Start-ups Wie Robert Habeck Deutschlands Gründerszene stärken will

Bereits im Wahlkampf kündigten fast alle Parteien an, die deutsche Start-up-Szene stärker fördern zu wollen. Nun hat Wirtschaftsminister Habeck ein Strategiepapier vorgelegt: In turbulenten Zeiten soll der Zugang zu Risikokapital erleichtert werden.
Wirbt um die Gunst der Gründerszene: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Wirbt um die Gunst der Gründerszene: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Foto: ANDREAS GORA / POOL / EPA

Start-ups in Deutschland sollen künftig leichter Risikokapital erhalten können, um ihre wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben zu können. Das sieht der Entwurf für eine neue Start-up-Strategie von Wirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) vor, der am Freitag bekannt geworden ist. "Die Bundesregierung wird den deutschen Wagniskapitalmarkt weiter stärken und zusätzliche Möglichkeiten für großvolumige Finanzierungen durch inländische Investoren schaffen", heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Demzufolge sollen zukünftig private wie öffentliche Rentenversicherungen einen festen Anteil ihrer Beitragseinnahmen in Wagniskapital investieren. In den USA, den Golfstaaten, Skandinavien, Großbritannien und anderen Ländern fließen schon seit Jahren große Summen aus den Rentenkassen über Wagniskapitaltöpfe in die Finanzierung von jungen Firmen. In Deutschland verhindern regulatorische Vorgaben diesen Geldfluss dagegen weitgehend.

Die Branche beklagt sich seit langer Zeit darüber, dass den Start-ups nach einer ersten erfolgreichen Finanzierung in der frühen Phase oft beim weiteren Wachstum der Zugang zu Finanzspritzen im großen Stil verwehrt bleibt. Außerdem sorgen die jüngsten Turbulenzen an der Börse für Unruhe in der Start-up-Szene: Viele Unternehmen fürchten, nicht mehr an dringend benötigtes Risikokapital zu kommen, um das Wachstum zu finanzieren.

Hürden für ausländische Fachkräfte sollen gesenkt werden

Das Papier sieht zudem vor, dass öffentliche Aufträge vermehrt an Start-ups vergeben werden sollen. Dafür soll beim Kompetenzzentrum Innovative Beschaffung (KOINNO) ein E-Marktplatz sowie eine zentrale Vergabeplattform geschaffen werden.

Außerdem soll die Einkommensteuer reformiert werden, um die Mitarbeiterbeteiligung zu erleichtern und von Fondsinvestoren erhobene Managementgebühren von der Umsatzsteuer befreit werden. Bisherige Hürden bei der Anerkennung von Berufs- und Hochschulabschlüssen ausländischer Fachkräfte sollen gesenkt und die IT-Sonderregelung im Einwanderungsrecht auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Dem Strategiepapier zufolge sollen zudem Frauen in der Gründerszene gefördert werden. Mit der neuen Förderlinie "Exist Women" sollen sie gezielt angesprochen werden, Professorinnen an Hochschulen sollen einen finanziellen Anreiz bekommen, sich als Mentorin einzubringen.

Der Start-up-Verband begrüßte den Plan aus dem Wirtschaftsministerium. Der vorliegende Entwurf setze die richtigen Schwerpunkte, um die Bedingungen für Start-ups in Deutschland zu verbessern, erklärte Christian Miele, Vorstandsvorsitzender beim Start-up-Verband. "Wird die Start-up-Strategie konsequent umgesetzt, leisten Start-ups zukünftig einen noch größeren Beitrag zu der wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Transformation unseres Landes." Das Strategie-Papier wird am heutigen Freitag in die Ressortabstimmung gehen und soll bis zum Sommer finalisiert werden.

mg/dpa-afx
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