Nach CEO-Abgang Kristall-Imperium Swarovski lässt Externe ran

Das Kristallimperium Swarovski steckt in einer tiefen Krise. Statt Glitzer und Glamour dominieren wirtschaftliche Hiobsbotschaften und Familienstreit. Eine neue Führungsstruktur mit einigen neuen Köpfen soll nun dafür sorgen, dass dem Familienunternehmen ein Comeback gelingt.
Swarovski: Neue Köpfe sollen den Konzern des Giltzerclans aus der Krise führen - zum Beispiel Ex-SAP Vorständin Luisa Delgado

Swarovski: Neue Köpfe sollen den Konzern des Giltzerclans aus der Krise führen - zum Beispiel Ex-SAP Vorständin Luisa Delgado

Foto: Insidefoto / imago images

Einst war der Tiroler Kristallkonzern Swarovski eine der besten Adressen der Alpenrepublik. Die Glitzersteine schmückten die Entwürfe von Designern aus aller Welt und die Kundschaft riss sich um die Glitzerfigürchen aus dem Tiroler Örtchen Wattens. Zuletzt allerdings hat der Glanz nachgelassen: Ausländische Billigkonkurrenz, Streitereien zwischen den einzelnen Familienzweigen und Managementfehler setzten Swarovski zu. Das Unternehmen musste Tausende Jobs abbauen. Der Umsatz des einstigen Vorzeigekonzerns schmolz wie der Schnee in den Tiroler Alpen.

Höchste Zeit umzusteuern. Das hat auch der Unternehmerclan erkannt. Und will angesichts "besorgniserregender Zahlen", wie es ein Teil der Familie in einem Brandbrief im Sommer formulierte, nun externen Führungskräften die Leitung über das Kristallreich überlassen. Traditionell hatten dort immer Familienmitglieder das Sagen. So hatte es Firmengründer Daniel Swarovski einst festgeschrieben. Auch im Verwaltungsrat sollen künftig externe Vertreter dominieren.

Sucht nach externer Expertise: Swarovski-Anteilseigner Markus Langes-Swarovski

Sucht nach externer Expertise: Swarovski-Anteilseigner Markus Langes-Swarovski

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Nachdem Ende September mit CEO Robert Buchbauer und CFO Mathias Margreiter bereits zwei Familienmitglieder ihre Führungsjobs an familienfremde Interimsmanager übergeben hatten, sind nun auch die Aufräumarbeiten im Verwaltungsrat erfolgt.

Am Montag nahm das neue Aufsichtsgremium, das künftig die Geschicke der Österreicher übersehen soll, mit der konstituierenden Sitzung seine Arbeit auf. Und tatsächlich bilden dort neben Ex-CEO Robert Buchbauer, Ex-CFO Mathias Margreiter und dem größten Anteilseigner Markus-Langes-Swarovski künftig externe Vertreter die Mehrheit.

Erfahrung im Luxussegment und Verbindungen zu potenziellen Investoren sind reichlich vorhanden. Der ehemalige JAB-Partner Manuel Martinez etwa sitzt gleich in einer ganzen Reihe von Unternehmen des deutschen Milliardärsclans Reimann. Er ist Verwaltungsratspräsident des Schuherstellers Bally und sitzt außerdem in den Aufsichtsgremien der Kaffee-und Fastfood-Ketten Pret A Manger und Espresso House.

Auch Ex- Gucci-CFO Robert Singer, der neben Swarovski auch noch Aufsichtsposten bei Tiffany, dem Schuhlabel Jimmy Choo und Versace unterhält, hat Verbindungen zu der Holding der deutschen Milliardärsfamile . Er sitzt neben JAB-Chairman Peter Harf und CEO Olivier Goudet im Aufsichtsrat des Kosmetikriesen Coty.

Neuzugang: Ex-SAP Vorständin Luisa Delgado soll den Aufsichtsrat führen

Neuzugang: Ex-SAP Vorständin Luisa Delgado soll den Aufsichtsrat führen

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Außerdem wurden der frühere Chef der Jacobs-Holding Markus Fiechter, Ex-SAP-Personalvorständin Luisa Delgado sowie die ehemaligen Cartier-Managerin und Multi-Aufsichtsrätin Annalisa Loustau in das Aufsichtsgremium berufen, das sich nun schnell um die fachgerechte Besetzung der Swarovski-Spitzenposten und die anstehende Sanierung kümmern soll. Delgado hat zudem den Vorsitz des Gremiums übernommen.

Friede ist in der Sippe indes noch lange nicht eingekehrt. Ein Familienzweig will den eingeschlagenen Weg nicht mitgehen – und geht derzeit juristisch gegen zahlreiche Neuerungen vor.

Es könnte also trotz allen Glitzers für die Neuzugänge ein ziemlich aufreibender Job werden.

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