EU-Standortstudie Deutschland auf Genesungskurs

Deutschland wird als Unternehmensstandort wieder attraktiver. Bis zum Jahr 2010 hat die Bundesrepublik sogar gute Voraussetzungen, in die Spitzengruppe der europäischen Standorte aufzusteigen, wie eine exklusive Studie des manager magazins zeigt.

Hamburg - Kein anderer EU-Staat wird sich in den kommenden fünf Jahren aus Investorensicht so stark verbessern wie Deutschland. Andere Länder büßen dagegen erheblich an Attraktivität ein, insbesondere Großbritannien und Italien.

Das ist das Resultat der Untersuchung "Deutschland 2010", die ein Expertenteam der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU ), Vallendar, und der Standortberatung Contor , Hünxe, exklusiv für manager magazin erstellt hat.

Hauptgrund für die Verschiebungen bei der Standortqualität ist die Entwicklung der Lohnstückkosten (das Verhältnis der Lohnkosten zur Produktivität der Beschäftigten), die seit Jahren in Deutschland sinken, während sie anderswo in Europa steigen.

Allerdings ist der Wiederaufstieg des Standorts Deutschland kein Selbstläufer. Erst weitere moderate Veränderungen - beispielsweise eine flächendeckende Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich kombiniert mit einer Senkung der Unternehmensteuern von 38,7 auf 25 Prozent - lassen die Bundesrepublik zu einem der attraktivsten unter den großen EU-Staaten aufsteigen. "Das Land ist auf dem richtigen Weg", urteilt Professor Michael Frenkel von der WHU. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir ihn konsequent weitergehen."

Die Contor-WHU-Untersuchung nimmt den Blickwinkel eines typischen Investors ein, der einen Standort für technologisch anspruchsvolle Produktion und Entwicklung sucht und alle 1207 Regionen (nach EU-Kategorie "Nuts 3") in der Europäischen Union vergleicht.

Aus der Analyse dieser verschiedener Standortfaktoren ergibt sich eine Rangfolge. Sie zeigt, wie ein Investor die Standorte in der EU gemäß ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis beurteilt. Nach dieser Methode finden sich die derzeit besten europäischen Regionen in Estland (Tallinn) und Irland (Dublin). Das EU-Land mit den meisten Regionen in den Top 100 der EU-Standorteliga ist Österreich.

Deutschlands beste Regionen

Deutschlands beste Regionen

Aktuell schneidet Deutschland in diesem Ranking dürftig ab. Die beste deutsche Region (Bremen) findet sich auf Platz 368. Nur Griechenland und Italien kommen auf noch schlechtere Ränge. Doch in den kommenden Jahren werden sich die Senkungen der deutschen Lohnstückkosten auszahlen. "Wenn auch noch die Unternehmensteuern auf 25 Prozent sinken, spielen die besten deutschen Standorte wieder ganz oben in Europa mit", sagt Contor-Geschäftsführer Henner Lüttich.

Immerhin vier Regionen - Bremen, Hamburg, Esslingen und Bremerhaven - steigen im Contor-WHU-Szenario bis 2010 in die europäischen Top 100 auf. Weitere 68 finden sich unter den besten 200 Standorten.

Die deutschen Unternehmensstandorte mit dem nach dieser Untersuchung besten Preis-Leistungs-Verhältnis lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Erstens die norddeutschen Großstädte, die über eine exzellente Infrastruktur bei vergleichsweise niedrigen Kosten verfügen.


  • Zweitens die süddeutschen Ballungsräume um Stuttgart, München und Frankfurt, wo die Kosten deutlich höher liegen, die aber insbesondere mit einer hohen Dichte von hoch qualifizierten Akademikern punkten können.


  • Drittens die ostdeutschen Städte Merseburg und Halle, deren Profil eher den norddeutschen Ballungsräumen ähnelt, sowie Dresden, das inzwischen eine starke Hightech-Orientierung nach süddeutschem Muster aufweist.
Völlig abgeschlagen im Ranking des manager magazins finden sich große Teile Mecklenburg-Vorpommerns und einige Landstriche im Osten Bayerns.

Die detaillierte Analyse zur exklusiven mm-Standortstudie "Deutschland 2010" mit Übersichtskarten, Tabellen und Statements prominenter Experten lesen Sie im aktuellen manager magazin 8/2005 ab Seite 74.

Ergänzend dazu präsentiert manager-magazin.de in einer Serie Kurzanalysen der Standortqualitäten aller großen EU-Länder beziehungsweise Ländergruppen und sagt zum Auftakt heute, wie Deutschlands Regionen im EU-Vergleich abschneiden.

Standort Deutschland: 439 Regionen im EU-Vergleich

Mehr lesen über Verwandte Artikel