Alipay Chinas Fintech-Gigant plant offenbar Mega-Börsengang in Hongkong

Seit Jahren köchelt ein möglicher IPO des chinesischen Fintech-Riesen vor sich hin. Nun wird es laut Insidern ernst: Noch in diesem Jahr könnte Ant Financial an die Börse - und dabei sogar die letzte Mega-Bewertung übertreffen.
Alipay-Zentrale in Shanghais Finanzbezirk Pudong - Mutter Ant sitzt im etwas weiter südlich gelegenen Hangzhou

Alipay-Zentrale in Shanghais Finanzbezirk Pudong - Mutter Ant sitzt im etwas weiter südlich gelegenen Hangzhou

Foto: Wang Gang/ picture alliance/dpa

Das chinesische Fintech-Unternehmen Ant Financial steuert auf einen der größten Börsengänge aller Zeiten zu. Der Betreiber des Online-Bezahldienstes Alipay strebe eine Bewertung von mehr als 200 Milliarden Dollar an, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters . Bei einem Börsengang könnten 5 bis 10 Prozent der Anteile verkauft werden, die Emission damit also über 20 Milliarden Dollar schwer werden. Der lang erwartete Schritt könnte noch in diesem Jahr erfolgen.

Mit Alipay betreibt Ant den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Ant Financial ist das am höchsten bewertete Fintech-Unternehmen der Welt; bei der letzten Finanzierungsrunde 2018 wurde es auf 150 Milliarden Dollar taxiert. Nach einer Reihe kleinerer Transaktionen am Sekundärmarkt war die Bewertung im vergangenen Jahr auf über 200 Milliarden Dollar angewachsen. Schon 2018 hatte das Unternehmen den Sprung aufs Parkett geplant, diesen dann aber wegen fehlender Profitabilität und regulatorischer Schwierigkeiten zunächst abgeblasen. Zuletzt forcierten die Chinesen erneut ihre Bemühungen, sondierten laut "Financial Times" im Januar etwa bei Banken vor .

Nun wird es laut Reuters noch mal ernster: Bisher sei geplant gewesen, Aktien sowohl in Hongkong als auch in China zu platzieren, nun tendiere Ant sehr stark dazu, dies nur in Hongkong zu tun, sagten Insider der Agentur. Sie verwiesen auf die einfacheren Regeln für Börsennotierungen in der ehemaligen britischen Kronkolonie. Ein Riesen-IPO würde Hongkongs Status als ein Zentrum des weltweiten Finanzmarkts unterstreichen, nachdem die Stadtführung zuletzt viel Kritik für die Einführung eines umstrittenen Polizeigesetzes hatte einstecken müssen.

Führungsumbau nach Wechsel an Alibaba-Spitze

An die Börse führen würde Ant Financial Simon Hu. Der Alibaba-Veteran hatte erst im Dezember 2019 die Führung des Fintech-Unicorns von Eric Jing übernommen, der seitdem ausschließlich als Executive Chairman fungiert. Der Wechsel war Teil eines konzernweiten Personalumbaus bei Mutter Alibaba, nachdem im September 2019 Chairman und Gründer Jack Ma (55) die Führung an Daniel Zhang (48) abgegeben hatte.

Ant war 2014 von Alibaba abgespalten worden, bevor der Onlinehändler an die Börse ging. Der Amazon-Rivale hält 33 Prozent an Ant. Ant erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet 17 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von etwa 2,4 Milliarden Dollar, wie aus Finanzunterlagen hervorgeht, die Reuters einsehen konnte. Ant erklärte, die Informationen seien falsch.

Seit Monaten arbeitet Ant mit seinen Beratern an den Details des Börsengangs. Die Insider warnten, dass sich noch Veränderungen an den Plänen ergeben könnten. Ant erklärte, die Informationen zu den Börsenplänen seien inkorrekt. Von Alibaba war zunächst keine Stellungnahme zu erreichen.

luk/Reuters