Beförderung zum CSO Stephan Fanderl wird Strategiechef bei Peek & Cloppenburg

Peek & Cloppenburg will nach zwei schweren Pandemie-Jahren neue Strategien entwickeln. Dafür ernennt der Bekleidungshändler nun Stephan Fanderl zum neuen CSO. Der Manager steht vor großen Herausforderungen.
Neuer Strategiechef: In Zukunft soll Stephan Fanderl bestimmen, in welche Richtung es für Peek & Cloppenburg gehen soll

Neuer Strategiechef: In Zukunft soll Stephan Fanderl bestimmen, in welche Richtung es für Peek & Cloppenburg gehen soll

Foto: MIKE HENNING / Peek & Cloppenburg

Deutschlands größte Modehandelskette Peek & Cloppenburg ernennt den früheren Galeria-Karstadt-Kaufhof-Chef Stephan Fanderl (58) zum neuen Strategiechef (CSO). Fanderl, der Mitglied der Geschäftsführung von P&C KG ist, übernimmt die Position zum 1. September. Das erklärte das Unternehmen Freitagmittag in einer Mitteilung, die manger magazin vorliegt. Der Manager soll das langfristige Wachstum, die strategischen Partnerschaften sowie den Aufbau neuer Retail-Geschäftsmodelle in den bestehenden 15 und weiteren neuen Märkten der Unternehmensgruppe verantworten.

Fanderl war im Sommer 2020 als Chef der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof abberufen worden. "Die Trennung erfolgt einvernehmlich", hieß es seinerzeit in einer Mitteilung des Warenhausriesen und seines Mutterkonzerns Signa. Auch als Geschäftsführer von Signa Retail trat Fanderl zurück. Die Gründe für die Trennung sind nicht bekannt.

Fanderls Wechsel zu Peek & Cloppenburg im Januar vergangenen Jahres kam überraschend. Zunächst wurde der Manager für den CEO-Posten bei der Elektronikkette Ceconomy gehandelt. Dann machte Peek & Cloppenburg ihn für Vertrieb, die Unternehmensentwicklung, Logistik und Expansion verantwortlich. Damit folgte Fanderl auf Engelbert Thulfaut, der die Holding ausgerechnet für Galeria Karstadt Kaufhof verlassen hatte.

Holding befindet sich im Umbruch

Bei Peek & Cloppenburg wartet keine leichte Aufgabe auf Fanderl. Das wichtige Deutschland-Geschäft des Düsseldorfer Konzerns ist seit einigen Jahren rückläufig, infolge der Corona-Pandemie ist der Gesamtumsatz der Holding massiv eingebrochen, in manchen Häusern sind bis zu einem Drittel der Erlöse weggefallen. Zudem herrscht bei P&C kein einfaches Klima, Unternehmensinhaber Patrick Cloppenburg gilt als Despot, hat bereits viele Manager verschlissen und trifft mitunter umstrittene Personalentscheidungen.

Fanderl muss daher nicht nur eine neue Strategie erarbeiten, sondern sich auch mit dem Inhaber zurechtfinden. Laut Insidern könnte er mittelfristig sogar Unternehmenschef Patrick Cloppenburg ersetzen. Der jüngste Sohn von Clanchef Harro Uwe Cloppenburg beförderte den früheren Daimler-Manager Edgar Hert zum Chefunterhändler für die Gespräche mit den Herstellern, seither werden dort Klagen über einen rüden Verhandlungsstil immer lauter.

Peek & Cloppenburg ist aktuell in einem Transformationsprozess. Fanderl muss sich vor allem eine Strategie überlegen, die Holding wieder aus der Corona-Misere zu bekommen. Für das Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete die Holding netto nur etwas mehr als eine Milliarde Euro. Das sind mehr als 400 Millionen Euro und 28 Prozent weniger als vor der Corona-Pandemie. Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen habe bei minus 4,8 Prozent gelegen, der Verlust bei knapp 50 Millionen Euro. Das gab das Familienunternehmen an diesem Montag bekannt. Im Jahr 2019 war der Umsatz bereits um 1,5 Prozent gesunken. Damals erwirtschaftete der Modehändler aber noch einen Gewinn von rund 115 Millionen Euro.

Personalumbau an mehreren Stellen

Neben Fanderl baut das Unternehmen auch an anderen Stellen derzeit kräftig um. So wird der Digitalexperte Marcus Diekmann (42) seinen Posten beim Familienunternehmen zeitnah räumen. Aktuell ist er noch Co-Chef bei der International Brands Company KG (IBC), einer Tochter der Düsseldorfer Holding. Erst Anfang Januar war er angetreten, um die umsatzstarken, aber weitgehend unbekannten Eigenmarken, darunter Review und Jake*s, des traditionellen Modehändlers zu stärken und einen erfolgreichen Direktvertrieb aufzubauen. Diese haben Brancheninsidern zufolge einen Anteil von etwa 20 bis 30 Prozent am Gesamtumsatz, der zuletzt stark rückläufig war.

Das Ausscheiden Diekmanns kommt überraschend, da er persönlich von Patrick Cloppenburg (39), Mitgesellschafter des Familienunternehmens, nach Düsseldorf geholt wurde. Diekmann war zuvor Chef des Fahrradherstellers Rose. Ob Fanderl als neuer Strategiechef das Unternehmen wieder in die richtige Bahn lenken kann, wird sich zeigen.

mje
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