Super League vorerst gescheitert Die Rebellion der Fußball-Milliardäre

Die umstrittenen Pläne für einen eigenen Wettbewerb der europäischen Topklubs sollen "überarbeitet" werden. Es war ein Projekt von Oligarchen, chinesischen Unternehmern, reichen Söhnen, Hedgefondsmanagern und US-Investoren. Ganz aufgeben werden sie wohl nicht.
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Als Anfang der Woche die Pläne für eine private Liga europäischer Spitzenfußballvereine vorgestellt wurden, setzte umgehend ein Sturm der Entrüstung ein. Alexander Ceferin (51), Chef der europäischen Club-Organisation Uefa und Wortführer gegen das Projekt, sagte: Man wisse jetzt, wer die "Schlangen" seien. Die Eigner der zwölf ursprünglich teilnehmenden Vereine haben sich aber offensichtlich verzockt. Bereits nach wenigen Tagen mussten sie zurückrudern, etliche Vereine stiegen aus. Das Projekt "Super League" soll nun "überarbeitet" werden. Vom Tisch ist die Idee jedoch keineswegs.

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Als Kopf der Rebellion gilt Andrea Agnelli (45). Der Spross des Fiat-und-Ferrari-Clans ist einer der einflussreichsten Strippenzieher des Fußballgeschäfts. Er ist Präsident des hoch verschuldeten italienischen Rekordmeisters Juventus Turin und sitzt gleichzeitig im Vorstand des neu geformten Autoriesen Stellantis (Peugeot, Fiat, Opel) sowie im Board von Exor, der 30 Milliarden Euro schweren Familienholding. Agnelli sollte Vize-Chef der neuen "Super League" werden.

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Als Präsident sollte Florentino Perez (74) der neuen Milliardenliga vorstehen. Der Bauunternehmer ist mit einer dreijährigen Unterbrechung seit 2000 Präsident von Real Madrid. Als CEO der ACS-Gruppe, die auch mehrheitlich den deutschen Baukonzern Hochtief kontrolliert, machte Perez ein Vermögen, das "Forbes" aktuell auf mehr als zwei Milliarden Euro schätzt. Anders als alle anderen ursprünglich vorgesehenen Gründungsmitglieder der Liga gehören Real Madrid und Erzrivale FC Barcelona immer noch den Mitgliedern. Aber auch sie brauchen weiterhin wie alle der Großclubs dringend Geld.

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Als erste stiegen die "Big Six" der britischen Premier League aus dem Projekt aus, die sechs Topvereine der Insel, hinter denen superreiche Investoren stehen. Stan Kroenke (73) etwa, Geschäftsmann, Unternehmer und Gatte der Walmart-Erbin Ann Walton. Sein Vermögen beträgt laut "Forbes" mehr als acht Milliarden Dollar und steckt in etlichen nordamerikanischen Sportteams der NFL, NBA und NHL. Er wollte nach dem Vorbild der US-Profiligen auch für seinen Londoner Premier-League-Club FC Arsenal einen dauerhaften Geldfluss sichern. Nun hat sich der Verein bei seinen Fans entschuldigt.

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Ähnlich ist die Lage in Liverpool. John W. Henry (71), Gründer der gleichnamigen Investmentfirma. gehören nicht nur die Red Sox, das Baseball-Team aus Boston, sondern eben auch der ehrwürdige Liverpool FC mit Kulttrainer Jürgen Klopp. "Forbes" schätzt sein Vermögen aktuell auf 2,8 Millliarden Dollar. Auch Liverpool brach den Vorstoß ab. "Ich möchte mich bei allen Fans des FC Liverpool für die entstandenen Brüche in den vergangenen 48 Stunden entschuldigen", erklärte Henry.

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Manchester United, ebenfalls als Gründungsmitglied der "Super League" vorgesehen, muss nun ebenfalls auf anderem Wege versuchen, die immensen Schulden abzubauen. Seit 2012 ist ManU an der New Yorker Börse gelistet – allerdings nur zu einem geringen Teil. Der Großteil der Anteile befindet sich im Besitz des US-Geschäftsmannes Avram Glazer (60) und seiner Familie. Sein verstorbener Vater Malcolm Glazer hatte sein Geld mit verschiedenen Unternehmensbeteiligungen gemacht.

