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M. M. Warburg Späte Vaterfreuden

Mitinhaber Olearius macht seinen Sohn zum Partner - viel Praxis bringt der nicht mit.
Von Patricia Döhle
aus manager magazin 6/2008

Für Christian Olearius (66), den Mitinhaber des Hamburger Bankhauses M. M. Warburg & CO, erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch. Im Sommer dieses Jahres soll sein Sohn Joachim (37) in den Kreis der Warburg-Partner aufgenommen werden.

Noch wiegelt man in der Warburg-Zentrale unweit der Binnenalster ab. Joachim Olearius sei zwar als Partner "vorgesehen", der Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, zumal die Bankenaufsicht BaFin noch zustimmen müsse.

Das dürfte kein Problem sein. Erfüllt doch der Olearius-Spross die gesetzlichen Bedingungen, nach denen er persönlich zuverlässig und fachlich qualifiziert sein muss. Dazu genügt es, dass er in dem Bereich, für den er als Partner verantwortlich sein soll - das Private Banking -, über einen gewissen Zeitraum leitend tätig war. Das ist seit knapp zwei Jahren der Fall - eine Spanne, die der BaFin in der Regel genügt.

Bankintern gilt die Berufung des Juniors längst als ausgemacht. Vater Christian ist neben Max Warburg (60) größter Teilhaber des Traditionshauses und dominiert die Bank sowohl nach innen wie auch in der Außendarstellung. In der Imagebroschüre taucht Warburg nicht einmal mehr mit Foto auf - allein Olearius' Konterfei ziert den Prospekt.

Der Ex-Landesbanker betrachtet die Bank als sein Lebenswerk. Und tatsächlich ist der heutige wirtschaftliche Erfolg Warburgs zum großen Teil auf den Einsatz des machtbewussten und umtriebigen Juristen zurückzuführen.

Als Olearius 1986 in die Traditionsbank eintrat, steckte die in großen Schwierigkeiten. Olearius initiierte einen Generationswechsel, räumte im Kreditgeschäft auf und sorgte im Private Banking für Wachstum. Heute steht die Bank glänzend da, fuhr 2007 einen Rekordüberschuss von 63 Millionen Euro ein.

Nur in der Personalpolitik hatte Olearius keine glückliche Hand. Sechs Männer holte er seit Mitte der 90er Jahre als Partner zu Warburg. Fünf von ihnen sind wieder weg. Hochkarätige Interessenten wie Ex-WestLB-Chef Thomas Fischer und den heutigen Bundespräsidenten Horst Köhler, beide von Ex-Warburg-Eigner Otto Gellert (78) empfohlen, lehnte Olearius ab. Es scheint, als habe er seinem Sohn den Platz frei gehalten.

Ob dessen Qualifikationen ausreichen, um als Partner erfolgreich zu sein, wird sich zeigen. Die vermögende Klientel wird in Hamburg so heftig umworben wie in kaum einer anderen deutschen Metropole. Zudem sind die Gegenspieler von Olearius junior meist weitaus erfahrener. Der studierte Jurist wirkt erst seit vier Jahren im Bankwesen; zunächst war er für Schiffsbeteiligungen zuständig. Damalige Geschäftspartner beschreiben ihn als sympathisch, höflich und erinnern sich vor allem an sein großes Wissen um die Geschichte Preußens.

In einem ehemals preußischen Landstrich war Olearius zuvor auch tätig, im Auftrag der Bank zwar, aber eher berufsfremd: als Landwirt. Und das, vertraute der Warburg-Partner in spe der Zeitschrift "Vanity Fair" an, wäre er gern geblieben. Patricia Döhle

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