Einigung mit Telefónica 1&1 Drillisch will zum vierten Mobilfunk-Netzbetreiber Deutschlands aufsteigen

Seit Monaten streiten 1&1 Drillisch und Telefónica um einen National-Roaming-Vertrag - nun sind sie sich einig. Damit steht der deutsche Mobilfunkmarkt kurz davor, einen vierten Netzanbieter zu bekommen.
1&1-Zentrale in Montabaur: Das Unternehmen prescht im Mobilfunkgeschäft voran

1&1-Zentrale in Montabaur: Das Unternehmen prescht im Mobilfunkgeschäft voran

Foto: Thomas Frey / dpa

Ralph Dommermuth (57) meint es also wirklich ernst: Sein Mobilfunker 1&1 Drillisch verkündete am Morgen, dass man nach einer Einigung mit Telefónica nun ein viertes Mobilfunknetz in Deutschland aufbauen möchte. Nach zähen Verhandlungen, in die zuletzt auch die EU-Kommission eingeschaltet wurde, nahm die United-Internet-Tochter am Montag das verbesserte National-Roaming-Angebot des Konkurrenten vorzeitig an. Damit kann 1&1 das O2-Netz von Telefónica Deutschland mitbenutzen, während es nach und nach eine eigene Infrastruktur mit dem ultraschnellen 5G-Standard aufbaut.

"Wir freuen uns über diesen Meilenstein auf unserem Weg zum Netzbetreiber", sagte Firmenchef Dommermuth (57). Letztlich gab sich auch Telefónica Deutschland mit dem Ergebnis zufrieden, das laut Vorstandschef Markus Haas (48) "langfristige Planungssicherheit" und "signifikante Umsatz- und Ergebnisbeiträge" in den kommenden Jahren leistet. Derzeit stehen die Nutzungsgebühren von 1&1, das für seine Mobilfunkangebote bereits heute mit O2 zusammenarbeitet, für einen mittleren einstelligen Prozentanteil des Telefónica-Umsatzes in Deutschland. Die Drillisch-Aktien legten im MDax mehr als 5 Prozent zu. Für United Internet ging es mehr als 2 Prozent nach oben.

1&1 Drillisch, bekannt für Marken wie Yourphone und Smartmobil.de, hatte 2019 bei der 5G-Frequenzversteigerung erstmals mitgeboten, um sich neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland als vierter Netzanbieter zu etablieren. Wegen der fehlenden Einigung war bisher kaum etwas passiert. Die Konkurrenten stellten immer wieder infrage, ob Dommermuth es mit seinen Ambitionen wirklich Ernst meine.

Noch im Herbst hatte Telefónica-Chef Haas betont, dass das damals vorliegende Angebot das beste sei, das 1&1 je bekommen hätte. Er lehnte es entschieden ab, Dommermuth weiter entgegenzukommen. Laut Informationen von manager magazin sah die Offerte eine Pauschale in Höhe von 165 Millionen Euro und sukzessive fallende Preise je gefunktes Gigabyte vor. 

Offenbar auf Druck der EU-Kommission hat Telefónica die Preise am 5. Februar aber doch weiter abgesenkt - und 1&1 schlug fünf Tage vor Ende der Annahmefrist zu. Die Spanier hatten sich als Auflage der Fusion von O2 und E-Plus 2015 dazu verpflichtet, ihr Netz auch Konkurrenten zur Verfügung zu stellen. Jetzt muss der Roaming-Deal noch in einen Vertrag gegossen werden, was bis Mitte Mai geschehen soll. Die anfängliche Laufzeit soll bei fünf Jahren liegen - rückwirkend zum Juli 2020. Danach hat 1&1 die Möglichkeit, den Vertrag zwei Mal zu verlängern.

Für 1&1 beginnt nun eine besonders kritische und teure Phase der Unternehmensgeschichte. Chef Dommermuth betonte gegenüber manager magazin, dass er "ready to go" sei , mit Zulieferern und Netzausrüstern herrsche grundsätzlich bereits Einigkeit über die Konditionen. Um die Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur zu erfüllen, muss 1&1 bis Ende kommenden Jahres mindestens 1000 5G-Basistationen aufgestellt haben.

Dommermuth kündigte zugleich eine Ausweitung des Glasfasernetzes an. Dafür wird zum einen die Kooperation mit der Schwestergesellschaft 1&1 Versatel ausgeweitet und zum anderen die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom ausgebaut, die demnach nun nicht mehr nur Kupferanschlüsse, sondern auch das Glasfasernetz umfassen soll. Für die Telekom ist dies bereits die dritte bundesweite Kooperation im Festnetz in den vergangenen Monaten - nach Vodafone und Telefónica Deutschland. Mit direkten Glasfaseranschlüssen versorgen die Bonner inzwischen rund zwei Millionen Haushalte.

United Internet wie auch Drillisch gaben im Zusammenhang mit der Einigung auch vorläufige Jahreszahlen sowie einen Ausblick bekannt. Demnach will United Internet (GMX, Web.de, Versatel) im laufenden Jahr den Umsatz auf etwa 5,5 Milliarden Euro steigern nach 5,36 Milliarden Euro 2020. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) soll auf 1,22 Milliarden Euro nach 1,18 Milliarden Euro 2020 klettern, als gestiegene Kosten beim Mobilfunk-Vorleistungseinkauf das Ergebnis belasteten. Das Hosting-Geschäft Ionos, das im laufenden Jahr die Umsatzmarke von einer Milliarde knacken soll, will United Internet nun innerhalb von zwei Jahren an die Börse bringen und vorher internationalisieren.

phal/cr/Reuters
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