Streit um Vorleistungspreise 1&1 Drillisch erringt Etappensieg gegen Telefónica

Seit Jahren streiten 1&1 Drillisch und Telefónica Deutschland über die Preise für den Zugang zum Mobilfunknetz. Nun gab ein Schiedsrichter der United-Internet-Tochter Recht. Die gebeutelten Aktien legen zu.
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Im Preisstreit mit Telefónica Deutschland  hat die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch  einen Etappensieg errungen. Ein Schiedsgutachter komme in einem zweiten Entwurf erneut zu dem Ergebnis, dass die von Telefónica im Dezember 2018 geltend gemachte Preiserhöhung in Höhe von 64 Millionen Euro im geprüften Zeitraum (2016 bis 2020) unberechtigt sei, teilte der Mobilfunkanbieter am Donnerstagabend mit.

Dementsprechend führe die Preiserhöhung aus Dezember 2018 nicht zu einer Zahlungsverpflichtung von 1&1 Drillisch. Die Aktien von 1&1 Drillisch legten um 4 Prozent zu, die Papiere von United Internet um 2,4 Prozent. 

Telefónica und 1&1 Drillisch streiten bereits seit Längerem über die Preise für die Bereitstellung von Mobilfunkkapazitäten. 1&1 nutzt das Netz von Telefónica Deutschland. Im Zuge der Auflagen für den Erwerb von E-Plus im Jahr 2014 hatte sich Telefónica Deutschland verpflichtet, bis zu 30 Prozent der Netzkapazität an einen Wettbewerber zu verkaufen. Der Vertrag mit Drillisch ermöglicht eine Überprüfung der Konditionen zweimal im Jahr.

1&1 und der von Ralph Dommermuth  (56) geführte Mutterkonzern United Internet  sehen die von Telefónica Deutschland in Rechnung gestellten Vorleistungspreise als zu hoch an und gehen juristisch dagegen vor. In Bezug auf den Zeitraum von 2016 bis 2020 haben sie nun erneut recht bekommen.

Bereits im Mai 2020 kam der Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Preiserhöhung unberechtigt sei. Dazu konnten die beiden Unternehmen in den vergangenen Monaten Stellung beziehen. Doch der Gutachter hat die Berechnungsmethode seines ersten Gutachtenentwurfs nun bestätigt.

1&1 musste bereits Prognose senken

So teilte Telefónica Deutschland auch wenig später mit, dass laut Gutachten eine Beteiligung von 1&1 Drillisch an den Kosten für die Spektrumsauktion 2015 lediglich für den Zeitraum von 2016 bis 2020 zurückgewiesen worden sei. Über den Anspruch in Folgejahren sei im Rahmen des Gutachtens nicht entschieden worden. Der unabhängige Gutachter habe festgestellt, dass Telefónica Deutschland ab 2021 berechtigt sei, entsprechende Überprüfungen einer Kostenbeteiligung auf Basis des Gutachtens zu beantragen.

Der Streit um die künftigen Vorleistungspreise geht also weiter. Hier läuft seit Juli die erste fünfjährige Verlängerungsphase, auch wenn es noch keine Einigung über die Preise gibt. 1&1 wirft der Tochter des spanischen Konzerns Telefónica vor, die Kosten für die Nutzung des Mobilfunknetzes bereits ab Juli vor Abschluss der laufenden Verhandlungen erheblich erhöht zu haben.

Telefónica Deutschland weist den Vorwurf zurück und sieht die Preiserhöhung durch Verträge und Vereinbarungen gedeckt. Aufgrund der hohen Forderungen mussten sowohl United Internet als auch 1&1 Drillisch Ende September ihre Prognosen für das laufende Jahr senken. Das sorgte an der Börse für einen heftigen Kurseinbruch bei beiden Unternehmen.

Zu dem neuen Gutachten können die Parteien nun erneut Stellung nehmen. 1&1 Drillisch geht davon aus, dass das finale Schiedsgutachten bis Ende des Jahres vorliegt.

mg/Reuters/dpa-afx