Frühindikator für Inflation Herstellerpreise steigen im Juli überraschend deutlich

Im Juni hatte sich der rasante Anstieg der Erzeugerpreise erstmals seit Dezember 2021 abgeschwächt. Ökonomen hofften daher auf ein Nachlassen der Inflation. Doch im vergangenen Monat stiegen die Preise so stark wie nie zuvor.
Vor allem Erdgas wurde teurer: Die Herstellerpreise für Gas (im Bild die Empfangsstation der Gaspipeline Nord Stream 1 in Lubmin bei Greifswald) lagen im Juli 164 Prozent über dem Vorjahresmonat zahlen

Vor allem Erdgas wurde teurer: Die Herstellerpreise für Gas (im Bild die Empfangsstation der Gaspipeline Nord Stream 1 in Lubmin bei Greifswald) lagen im Juli 164 Prozent über dem Vorjahresmonat zahlen

Foto: Stefan Sauer / dpa

Die deutschen Hersteller haben ihre Preise im Juli überraschend deutlich angehoben. Die Produzentenpreise erhöhten sich im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 37,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das ist deutlich mehr als der Zuwachs im Vormonat von 32,7 Prozent und der stärkste Anstieg seit Beginn der Erhebungen 1949. Analysten hatten hingegen mit einer leichten Abschwächung des Preisauftriebs gerechnet.

Im Monatsvergleich schnellten die Erzeugerpreise im Juli um 5,3 Prozent in die Höhe. Auch in dieser Betrachtung ergab sich ein Rekordanstieg. Experten hatten lediglich einen leichten Anstieg erwartet.

Hauptverantwortlich für die starke Teuerung auf Erzeugerebene ist Energie, die seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine erheblich mehr kostet. Hier lagen die Erzeugerpreise um 105,0 Prozent höher als im Juli 2021. Erdgas verteuerte sich dabei um 163,8 Prozent, Strom um 125,4 Prozent. Mineralölerzeugnisse kosteten 41,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Leichtes Heizöl war mehr als doppelt so teuer wie ein Jahr zuvor (plus 107,9 Prozent), während für Kraftstoffe 31,6 Prozent mehr verlangt wurden. Hohe Preissteigerungen gab es auch bei Vorleistungsgütern, vor allem bei Metallen, Dünge- und Futtermitteln sowie Industriegasen und Verpackungsmitteln aus Holz. Nahrungsmittel verteuerten sich um gut 21 Prozent.

Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der allgemeinen Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Im Juli lagen die Verbraucherpreise in Deutschland 7,5 Prozent über dem Vorjahr, nachdem die Inflationsrate im Mai mit 7,9 Prozent den höchsten Stand seit dem Winter 1973/1974 erreicht hatte. Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket drücken derzeit die Teuerung für die Verbraucher, doch laufen diese staatlichen Hilfen am Monatsende aus. Experten rechnen deshalb im Herbst mit höheren Inflationsraten von um die 9 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli nach langem Zögern die Zinswende eingeläutet und ihre Leitzinsen erstmals seit elf Jahren angehoben. Sie hinkt anderen Zentralbanken damit deutlich hinterher.

mg/Reuters, dpa-afx
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