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Susanne Klatten und Stefan Quandt im Interview "Wer würde denn mit uns tauschen wollen?"

Susanne Klatten und Stefan Quandt über Firmen und Familie, Selbstzweifel und ihre Sicht auf eine kritische Öffentlichkeit – das erste gemeinsame Interview der Geschwister, die das größte Industrievermögen der Republik mehren und managen.
aus manager magazin 7/2019

Foto: Dirk Bruniecki für manager magazin

Wir treffen uns im "Business Club" der Münchener BMW Welt, mit Blick auf die ausgestellten Boliden des Konzerns, dessen Hauptaktionäre Susanne Klatten (57) und Stefan Quandt (53) sind. Alles ist bestens präpariert im Boardroom, der Platz für 25 Leute bietet: Eine Kosmetikerin und eine Serviererin sind stand-by. Für ihr erstes gemeinsames Interview nehmen sich die Geschwister zweieinhalb Stunden Zeit. Beim anschließenden Fotoshooting dirigiert die in solchen Dingen erfahrenere Schwester: "Stefan, nimm die Hand etwas höher."

manager magazin: Frau Klatten, Herr Quandt, Sie werden in diesem Jahr in die Hall of Fame des manager magazins aufgenommen, eine Initiative gegen Mutlosigkeit und Mittelmaß. Was verbinden Sie mit diesen Begriffen?

Klatten: Zunächst einmal: Das ist eine ehrenwerte Auszeichnung, und wir danken sehr für diese Anerkennung. Nun zu Ihrer Frage: Mit Mittelmaß verbinde ich nicht unbedingt etwas Negatives. Zwischen oben und unten scheint mir viel Platz zu sein für ein Maß der soliden Mitte. Als Gegenpol erscheint mir Exzellenz geeignet – die brauchen wir allerdings auch. Und mein Wirken als Unternehmerin und Aktionärin fördert Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Ich versuche, Menschen Mut zu machen.

Quandt: Mutlosigkeit symbolisiert Passivität. Wer mutlos ist, nimmt das Heft des Handelns nicht in die Hand. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft muss man sich aus einem solchen Stadium unbedingt herausarbeiten.

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Passivität kann man Ihnen nicht gerade vorwerfen. Sie managen und mehren einen Industriebesitz von zusammen rund 30 Milliarden Euro, zu dem unterschiedlichste Unternehmungen gehören. Wie steuern Sie Ihre Beteiligungen?

Klatten: Ich kann da nur für mich sprechen, denn zunächst einmal managt jeder von uns selbst seine eigenen Industriebeteiligungen. Eine gemeinsame Kraft im Sinne des Unternehmenserfolgs entsteht nur, wenn jeder im Aufsichtsrat sich dabei an seine Rolle hält und es keine Grenzüberschreitungen gibt. Als Aufsichtsrat sind wir Sparringspartner, wir beraten, um Entscheidungen gut vorzubereiten. Als Aufsichtsräte wie als Aktionäre ist uns wichtig, dass die Geschäfte im Interesse des Unternehmens und der Mitarbeiter gut geführt werden. Deshalb achten wir besonders auf kritische Themen wie Personal- oder Strategiefragen. Aber allein der Vorstand führt die Geschäfte.

Quandt: Keiner von uns versucht, am Vorstand vorbei ins Unternehmen hineinzuregieren. Klar, ich mache auch Werksbesuche oder lasse mich als Aufsichtsrat über Sonderthemen informieren. Ich rufe aber nicht auf der dritten Ebene an, um den Vorstand mit Detailwissen in Verlegenheit zu bringen. Das gehört zu einem respektvollen Umgang. Ich lebe das Prinzip der langen Leine und habe den Eindruck, dass meine Schwester dies ähnlich sieht.

Ist die Leine für den Vorstand bei BMW, Ihrer mit Abstand bedeutendsten Beteiligung, besonders lang?

Quandt: Ich denke ja, denn der BMW-Vorstand muss sich nicht mit Übernahmeszenarien beschäftigen oder den Börsenkurs kurzfristig hochtreiben, wie das woanders bisweilen der Fall ist. Und weil jeder von uns in der dramatischen Unternehmenskrise nach der gescheiterten Rover-Übernahme zu BMW gestanden hat und der Vorstand sich auch heute noch darauf verlassen kann, hat er – indirekt – einen größeren Freiraum.

Klatten: Das Unternehmen ist professionell geführt, wir als Aktionäre ermöglichen Ruhe und den langfristigen Blick. Unabhängig von BMW ist mein persönlicher Anspruch, ständig zu prüfen, ob man noch der beste Eigentümer ist. Der nicht nur dummes Geld mitbringt, sondern Mehrwert schafft, im gemeinsamen Vorgehen mit dem Management. Wichtig ist: Es darf keine Seite überfordert werden. Und es muss zu den Werten des Unternehmens, etwa der Nachhaltigkeit, passen. Das ist schon manchmal eine Gratwanderung.

BMW setzt auf den Werkstoff Carbon, hat das E-Auto als einer der ersten Autokonzerne auf den Markt gebracht. Wie groß war Ihr Beitrag?

Quandt: Der Vorstand hat den gesellschaftlichen Trend zur E-Mobilität frühzeitig erkannt. Und deshalb haben wir das mit dem Aufsichtsrat unterstützt.

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