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"Sparsam und bescheiden"

Privatbankier Graf von Krockow übers Endgültig-reich-Sein
aus manager magazin 2/2001

mm Löst die nächste Million bei jemandem, der schon Milliarden hat, noch einen nennenswerten mentalen Überschwang aus?

Graf Krockow Sicher. Geld und Kapital sind ja abstrakt und sehr flüchtig. Wir Banker haben nicht zuletzt die Aufgabe, den Leuten, vor allem den Erben, klarzumachen, dass sie das Vermögen mit Respekt behandeln. Denn Vermögen - und wir reden hier nicht von Börsengängen am Neuen Markt oder Lottogewinnen - ist nichts anderes als geronnener Schweiß, die Frucht langer und harter Arbeit.

mm An dem nötigen Respekt hapert es?

Graf Krockow Es käme einer Unternehmerfamilie zum Beispiel nie in den Sinn, flapsig über Milliarden-vermögen zu reden. Vermögenswerte stecken meist in Beteiligungen, Firmen und Immobilien, und dies verlangt große Verantwortung.

mm Welche Vorstellung verbinden die Quandts oder von Fincks mit dem Ausmaß ihrer Vermögen?

Graf Krockow Die Personen, die Sie nennen, und andere große Familien, die ich kenne, sind im Grunde ihrer Seele eher sparsam und bescheiden.

mm Aus echter Scham oder falscher Bescheidenheit?

Graf Krockow Erstens wird gebundenes Vermögen nur dann zu barem Reichtum, wenn man es verkauft. Und zweitens ist es keine Scham: Man ist in diesen Kreisen durchaus stolz auf das Erreichte. Aber in unserer Neidgesellschaft tendiert Reichtum stark zur Diskretion. Als reich zu gelten ist, nebenbei, auch nicht un-gefährlich.

mm Was treibt die Superreichen an? Bei 100 Millionen könnte einem ja auch der Ehrgeiz ausgehen.

Graf Krockow Die Großvermögen befinden sich ja häufig in harten Wettbewerbssituationen. Die Familie Henkel zum Beispiel mag reich sein und gut dastehen - aber im Weltmaßstab gibt es viele Unternehmen, die viel mächtiger sind. Es ist eben alles relativ.

mm Gibt es für den Durchschnitts-milliardär eine sinnvolle Methode, sein Geld auszugeben?

Graf Krockow Reichtum hat eine Sozialverpflichtung. Und diese Verpflichtung leben die Reichen, die ich kenne, auch. Viele investieren Millionenbeträge in soziale und kulturelle Einrichtungen. Wenn die Leute nur Playboy spielten, würden sie todunglücklich werden. Der Lebenszweck kann nicht im Verprassen liegen. u

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