 Prozent auf 127,1 Milliarden Dollar, blieb aber ebenfalls unter den Markterwartungen.

Und die Prognose für das wichtige Weihnachtsquartal werteten die Anleger als Enttäuschung: Konzernchef Andy Jessy (54) erwartet im Schlussvierteljahr Erlöse zwischen 140 Milliarden und 148 Milliarden Dollar und Gewinne zwischen 0 und 4 Milliarden Dollar, wie er am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte. Das entspricht einem für Amazons Verhältnisse mauen Wachstum zwischen 2 und 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten auch hier mit deutlich mehr gerechnet.

Entsprechend drastisch sanken die Kurse. Bezos Gesamtvermögen – das im Kern aus 996 Millionen zuletzt noch gehaltenen Amazon-Aktien besteht – hatte Bloomberg im Sommer 2021 in der Spitze auf 213 Milliarden Dollar geschätzt. Nun dürften es knapp 100 Milliarden Dollar weniger sein. Und der Crash der Techwerte drückt auch die Vermögen anderer Superreicher. Insbesondere bei den Tech-Fürsten, die sich mit dem Boom der Aktienkurse oben in globalen Geldelite festgesetzt hatten, macht sich das bemerkbar.

Mark Zuckerberg ist 100 Milliarden Dollar ärmer

Besonders hart hat es auch Meta-Chef Mark Zuckerberg (38) getroffen. Vor gut einem Jahr rangierte er mit rund 140 Milliarden Dollar noch weit vorn in der globalen Vermögenselite – nach den enttäuschenden Zahlen von Facebook und dem Kurseinbruch in dieser Woche führt ihn Bloomberg mit gerade noch 38 Milliarden Dollar nur noch auf Rang 28. Ein 100-Milliarden-Dollar-Einbruch in gut 13 Monaten.

Auch andere Superreiche aus der Techszene spürten das: Die Google-Gründer Larry Page (49) und Sergej Brin (49) büßten 42 und 41 Milliarden Dollar ein. Das Vermögen der Microsoft-Großaktionäre Bill Gates (67) und Steve Ballmer (66) schrumpfte um 29 und 24 Milliarden Dollar. Die chinesichen Tech-Helden – Alibaba-Gründer Tencent-Gründer Ma Huateng (50) und Jack Ma (58) und – büßten 22 und 9 Milliarden Dollar ein. Und auch die deutschen Tech-Milliardäre hat es hart getroffen: Laut der aktuellen Reichstenliste des manager magazins  verlor etwa Shopify-Gründer Tobias Lükte (41) mehr als 8 Milliarden Euro seines geschätzten Buchvermögens.

Angeführt wird die globale Milliardärsliste übrigens weiterhin von Elon Musk (51), der gerade Twitter gekauft hat. Sein Vermögen wird aktuell auf 212 Milliarden Dollar geschätzt – das sind: 125 Milliarden Dollar weniger als vor knapp einem Jahr, als der Tesla-Aktienkurs kurzzeitig explodiert war.

lhy
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