Amazon-Streaming-Dienst gehackt Fünf Deutsche verdienen Millionen bei Gaming-Plattform Twitch

Ein unbekannter Hacker hat Daten der Streaming-Plattform Twitch öffentlich gemacht. Darunter auch die Einkünfte der Streamer, die zum Teil mehrere Millionen verdienen. Auch eine Handvoll Deutsche gehört zu den Reichsten der Plattform.
Hack: Ein unbekannter Angreifer hat interne Daten der Amazon-Tochter Twitch veröffentlicht.

Hack: Ein unbekannter Angreifer hat interne Daten der Amazon-Tochter Twitch veröffentlicht.

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Mike Blake / REUTERS

Ein anonymer Angreifer hat vergangene Woche interne und bislang geheime Daten der Streaming-Plattform Twitch veröffentlicht. Teil des knapp 125 Gigabyte großen Leaks waren auch Informationen darüber, wie viel Geld die Streamer auf Twitch mittels Abonnements und Spenden verdienen, berichtet das "Wall Street Journal" . Und die haben es durchaus in sich. Sie zeigen, dass Streamen etwa von Videospielen ein lukratives Geschäft sein kann – allerdings nur für wenige.

Unter den Top-Verdienern der Amazon-Tochter sind auch einige Deutsche vertreten. Demnach verdient der populärste deutsche Twitch-Streamer, MontanaBlack (bürgerlicher Name: Marcel Eiris) mehrere Millionen US-Dollar mit seinem Engagement auf Twitch. Im Zeitraum von August 2019 bis Oktober 2021 soll er knapp 2,39 Millionen Dollar eingenommen haben. Damit gehört er zu den zwanzig bestverdienenden Streamern auf der Plattform.

Nur wenige Ränge dahinter, auf Platz 21, hat es TheRealKnossi geschafft. Knossi, der mit bürgerlichem Namen Jens Knossalla heißt, bekam im gleichen Zeitraum rund 2,16 Millionen Dollar von Twitch überwiesen. Als dritter Deutscher in den Top 50 wird Gronkh (Erik Range) genannt. Dieser hat dem Ranking zufolge etwas weniger als 1,48 Millionen Dollar eingenommen. Damit landet Range auf dem 42. Platz.

In der zweiten Hälfte der 100 bestverdienenden Streamer findet man zwei weitere Deutsche, die nur ein Platz trennt. Trymacs (Maximilian Stemmler) und Papaplatte (Kevin Teller) belegen Platz 56 und 58. Beide nahmen von August 2019 bis Oktober 2021 auch nahezu gleich viel Geld von Twitch ein: 1,29 Millionen Euro.

So viel verdienen die Deutschen Streaming-Millionäre auf Twitch

Multimillionäre dank Würfelspielen

Streamer, die ihre Inhalte auf Englisch senden, führen die Liste an. Auf Twitch filmen sie sich vor allem live beim Gamen und unterhalten sich mit ihren Fans. Besonders populär sind Spiele wie FIFA, Fortnite oder League of Legends. In letzter Zeit wurden aber auch andere Kategorien immer beliebter. Etwa "Just Chatting", in der die Streamerinnen und Streamer genau das machen: Sie unterhalten sich mit ihrem Publikum. Oder auch Schach-Streams. Diese erlebten – wie Twitch insgesamt – in der Corona-Pandemie einen großen Hype.

Die Liste der Twitch-Topverdiener wird von Spielern eines anderen ganz analogen Games angeführt. "Critical Role" heißt die Gruppe, die sich beim Würfel-Rollenspiel Dungeons & Dragons filmt. Damit nahm die Gruppe stolze 9,6 Millionen US-Dollar ein. Die Mitglieder von Critical Role sind auch abseits von Twitch erfolgreich. Nämlich im Serien- und Filmbusiness als Synchronsprecher.

Bei vielen der Top-Verdiener ist Twitch nicht die einzige Einnahmequelle. So gut wie alle haben noch einen oder gar mehrere Youtube-Kanäle, auf denen sie ebenfalls ein Millionenpublikum erreichen. Dazu kommen häufig noch Werbepartnerschaften und Spenden außerhalb des Twitch-Netzwerkes. Selbst wenn man alle diese externen Einnahmequellen nicht einbezieht, verdienten 81 Streamer jeweils mehr als eine Million Dollar seit dem August des vorletzten Jahres.

Wenige "Superreiche"

Damit zählen die Millionäre auf Twitch aber eher zu den absoluten Ausnahmefällen. Denn auch dort gilt: Eine kleine Gruppe verdient den größten Teil des Geldes. Das ergab eine Auswertung der geleakten Daten durch das "Wall Street Journal". Allein in diesem Jahr zahlte die Streaming-Plattform demnach 889 Millionen US-Dollar aus. Dem WSJ zufolge verdiente das oberste 1 Prozent der Twitch-Streamer mehr als die Hälfte davon. Drei Viertel der User, die überhaupt Geld verdienen, kamen in diesem Jahr auf weniger als 120 Dollar Erlös durch ihr Streamen. Nur 0,06 Prozent erhielten von der Amazon-Tochter mehr als das Median-Haushaltseinkommen der USA von 67.521 Dollar ausbezahlt.

Ausmaß des Leaks noch unbekannt

Vergangenen Mittwoch postete ein anonymer User einen Link auf dem Messageboard "4Chan". Der Link führt zur 125 Gigabyte großen Datei. Diese beinhaltet neben den detaillierten Einkünften der Streamerinnen und Streamer auch noch weitere Daten – etwa den gesamten Quelltext von Twitch samt seiner Historie bis hin zu den frühen Anfängen der Webseite, die damals noch justin.tv hieß. Amazon übernahm das Unternehmen 2014 für 970 Millionen Dollar. Offenbar sollen die gehackten Daten auch einen Spiele-Prototyp namens Vapeworld beinhalten, der auf Amazons noch unveröffentlichten Steam-Konkurrenten Vapor basiert.

Der unbekannte Angreifer erklärte in seinem Post, er wolle für mehr Wettbewerb am Streaming-Markt sorgen. Denn die Twitch-Community sei eine "toxische Jauchegrube". Ein zumindest mutiges Statement von jemanden, der auf "4Chan" postet, dessen Community wohl kaum als maßvoll und gezügelt bezeichnet werden kann.

Twitch weiß von der Datenlücke. Das Unternehmen twitterte am vergangenen Mittwoch, dass es den Hack bestätigen könne. Die genauen Ausmaße seien nach wie vor nicht klar. Die sensiblen Informationen seien durch einen Fehler in der Serverkonfiguration angreifbar gewesen, schreibt die Streaming-Plattform auf seinem Unternehmensblog. Login-Daten von Userinnen und Usern seien allerdings nach jetziger Kenntnis sicher. Inhaber eines Accounts sollten Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren. So kann man, selbst mit Passwort, nur mithilfe eines SMS-Codes oder eines Authenticators auf den Account zugreifen.