Hedgefondsmanager Chris Hohn Warum dieser Milliardär 28.000 weitere Entlassungen bei Google fordert

Mit seinem Fonds kauft sich der Brite bei Unternehmen ein und drängt auf Veränderungen. Nach erheblichen Verlusten mit Googles Mutterkonzern Alphabet fordert er nun Gehaltskürzungen – und weitere Massenentlassungen.
Big in Britain: Hedgefondsmanager Chris Hohn (M.) zahlte sich selbst 2022 angeblich 1 Million Pfund Gehalt – pro Tag

Big in Britain: Hedgefondsmanager Chris Hohn (M.) zahlte sich selbst 2022 angeblich 1 Million Pfund Gehalt – pro Tag

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Heidi Gutman / CNBC / NBCU Photo Bank NBCUniversal / Getty Images

"Googlers, I have some difficult news to share", begann Alphabet-CEO Sundar Pichai (50) am vergangenen Freitag seine Rundmail, cc die rund 187.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Konzerns. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren "dramatisch" gewachsen, erklärte Pichai der Belegschaft, nur habe man leider "für eine andere ökonomische Realität" angeheuert. Ergebnis: Rund 12.000 Stellen werden gestrichen.

Die Börsen reagierten sofort, der Aktienkurs des Konzerns – wie fast alle Tech-Werte im Jahr 2022 heftig eingebrochen – stieg noch am selben Tag um 5 Prozent. Auch Chris Hohn (56) freute sich über den härtesten Personalschnitt der Firmengeschichte. Es gehe in die richtige Richtung, schrieb der legendäre britische Hedgefondsmanager im Anschluss an Pichai , cc dessen Board of Directors. Nur reiche das längst nicht. Ihm schwebe eher ein Einschnitt um 20 Prozent vor – zusätzlich zu den 12.000 müsste Alphabet weitere 28.000 Stellen streichen.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass Hedgefonds Einfluss auf das Management nehmen wollen – oft in Kostenfragen. Chris Hohn ist mit seinem Fonds TCI ein Meister darin. Der Briefverkehr offenbart jedoch noch einmal höchst anschaulich, wie gewaltig die großen Tech-Firmen im Boom gewachsen waren. Und wie sehr die Investoren auf eine Korrektur drängen.

Hohn ist einer der Stars der Hedgefonds-Szene. Sein TCI Fund verwaltet rund 40 Milliarden Dollar, er selbst hat es laut Bloomberg auf ein Vermögen von 7,5 Milliarden Dollar gebracht, ist durchaus Philanthrop und Großspender für Klimaschutz-Organisationen . Im Jahr 2022 zahlte Hohn sich laut "Guardian"  rund eine Millionen Pfund Gehalt – pro Tag; das machte ihn zum bestbezahlten Mann Großbritanniens.

Seine Strategie besteht normalerweise darin, ausgewählte Aktien einzelner Unternehmen zu kaufen, wo er dann das Management zu Veränderungen drängt, um Kursgewinne zu erzielen. In Deutschland sorgte er unter anderem einst bei Wirecard für Aufsehen. Und zuletzt war er mit seinem TCI Fund in großem Stil bei der Google-Mutter Alphabet eingestiegen – wo er CEO Pichai wiederholt zu mehr Kostendisziplin gedrängt hatte. Das Problem: Nach 13 goldenen Jahren, in denen Hohns Fonds immer hohe Renditen abwarf, musste er 2022 ein Minus von 18 Prozent  verkraften. Vor allem, weil Alphabet – laut Aufsichtsdokumenten noch Ende September seine größte Einzelbeteiligung – im Laufe des Jahres satte 39 Prozent an Börsenwert verloren hatte.

Jetzt sah Hohn offenbar eine Chance, weiteren Druck auf die Alphabet-Spitze aufzubauen. Alphabet habe seine Mitarbeiterzahl binnen fünf Jahren um mehr als 100.000 Angestellte gesteigert, argumentierte Hohn in seinem Brief an Pichai, den er auch öffentlich machte. Allein in den ersten drei Quartalen 2022 seien mehr als 30.000 hinzugekommen. Er halte 150.000 – ein Niveau wie Ende 2021 – für angemessen.

Auch die anderen Tech-Konzerne versuchen gerade, die im Boom explodierten Personalkosten zu reduzieren. Eine Entlassungeswelle folgt auf die nächste: Meta hatte schon im Herbst angekündigt, 11.000 Jobs zu streichen, Amazon will 18.000 Stellen abbauen, Microsoft rund 10.000. Twitter-Boss Elon Musk (51) hat die Hälfte der Belegschaft rausgeworfen, bei Salesforce sollen 10 Prozent gehen, bei Cisco etwa 5 Prozent. Allein in diesem Januar sind laut der Tracking-Seite Layoff.fyi im fast 60.000 Stellen im Tech-Sektor weggefallen.

Investor Hohn reichen aber die Stellenkürzungen bei Alphabet nicht. Denn wenn alle Konkurrenten auch die Programmierer feuern, könnte man ja gleich auch an den Gehältern der Verbliebenen sparen. Das Median-Gehalt des Konzerns lag schon Ende 2021 bei 300.000 Dollar im Jahr, argumentiert er gegenüber CEO Pichai. Das Durchschnittsgehalt sei sogar noch höher. Inzwischen – Effekt der Massenentlassungen – habe auch den Wettbewerb um Talente entspannt, Alphabet könne die Bezahlung reduzieren. Vor allem auf die üblichen Aktienoptionen solle man verzichten.

"Ich hoffe, den Dialog über diese Fragen mit ihnen zu gegebener Zeit weiterführen zu können", schloss Hohn sein Schreiben. Er wird sich schon wieder melden, keine Frage.

lhy
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