Schwerer Start für neuen CEO Amazon enttäuscht mit Umsatz und Prognose

Seinen Start als neuer Amazon-Chef hatte sich Andy Jassy wohl anders vorgestellt: Der Umsatz des Online-Riesen wächst langsamer als erwartet, auch müssen sich Amazons Investoren in Zukunft auf Abstriche einstellen. An der Börse kommt das gar nicht gut an.
Andy Jassy: Seit Anfang Juli verantwortet er als Vorstandschef die Geschäfte von Amazon

Andy Jassy: Seit Anfang Juli verantwortet er als Vorstandschef die Geschäfte von Amazon

Foto: Mike Blake / REUTERS

Der Amazon-Gründer und langjährige Firmenchef Jeff Bezos (57) schickt seinen Nachfolger Andy Jassy (53) in unruhiges Fahrwasser: Der Umsatz des weltgrößten Onlinehändlers blieb im abgelaufenen Quartal hinter den Erwartungen zurück. Zudem rechnet Amazon nach Rekorderlösen in der Corona-Krise mit einem Abflauen des Shopping-Booms im Internet. Mit der überraschend verhaltenen Prognose stieß der Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss den Anlegern vor den Kopf, die Aktie rutschte nachbörslich zeitweise mit mehr als sieben Prozent ins Minus. Kein optimaler Einstand für den neuen Vorstandschef, der das Spitzenamt Anfang des Monats erst von Bezos übernahm.

Im abgelaufenen zweiten Quartal profitierte Amazon zwar weiter vom Trend zum Einkauf im Internet und florierenden Cloud-Diensten, verfehlte die hohen Markterwartungen aber dennoch. In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte der Konzern den Nettogewinn im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro). Die Erlöse wuchsen um 27 Prozent auf 113,1 Milliarden Dollar und knackten im dritten Quartal in Folge die 100-Milliarden-Marke. Im Heimatmarkt Nordamerika lag das Wachstum aber nur bei 22 Prozent.

50 Prozent mehr Gewinn, 27 Prozent mehr Umsatz

Angesichts der ohnehin schon hohen US-Verbraucherausgaben und der diesmal ins zweite Quartal vorgezogenen Rabattschlacht "Prime Day" hatten Analysten mit besseren Geschäften gerechnet. Ausgerechnet der Umsatz im Online-Handel wuchs im abgelaufenen Quartal lediglich um 13 Prozent, die beiden Quartale zuvor waren es jeweils um die 40 Prozent. Für Enttäuschung sorgte aber besonders die Prognose für das laufende Vierteljahr: Der Konzern stellte Erlöse von bis zu 112 Milliarden Dollar in Aussicht, was einer deutlichen Abschwächung des Wachstums auf maximal 16 Prozent entspricht - für Amazons Verhältnisse bescheiden. Finanzchef Brian Olsavsky betonte in einer Konferenzschalte, dass die Messlatte durch die starken Ergebnisse im Vorjahr besonders hoch liege.

Angesichts zunehmender Corona-Impfungen dürften die Leute laut Olsavsky auch wieder stärker im klassischen Einzelhandel einkaufen gehen - wenngleich die grassierende Delta-Variante des Virus inzwischen wieder für neue Ungewissheit sorgt. Amazons Investoren müssen sich jedenfalls auf Abstriche einstellen.

Cloud-Plattform wächst langsamer als die von Microsoft und Google

Allerdings wies die Bilanz auch einige große Stärken auf. So erhöhte Amazons - wegen ihrer hohen Gewinnspannen äußerst lukrative - Cloud-Plattform AWS, die vielen Unternehmen und Apps IT-Dienste und Speicherplatz im Netz bietet, die Erlöse um kräftige 37 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar. Allerdings kamen die Konkurrenten Microsoft und Google zuletzt auf ein größeres Wachstum.

Zudem entwickelt sich das Geschäft mit Online-Werbung zu einer immer wichtigeren Ertragsstütze. Die Sparte, in der die entsprechenden Einnahmen ausgewiesen werden, steigerte den Umsatz im jüngsten Quartal um 87 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar.

Umsatz mit Online-Werbung verdoppelt sich fast

Es war das letzte volle Vierteljahr, in dem Konzerngründer Jeff Bezos als Vorstandschef die Geschäfte führte. Am 5. Juli reichte der Top-Manager das Zepter an Jassy weiter, der zuvor für die Cloud-Dienste verantwortlich war. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats dürfte der Einfluss von Bezos im Konzern allerdings auch in Zukunft weiterhin groß bleiben.

rei/dpa-afx/Reuters