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Freenet Showdown in Hamburg

Die ewigen Widersacher von Konzernchef Spoerr nutzen die Hauptversammlung zur Attacke.
Von Claus G. Schmalholz
aus manager magazin 8/2008

Das Lebensmotto von Freenet-Chef Eckhard Spoerr (40) scheint einfach zu sein: Wo ich bin, ist vorn. Das gilt bestimmt für sein Einkommen, das höher liegt als bei manchem Chef eines Dax-Unternehmens, und das gilt offenbar auch für seine Qualitäten als Rennfahrer. Den Wettkampf mit einem Journalisten auf der Kartbahn gewann er neulich mühelos. Auch beim anschließenden Armdrücken siegte der 40-Jährige angeblich souverän.

Solch Kräftemessen wäre keine Erwähnung wert, hätte Spoerr die Aktion nicht mit seinem Gespür für PR-wirksame Selbstinszenierungen genutzt, um sich für den wahren Showdown zu positionieren, dem er sich bald stellen muss: der Hauptversammlung seines Telekommunikationskonzerns am 8. August in Hamburg.

Die Repräsentanten zweier Hauptaktionäre, Paschalis Choulidis (45) von der Drillisch AG und Ralph Dommermuth (44) von der United Internet AG, erzwangen per Gericht zusätzliche Tagesordnungspunkte, die letztlich ein einziges Ziel verfolgen: Spoerr soll weg. Die Kombattanten fordern,

Spoerr und seinen Vorstandskollegen das Vertrauen zu entziehen;

den Aufsichtsrat abzuwählen und das Kontrollgremium komplett mit neuen Kandidaten zu besetzen;

per Sonderprüfung zu klären, ob der Vorstand den Altaktionären pflichtwidrig ein Bezugsrecht verweigert habe, als das Kapital für den Kauf der Mobilfunkfirma Debitel erhöht wurde, und

ebenfalls zu überprüfen, wie die mit Debitel übernommenen Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bedient werden können.

Die Kritiker behaupten, Spoerr habe den Termin der Hauptversammlung bewusst von Mai bis August verschleppt, um sich die Stimmrechte des neuen Großaktionärs Permira zu sichern und gemeinsam mit dessen Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser (41) die Ausschüttung einer Dividende zu verhindern.

Erst reagierte Spoerr gewohnt lässig auf die Attacke. Doch als dann Mitte Juli bekannt wurde, dass Choulidis und Dommermuth ihre Freenet-Anteile auf zusammen 25,91 Prozent erhöht hatten, wurde er nervös. Sollten die Angreifer gewinnen, "bin ich weg, von einem Tag auf den anderen", ließ Spoerr verlauten.

Die Chancen seiner Kontrahenten, den coolen Schwaben mit der kantigen Brille aus dem Amt zu jagen, stehen nicht schlecht. Für den Erfolg der Anträge reicht die einfache Mehrheit der Hauptversammlung aus. Beim letztjährigen Treffen waren rund 65 Prozent der Aktionäre im Hamburger Congresszentrum versammelt, bei einer ähnlichen Quote reichen also 33 Prozent der Stimmen, um Spoerr zu stürzen.

Durch die rechtzeitige Eintragung der Permira-Aktien hatte Spoerr eine Patt-Situation zwischen seinem Lager und seinen Gegnern herbeigeführt. Mit der Anteilserhöhung von Choulidis und Dommermuth verschoben sich die Gewichte. Dennoch müssen die beiden Aggressoren darauf hoffen, dass andere Großaktionäre wie die Credit Suisse Group (6,22 Prozent) und die Hermes Focus Asset Management (4,02 Prozent) in ihrem Sinne abstimmen werden.

"Wir wollen einen Neuanfang bei Freenet", sagt Drillisch-Chef Choulidis, und der sei nur ohne Spoerr möglich - und ohne den derzeitigen Aufsichtsrat unter Vorsitz des Ex-RTL-Chefs Helmut Thoma (69), der in der Vergangenheit allzu bereitwillig Spoerrs hakenartigen Unternehmenskurs unterstützt habe.

Seine Alternativkandidaten für das Kontrollgremium preist der Drillisch-Chef als Kompetenzteam aus Telekommunikationsfachleuten und Bankenexperten. Zur Wahl stellen sich unter anderen der ehemalige E-Plus-Chef Uwe Bergheim (52), der Ex-Novartis-Manager Markus Billeter (43), die Dommermuth-Vertrauten Andreas Gauger (40) und Norbert Mauer (46), beide ehemalige Vorstandsmitglieder der zu United Internet gehörenden 1&1-Gruppe, sowie Patricia Weisbecker (40), Managing Director der ICF Kursmakler AG.

Und mit Debitel-Chef Oliver Steil (36), dem designierten Vertriebsvorstand der Freenet, steht laut Choulidis schon ein geeigneter Nachfolger für Spoerr bereit.

Möglicherweise hat Spoerr ja inzwischen erkannt, dass seine Zeit zu Ende ist. In einer der letzten Freenet-Aufsichtsratssitzungen wurde über einen Antrag diskutiert, allen Freenet-Vorstandsmitgliedern ihre Resturlaubsansprüche auszuzahlen, was in Einzelfällen Summen um die 30 000 Euro ergeben kann. Claus G. Schmalholz

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