Shoppingmeilen Wo Menschen in Deutschland überhaupt noch einkaufen

Der Lockdown light hat die Besucherzahlen in vielen Innenstädten im Vergleich zum Vorjahr halbiert. In München und Köln ist noch vergleichsweise viel Betrieb - Hamburg und Düsseldorf fallen im deutschen Städtevergleich weit zurück.
Kölner Schildergasse: Köln als Offline-Shoppingstandort vor München und Hannover auf Platz 1

Kölner Schildergasse: Köln als Offline-Shoppingstandort vor München und Hannover auf Platz 1

Foto: DPA

Der "Lockdown light" hinterlässt deutliche Spuren in den deutschen Top-Einkaufsstraßen. Zwar ist der Einkaufsbummel noch erlaubt, jedoch halten Masken- und Abstandspflicht sowie fehlende gastronomischen Angebote viele Menschen aus den Innenstädten fern. Im Vergleich zum Vorjahr ist am Samstag vor dem ersten Advent die Zahl der Einkaufsbummler um durchschnittlich 48 Prozent zurückgegangen - mit entsprechend drastischen Umsatzeinbußen für den stationären Einzelhandel. Dies geht aus einer Untersuchung von Engel & Völkers Commercial hervor, die am 30. November 2020 insgesamt 99 Standorte in 49 deutschen Städten ausgewertet haben. Über alle Standorte hinweg wurden in diesem Jahr zwischen 10 und 20 Uhr 3.059.750 Passanten gezählt: Das sind knapp drei Millionen weniger als im Vorjahr.

Zumindest noch ein wenig vorweihnachtlicher Betrieb zeigt sich in den großen Einkaufsstraßen von München und Köln. In der Kölner Schildergasse waren am 30.11. mit rund 8000 Besuchern pro Stunde zwar rund 40 Prozent weniger Menschen unterwegs als im Vorjahr, dennoch reichte dieser Wert für Platz 1 im Ranking. Da der gesondert erhobene westliche Teil der Schildergasse zusätzlich rund 6000 Besucher pro Stunde zählte (Rang 4), darf sich Köln rühmen, mit der Schildergasse aktuell die bestbesuchte Shoppingmeile Deutschlands vorzuweisen.

Auf Platz 2 folgt München: In die Neuhauser Straße und in die Kaufinger Straße fanden sich am ersten Adventssamstag jeweils rund 7700 Besucher pro Stunde ein. Mit 6600 Besuchern pro Stunde in der Georgstraße landet die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover mit der Georgstraße auf dem dritten Platz - und lässt damit Städte wie Frankfurt am Main (6300 Einkaufsbummler auf der mittleren Zeil), Düsseldorf (rund 5700 Besucher pro Stunde auf der Schadowstraße) und Hamburg (5300 auf der Spitalerstraße) hinter sich.

Stabiles Ranking - auf niedrigem Niveau

"Betrachtet man die durchschnittliche Passantenfrequenz pro Stunde zwischen 10 und 20 Uhr, rangieren auf den ersten zehn Plätzen des Rankings nahezu die gleichen Standorte wie im Vorjahr, allerdings mit deutlichen Einbußen zwischen 30 und 50 Prozent", erläutert Miriam Siegert, Researchanalystin bei Engel & Völkers Commercial in Hamburg. Dabei verteidigte Köln den ersten Platz: Am Zählpunkt Schildergasse (Mitte) wurde der höchste Stundendurchschnitt registriert (8316 Passanten). Zwischen 16 und 17 Uhr waren es dort sogar 11.718 Passanten.

Rasch Einkaufen statt Shoppen

An 88 weiteren Standorten wurden laut der aktuellen Auswertung von Engel & Völkers Commercial die höchsten Werte zwischen 15 und 16 Uhr (54 Standorte) oder zwischen 16 und 17 Uhr (34 Standorte) erfasst. Die stärksten Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr wurden in den Abendstunden (ab 17 Uhr) festgestellt. Auch die Verweildauer der Einkäufer ist gesunken. "Einkaufen scheint in Corona-Zeiten nur noch Mittel zum Zweck zu sein. Ein Shoppingerlebnis ist in diesem Jahr wegen des Lockdowns kaum möglich, ohne Gastronomie und Weihnachtsmärkten in den Innenstädten", unterstreicht Siegert.

Wirtschaftlicher Überlebenskampf

Der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, Andreas Mattner, bringt die Auswirkungen in einem Gespräch mit Engel & Völkers Commercial drastisch auf den Punkt: "Die Frequenz- und Umsatzeinbrüche im Einzelhandel sind ein Beleg für die dramatische Situation und den wirtschaftlichen Überlebenskampf in Deutschlands Innenstädten. Die Realwirtschaft leidet und damit auch die dahinterstehenden Immobilienunternehmen."

la/mmo
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