Schnellere Warenauslieferung mit eigener Logistik Amazon kauft erstmals eigene Flugzeuge

Um seine Waren noch schneller auszuliefern, erwirbt der Onlinehändler Amazon elf Boeing-Passagierjets. Sie sollen zu Frachtmaschinen umgebaut werden. Auch zu Lande plant Amazon große eigene Lieferflotten.
Now featuring "Prime Air": Bisher setzt Amazon nur geleaste Maschinen für den eigenen Warentransport ein - künftig werden es auch eigene sein

Now featuring "Prime Air": Bisher setzt Amazon nur geleaste Maschinen für den eigenen Warentransport ein - künftig werden es auch eigene sein

Foto: STEPHEN BRASHEAR/ AFP

Der Onlinehändler Amazon will die in der Coronakrise stark gestiegenen Bestellungen seiner Kunden künftig auch mit eigenen Flugzeugen ausliefern. Erstmals seien eigene Maschinen erworben worden, teilte das Unternehmen mit .

Man habe den Fluggesellschaften Delta und WestJet insgesamt elf Maschinen vom Typ Boeing 767-300 abgekauft, hieß es weiter. Die Flugzeuge sollen nun zu Frachtmaschinen umgebaut werden und nach und nach in die Flotte von Amazon übergehen. Bereits 2021 sollen die ersten vier Maschinen in Dienst von Amazon Air gestellt werden, 2022 folgen dann laut Mitteilung  die übrigen sieben erworbenen Flugzeuge.

Das Unternehmen von Milliardär Jeff Bezos hatte sein Programm, Waren auch per Flugzeug auszuliefern, vor vier Jahren gestartet. Bislang setzte Amazon aber auf geleaste Maschinen. Einen Mix aus eigenen und gemieteten Flugzeugen in der "wachsenden Flotte" zu haben, helfe dabei, die Geschäfte zu verbessern und den Kundenwünschen zu entsprechen, teilte nun die Vizechefin der Abteilung Amazon Global Air, Sarah Rhoads, mit.

Auf welchen Routen die Flugzeuge eingesetzt werden, teilte Amazon vorerst nicht mit. In der Pressemitteilung ist aber explizit vom neuen Amazon-Air-Luftfrachtzentrum in Leipzig/Halle die Rede, dem ersten internationalen Hub der Amazon-Flugsparte. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die neuen Maschinen auch in Leipzig/Halle bald landen und starten dürften.

Bei einer hauseigenen Fluglinie will es Amazon in puncto Logistik-Unabhängigkeit wohl nicht belassen. Anfang 2019 investierte der Onlineriese einen Millionenbetrag in das US-Start-up Rivian, das Elektrofahrzeuge der etwas größeren Art baut: Rivian fährt mit elektrisch angetriebenen Pick-up- und SUV-Modellen unter anderem gegen Teslas Cybertruck an. Die Beteiligung an Rivian sichert Amazon Zugang zur Technologie – und dürfte es dem Unternehmen ermöglichen, die Auslegung künftiger Elektrotransporter ein Stück weit mitzubestimmen. Zudem hat Amazon auch gleich 100.000 eigene Elektro-Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt.

Frisches Geld für kriselnde Airlines

Mitte 2020 hat Amazon das amerikanische Roboterauto-Start-up Zoox für eine Milliarde Dollar komplett übernommen. Im vergangenen Dezember zeigte Zoox einen Robotertaxi-Prototypen mit Elektroantrieb. Dieser ließe sich vermutlich ohne allzu großen Aufwand auch zu einer Art selbstfahrender Pakete-Packstation umbauen. Wann die Robotaxis in Serienbetrieb gehen sollen, ließen Zoox und Amazon im Dezember 2020 aber noch offen.

Die nun erworbenen Flugzeuge funktionieren aber ganz traditionell mit menschlichen Piloten. Die neuen Maschinen sollen schrittweise bis Ende 2022 in die Amazon-Flotte integriert werden. Erst im Juni hatte der Konzern erklärt, zwölf Flugzeuge der gleichen Baureihe zu leasen. Damit war die Amazon-Flotte auf mehr als 80 Maschinen angewachsen. Laut dem Fachportal airliners.de  fliegen unter anderem ASL, Sun Country Airlines, Air Transport International, Atlas Air sowie Southern Air bereits für Amazon.

Weltweite Corona-Schließungen haben die Geschäfte Amazons boomen lassen. In Deutschland geht das Bundeskartellamt allerdings auch Vorwürfen nach, wonach der Onlinehändler andere Händler wegen angeblich überhöhter Preise sperren ließ. Zuletzt hatten zudem Mitglieder der Unionsfraktion im Bundestag gefordert, Onlinehändler für die Kosten der Kommunen mit einer Paketabgabe heranzuziehen.

Für die Airlines dürfte der nun bekannt gewordene Amazon-Kauf eine willkommene Einnahmequelle sein. Wegen der weltweiten Beschränkungen des Flugverkehrs suchen sie nach Möglichkeiten, an frisches Geld zu kommen.

wed/AFP
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