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Roman Abramowitsch (54), der Inbegriff der Fußball-Oligarchen, zog ebenfalls zurück. Dem Russen, der mit dem Ölkonzern Sibneft reich wurde und laut "Forbes" heute rund 15 Milliarden Dollar besitzt, gehört seit Jahren der FC Chelsea, neben verschiedenen anderen Besitztümern, versteht sich.

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Interesse an der Nobelliga hatte auch Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan (50), Milliardär und Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. Über die City Football Group (CFG) gehört ihm der größte Teil von Manchester City. Nach dem Einstieg des US-Investors Silver Lake bei CFG wurde das Unternehmen mit 4,8 Milliarden Dollar von der "Financial Times" als wertvollste Sportorganisation der Welt geadelt.

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Als letzter der sechs britischen Fußball-Milliardäre gesellte sich Joe Lewis (84) unter die "Super League"-Rebellen. Den Grundstock seines Vermögens von heute rund 4,9 Milliarden Dollar machte er in den 80er und 90er Jahren mit Finanzspekulationnen. Er kontrolliert über die Enic-Holding rund 85 Prozent am Londoner Stadtclub Tottenham Hotspur. Nun entschuldigte sich sein der Verein.

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Weniger sentimental agiert Paul Singer (76). Mit seinem aktivistischen Hedgefonds Elliott mischt er sonst das Topmanagement deutscher Konzerne auf. Zum Fußball war Singer, dessen Vermögen auf 4,8 Milliarden Dollar geschätzt wird, eher unfreiwillig gekommen, als er 2018 Eigentümer des italienischen Spitzenclubs AC Mailand wurde. Elliott übernahm die Anteile vom zahlungsunfähigen chinesischen Geschäftsmann Li Yonghong, der sie wiederum dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi abgekauft hatte. Milan galt als einer der Treiber des Projekts "Super League". Klar bleibt: Singer sucht neue Einnahmequellen.

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Nicht ganz so eindeutig ist die Lage beim zweiten Mailänder Stadtverein Inter Mailand, ebenfalls Teil der Attacke. Inter ist bis heute mehrheitlich in chinesischer Hand. Dabei geht es nicht nur um Finanzen, sondern auch um Prestige. Mehr als zwei Drittel der Anteile kontrolliert die Suning Gruppe von Unternehmer Zhang Jindong (58). Mit einem Vermögen von 7,3 Milliarden Dollar zählt er zu den reichsten Chinesen. Sein Sohn Steven Zhang (29) fungiert im Club als Vorstandschef.

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Um Prestige geht es auch Wang Jianlin (66). Über seine 20-Prozent-Beteiligung an Atletico Madrid mischte auch Wanda-Gründer bei dem Projekt mit. "Forbes" schätzt sein Vermögen aktuell auf 14,6 Milliarden Dollar. Er hatte auch in seiner Heimat in etliche Fußballclubs investiert. Mehrheitseigner am madrilenischen Stadtclub ist Miguel Ángel Gil Marín, der die Anteile von seinem Vater geerbt hat.

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Und zu guter Letzt war auch ein alter Bekannter der Wall Street mit von der Partie: Jamie Dimon (65), der Vorstandschef der US-Bank J. P. Morgan Chase. Seine Bank wollte den teilnehmenden Vereinen das Startgeld von insgesamt bis zu vier Milliarden Dollar bereitstellen. Aus dem Geschäft wird nun erstmal nichts. Aber es war sicher nicht der letzte Vorstoß der Milliardäre, aus dem Profifußball ein noch größeres Business zu machen. Denn an der Idee wollen die "Super League"-Organisatoren festhalten, wie sie auch nach Ausstieg der Briten erklärten: "Wir schlagen einen neuen europäischen Wettbewerb vor, weil das bestehende System nicht funktioniert."

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