Probleme mit Lieferanten Fehlende Teile belasten Airbus und Boeing massiv

Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus muss seine Wachstumspläne wegen fehlender Teile zurückschrauben. Im zweiten Quartal wuchsen Umsatz und Gewinn kaum noch. Der Rivale Boeing steht vor demselben Problem und rutschte operativ in die Verlustzone.
Wichtig für die MIttelstreckenjets der A320neo-Familie: Airbus fehlt es vor allem an Triebwerken

Wichtig für die MIttelstreckenjets der A320neo-Familie: Airbus fehlt es vor allem an Triebwerken

Foto: Frank Augstein / AP

Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus muss bei seinen ehrgeizigen Wachstumsplänen wegen Problemen mit seinen Lieferanten auf die Bremse treten. Eigentlich wollte Airbus in diesem Jahr 720 Verkehrsflugzeuge ausliefern, ein Viertel mehr als 2021. Nun muss sich Vorstandschef Guillaume Faury (54) doch mit 700 begnügen.

"Wir könnten mehr Flugzeuge bauen, aber wir brauchen die Teile, vor allem Triebwerke", sagte er am Mittwochabend in Toulouse. Noch in der vergangenen Woche hatte Faury betont, es sei zu früh, von den Zielen abzurücken. Nun macht er auch an den mittelfristigen Plänen Abstriche: Die Produktion des Verkaufsschlagers A320/A321 auf 65 von derzeit 50 Maschinen im Monat zu erhöhen, werde bis Anfang 2024 dauern - sechs Monate länger als geplant. Am Ziel, ein Jahr später 75 dieser Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge im Monat zu bauen, ändere sich nichts.

Auch Boeing kämpft mit dem Problem fehlender Teile

Auch der US-Erzrivale Boeing kämpft mit Teilemangel - vom Rohstoff bis zum Chip. "Wir erleben weiterhin echte Zwänge", sagte der Finanzchef des US-Flugzeugherstellers, Brian West. Schon auf der Flugzeugmesse in Farnborough hatten Zulieferer in der vergangenen Woche von Beschaffungsproblemen berichtet.

Dabei zieht die Nachfrage von Fluggesellschaften und Leasingfirmen nach der Corona-Krise kräftig an. In den ersten sechs Monaten gingen bei Airbus brutto 442 (2021: 165) Flugzeug-Orders ein, 85 kamen allein in Farnborough hinzu. Faury will nun mit den Lieferanten ausloten, ob sich die Produktion von Langstreckenmodellen angesichts des großen Bedarfs beschleunigen lässt.

Airbus' Umsatz und Gewinn stagnierten im ersten Halbjahr

Ausgeliefert hat der Konzern wie ein Jahr zuvor aber nur 297 Maschinen. Einige der Flugzeuge, die wegen der Sanktionen nicht nach Russland geliefert werden konnten, habe man schnell bei anderen Kunden untergebracht, sagte Airbus-Finanzchef Dominik Adam. Der Umsatz trat im ersten Halbjahr mit 24,8 (24,6) Milliarden Euro ebenso auf der Stelle wie der operative Gewinn. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) erreichte 2,65 (2,70) Milliarden Euro. Auf den Militärtransporter A400M schrieb Airbus 218 Millionen Euro ab. An den finanziellen Zielen hält Adam trotz der geringeren Produktion fest: Das bereinigte Ebit soll in diesem Jahr 5,5 Milliarden Euro erreichen, der operative Mittelzufluss (Free cash-flow) 3,5 Milliarden.

Im zweiten Quartal allerdings waren die Folgen der Engpässe am Airbus-Umsatz deutlicher abzulesen: Weil der Hersteller weniger Flugzeuge auslieferte als ein Jahr zuvor, ging der Umsatz um 10 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro zurück. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sackte um 31 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro ab, auch eben weil gestiegene Kosten für den Militärtransporter A400M das Ergebnis zusätzlich belasteten. Der Überschuss im zweiten Quartal brach sogar um fast zwei Drittel auf 682 Millionen Euro ein.

Boeing hätte wohl gern die "Luxusprobleme" von Airbus

Aus Sicht von Boeing sind die Schwierigkeiten von Airbus Luxusprobleme. Probleme in der Rüstungssparte haben den gebeutelten und hoch verschuldeten US-Rivalen zwischen April und Juni operativ in die roten Zahlen rutschen lassen. Der Verlust je Aktie lag bei 37 Cent je Aktie; ein Jahr zuvor stand ein Gewinn von 40 Cent zu Buche.

Vorstandschef Dave Calhoun (65) bekräftigte aber, dass der Konzern in diesem Jahr keine Mittelabflüsse mehr verkraften müsse und damit kein Geld mehr verliere. Er überraschte die Experten damit, dass er im zweiten Quartal einen positiven Cash-flow von 81 Millionen Dollar erreichte und damit im operativen Geschäft kein Geld mehr verbrennt.

Boeing sitzt nach der Corona-Krise und nach monatelangen Produktionsstopps der 737 MAX und des 787 "Dreamliner" auf einem Schuldenberg von mehr als 57 Milliarden Dollar. Calhoun stellte in Aussicht, dass nach dem Verkaufsschlager 737 MAX auch die Boeing-787-Langstreckenmodelle bald wieder abheben dürfen. Der Konzern hatte die Auslieferungen vor einem Jahr gestoppt, nachdem in Teilen des Flugzeugs Haarrisse entdeckt worden waren. Die Reparaturen dürften Boeing 5,5 Milliarden Dollar kosten. "Wir machen bedeutsame Fortschritte, aber vor uns liegt noch viel Arbeit", fasste Calhoun das Quartal zusammen.

sio/DPA, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.