Standort Mittelosteuropa Starke neue Länder

Die mittelosteuropäischen Länder Ungarn, Tschechien, Polen und die Slowakei gehören aus Investorensicht zu den attraktivsten der EU. Einzig Slowenien schneidet in dieser Gruppe von Staaten vergleichsweise schlecht ab.

Hamburg - In den 90er Jahren galt die Slowakei als Schlusslicht Mittelosteuropas. Bei der Demokratisierung und der Öffnung von Wirtschaft und Gesellschaft tat sich lange nichts. Inzwischen hat das Land in beeindruckender Weise aufgeholt. Sieben von acht slowakischen Regionen finden sich in der Standortstudie des manager magazins unter den Top 100 von insgesamt 1207 Gebieten der Europäischen Union (EU).

Die Lohnstückkosten liegen mit knapp unter 30 Prozent der Wertschöpfung der Beschäftigten auf sehr günstigem Niveau. Auch für Unternehmen gilt die einheitliche "flat tax" von 19 Prozent. Wie in den übrigen ex-sozialistischen neuen EU-Ländern auch, sind allerdings die regionalen Unterschiede groß. In der Slowakei ist ein West-Ost-Gefälle auffällig, wobei Bratislava mit seiner hohen Dichte an Hochqualifizierten heraussticht.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Ungarn, das sich als eines der ersten im ehemaligen Ostblock in den 90er Jahren für ausländische Direktinvestitionen geöffnet hat. Die madjarischen Regionen sind etwas teurer (Lohnstückkosten von knapp unter 40 Prozent, Unternehmenssteuern von 18 Prozent), dort leben aber auch mehr qualifizierte Arbeitskräfte. 15 ungarische Standorte schaffen es aktuell in die europäischen Top 100. An der Spitze liegen die westlichen Industriestandorte nahe der österreichischen Grenze sowie die Regionen der Doppelhauptstadt Buda und Pest.

Eine noch stärker ausdifferenzierte Standortstruktur bietet sich Investoren in Polen, dem größten Land unter den mittelosteuropäischen EU-Staaten. Ähnlich der deutschen Regionalstruktur gibt es ein Süd-Nord-Gefälle, wobei auch in Polen die nördlichen Großstädte und die Hauptstadt Warschau aus Investorensicht ausgezeichnet abschneiden. An der Spitze der polnischen Rangliste finden sich die Städte der süd-südwestlichen Industriegebiete - Posen, Krakau, Breslau - sowie Stettin und Danzig an der Ostsee sowie Warschau und Umgebung. 13 polnische Regionen schaffen es in die europäischen Top 100. Alle 45 polnischen Regionen erreichen einen durchschnittlichen Rang von 159.

Die meisten Standorte in Tschechien schneiden deutlich ungünstiger ab als die attraktivsten Regionen der bisher erwähnten mittelosteuropäischen Länder. Einzig Prag schafft es wegen seiner sehr guten Standortqualität trotz vergleichsweise hoher Kosten auf einen sicheren Platz unter den Top 100 der EU, den die Region auch bis 2010 verteidigen wird. Alle 14 tschechischen Regionen kommen im Schnitt auf einen Durchschnittsrang von 151.

Bis 2010 werden alle vier Länder leicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, weil die Lohnstückkosten überall eine Aufwärtstendenz aufweisen, am stärksten in Tschechien, das auch am intensivsten den Konkurrenzdruck eines wettbewerbsfähigeren Deutschlands zu spüren bekäme, am wenigsten in der Slowakei. Dennoch bleiben alle Länder aus Investorensicht außerordentlich attraktiv und wettbewerbsfähig. Das gilt insbesondere für die Slowakei und Ungarn.

Slowenien spielt in dieser Ländergruppe eine Sonderrolle. Die kleine exjugoslawische Adria-Republik leidet unter vergleichsweise hohen Kosten und schneidet auf Rängen unterhalb von 300 ab. Ähnlich wie Tschechien könnte auch Slowenien bis 2010 durch ein ökonomisch wiedererstarktes Deutschland auf Plätze im hinteren Mittelfeld verdrängt werden.

Polens Standorte

Slowakische Standorte

Sloweniens Standorte

Tschechiens Standorte

Ungarns Standorte

EU-Standortstudie: Deutschland auf Genesungskurs Standort Deutschland: 439 Regionen im EU-Vergleich Standort Benelux: 84 Regionen im EU-Vergleich Standort Frankreich: 96 Regionen im EU-Vergleich Standort Großbritannien: 133 Regionen im Vergleich Iberische Standorte: 82 Regionen im EU-Vergleich Standort Irland: 8 Regionen im EU-Vergleich Italien und Griechenland: Pulverfässer im Süden Standort Österreich: 35 Regionen im EU-Vergleich

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