Entscheidung im Familienstreit Schiedsgericht erschüttert Swarovski-Dynastie

Der österreichische Kristallkonzern kommt nicht zur Ruhe. Ein lang erwartetes Schiedsgerichtsurteil könnte die neue Konzernstruktur nun zu Fall bringen – samt des frisch installierten CEO. Es geht um alles.
Der alte Glanz ist längst weg: Swarovski-Geschäft in Hongkong

Der alte Glanz ist längst weg: Swarovski-Geschäft in Hongkong

Foto: Ben Marans / SOPA images / LightRocket / Getty Images

Dass er sich auf einen Schleudersitz begibt, dürfte dem frisch gekürten Swarovski-Chef Alexis Nasard (56) klar gewesen sein. Dass die einst glänzende österreichische Kristalldynastie tief zerstritten ist,  war schließlich kein Geheimnis, als er im Juli das Amt übernahm. Dass es den Manager, der zuvor Chefpositionen beim Schuhhersteller Bata oder dem Marktforscher Kantar innehatte, dann jedoch so schnell erwischt, dürfte ihn wohl doch überrascht haben.

Eine Kündigung dürfte Nasard zwar noch nicht erhalten haben. Doch ein Urteil eines von der Kristalldynastie eingesetzten Schiedsgerichtes schafft im epischen Familienstreit nun neue Fakten. Nach Informationen des manager magazins erklärt es den Einstieg der schweizerischen Swarovski International Holding in die Daniel Swarovski KG für unzulässig, weil nach Auffassung der Richter die Mehrheit für die damalige Entscheidungsfindung nicht ausreichend war. Damit steht nun die gesamte Konzernstruktur infrage.

Den alten Glanz hat der Glitzerkonzern längst verloren. Swarovski befindet sich seit Jahren im Niedergang. Der Umsatz war zuletzt zweistellig eingebrochen. Statt üppiger Dividenden für die mittlerweile aus rund 200 Mitgliedern bestehende Sippe standen zuletzt dreistellige Millionenverluste zu Buche. Im vergangenen Jahr hatte die Mehrheit der Familie einen tiefgreifenden Umbau des Kristallimperiums angestoßen, samt neuer Struktur, neuer Aufsicht und einem neuen Chef. Der Einstieg der Schweizer Holding hatte die Basis für den Radikalumbau geliefert – und für Ärger im Clan gesorgt.

Ein Familienzweig mit rund 20 Prozent der Stimmen hatte sich gegen den Einstieg und die damit verbundene Verwässerung der eigenen Stimmrechte gewehrt, war allerdings nicht gehört worden. Woraufhin er – wie in der Familienverfassung vorgesehen – Einspruch bei einem eigens dafür eingerichteten Schiedsgericht einlegte. Angeführt wird der Familienzweig von Christoph Swarovski, der früher selbst im Management des Familienkonzerns saß.

Eine Befriedung der zerstrittenen Familie scheint angesichts des Urteils nun in weiter Ferne. Empfiehlt der 2020 herausgedrängte Familienzweig nun doch seinerseits in einer Mittelung den damals verantwortlichen "Personen und ihren Beratern, sich unmittelbar aus allen Funktionen im Swarovski-Konzern zurückzuziehen und damit Verantwortung für die Fehlentscheidungen der letzten Jahre zu übernehmen".

Der Konzern selbst bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage "dass Entscheidungen zu einigen Aspekten der rechtlichen Strukturen der D. Swarovski KG getroffen wurden". Und betonte, dass im Fokus des Handelns "der Erfolg und die Kontinuität unseres Unternehmens sowie der nachhaltige Schutz von Swarovski auf allen unternehmerischen Ebenen und in allen Märkten" stehe.

Wie das genau aussehen soll, darüber scheiden sich allerdings die Geister.

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