Uhrenkonzern hofft auf Trendwende Erster Halbjahresverlust in der Geschichte von Swatch

Der Schweizer Uhrenkonzern Swatch muss erstmals in seiner Geschichte einen Halbjahresverlust ausweisen. Konzernchef Nick Hayek gibt sich trotzdem optimistisch.
Geschlossener Laden der Swatch-Marke Omega an der New Yorker 5th Avenue im Mai dieses Jahres

Geschlossener Laden der Swatch-Marke Omega an der New Yorker 5th Avenue im Mai dieses Jahres

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Die Folgen der Corona-Krise haben beim Schweizer Uhrenkonzern Swatch  zu einem Umsatzkollaps und einem tiefroten Ergebnis geführt. Mit 308 Millionen Franken (328 Millionen Euro) stand beim weltweit größten Hersteller von hochpreisigen Uhren erstmals in der Firmengeschichte ein Halbjahresverlust in den Büchern. In der Vorjahresperiode hatte Swatch aus Biel noch einen Gewinn von 415 Millionen Franken eingefahren.

Konzernchef Nick Hayek (65) spricht aber bereits von einer Trendwende. Im Juni habe Swatch ein positives operatives Ergebnis geschafft, sagte Hayek in einem am Dienstag veröffentlichten Video . In Ländern, in denen der Lockdown aufgehoben worden sei, griffen die Kunden wieder zu. "Wir freuen uns auf eine sehr gute zweite Jahreshälfte, die den Konzern wieder in die Gewinnzone bringen wird", sagte Hayek.

Nach einem guten Jahresstart hätten die rund um den Globus verhängten staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie den Konzern ab Februar 2020 mit voller Wucht getroffen. Zeitweise seien bis zu 80 Prozent der Geschäfte, die Uhren der eigenen Marken wie Omega, Breguet, Longines, Tissot oder Glashütte Original führen, geschlossen gewesen.

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Die ganze Branche litt zudem darunter, dass die wichtigste Kundengruppe, die Chinesen, nicht ins Ausland reisen und einkaufen konnten. Dagegen habe der Onlinevertrieb kräftig zugelegt. Dennoch brach der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 46,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken (2,34 Milliarden Euro) ein.

Hunderte Geschäfte für immer geschlossen

Mit Sparmaßnahmen habe Swatch gegengesteuert. So sei der Personalbestand seit Dezember 2019 um 6,5 Prozent auf rund 33.700 Mitarbeiter reduziert worden. Im ersten Halbjahr seien rund 260 Geschäfte für immer geschlossen worden, was zu deutlich weniger Mitarbeitern im Ausland geführt habe. Neben Kurzarbeit habe Swatch auch mit Maßnahmen in den Bereichen Einkauf, Produktion, Marketing und Mieten die Kosten gesenkt. So drückte etwa die Absage von Großereignissen wie der Olympischen Spiele die Werbeausgaben.

Swatch-Chef Hayek geht davon aus, dass sich die Umsatz- und Ertragslage in den kommenden Monaten im Gleichschritt mit den staatlichen Lockerungen rasch verbessern werde. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet Hayek mit einem positiven Betriebsergebnis.

ZKB-Analyst Patrik Schwendimann warnte allerdings, dass die Viruspandemie zumindest in den kommenden Quartalen eine Rückkehr zu einem normalen Einkaufserlebnis beeinträchtigen dürfte . Dies gelte insbesondere für das Geschäft mit Touristen, das wohl rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmache. Sein Kollege Rene Weber von der Bank Vontobel wies zudem darauf hin, dass Swatch im Halbjahr Marktanteile verloren habe.

ak/reuters
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