Zinswende der EZB Sparkassen müssen acht Milliarden Euro abschreiben

Die rund 360 Sparkassen des Landes haben 2022 etwas weniger Geld verdient als noch im Vorjahr. Grund dafür sind unter anderem Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von 7,8 Milliarden Euro.
Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbands: "Die laufende Zinswende ist betriebswirtschaftliche herausfordernd"

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbands: "Die laufende Zinswende ist betriebswirtschaftliche herausfordernd"

Foto: Axel Heimken/ DPA

Deutschlands Sparkassen haben 2022 in Summe wegen Milliardenabschreibungen auf Wertpapierbestände unter dem Strich weniger verdient als ein Jahr zuvor. Vorläufigen Zahlen zufolge kamen die Institute 2022 auf rund 1,5 Milliarden Euro Jahresüberschuss. Damit ist dieser etwas niedriger als im Vorjahr: 2021 betrug der Überschuss noch gut 1,6 Milliarden Euro, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Dienstag mitteilte.

"Die laufende Zinswende ist kurzfristig betriebswirtschaftlich herausfordernd, die Sparkassen haben aber genug Substanz, um das schnell zu bewältigen", sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis (68) in Frankfurt am Main. Viele Sparkassen können ihre hohen Kundeneinlagen nicht in gleichem Maße als Darlehen wieder ausgeben und legen dieses Geld oft in festverzinslichen Assets im Eigenbestand an. Unter anderem machen Staatsanleihen einen Großteil der Eigenanlagen der Sparkassen aus. Mit der raschen geldpolitischen Wende der Europäischen Zentralbank (EZB) und steigenden Zinsen sanken die Kurse dieser Papiere. Die Folge: Die Institute mussten fast acht Milliarden Euro auf festverzinsliche Wertpapiere abschreiben.

Dies sei aber kein Grund zur Sorge, betonte Schleweis: "Wenn die Papiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden, dann werden sie zu 100 Prozent zurückgezahlt und holen die zwischenzeitlichen Wertkorrekturen wieder auf. Wir erwarten, dass das der Regelfall bei Sparkassen sein wird." Der DSGV-Präsident betonte, eine Vergleichbarkeit mit dem Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA gebe es nicht: "Wir werden keine Auswirkungen auf deutsche Sparkassen sehen, und der Fall ist auch überhaupt nicht vergleichbar mit dem Geschäftsmodell der deutschen Sparkassen." Die Sparkassen fordern seit Jahren ein Ende des Null- und Negativzinskurses der EZB.

Auch höhere Erträge dank gestiegener Zinsen

Die steigenden Zinsen sorgen andererseits auch für höhere Erträge. Der Zinsüberschuss – also die Differenz zwischen dem, was die Institute einerseits zum Beispiel für Kredite kassieren und andererseits ihren Kunden etwa als Sparzinsen zahlen – legte bei den Sparkassen binnen Jahresfrist um 9,2 Prozent auf 21 Milliarden Euro zu.

Auch der Provisionsüberschuss stieg um 3,9 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Grund dafür seien neben der Zinswende ein stark gestiegenes Bauspargeschäft, netto rund 690.000 mehr Girokonten und deutlich mehr Volumen im bargeldlosen Zahlungsverkehr, sagte Schleweis.

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft fiel mit 370 Millionen Euro geringer aus als in früheren Jahren und als angenommen, wie der DSGV-Chef sagte. "Die weithin erwartete Rezession ist ausgeblieben – und wir erwarten sie auch nicht mehr."

frm/dpa-AFX, Reuters
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