Anlage in Wilhelmshaven geplant Schwimmendes LNG-Terminal könnte direkten Import von Flüssiggas beschleunigen

Bis LNG-Terminals in Deutschland gebaut und in Betrieb genommen werden können, vergehen noch Jahre. Mit schwimmenden Terminals sollen direkte Importe von Flüssigerdgas schon früher möglich sein. Wilhelmshaven plant mit 2023.
Eine schwimmende Anlande- und Speicherplattform beim Transport: In Wilhelmshaven soll eine solche Anlage in einem ersten Schritt zügig geschaffen werden, sodass der Import von LNG noch vor dem Winter 2023 gelingen könnte.

Eine schwimmende Anlande- und Speicherplattform beim Transport: In Wilhelmshaven soll eine solche Anlage in einem ersten Schritt zügig geschaffen werden, sodass der Import von LNG noch vor dem Winter 2023 gelingen könnte.

Foto: INTS KALNINS/ REUTERS

Bis Deutschland über ein eigenes Terminal direkt Flüssigerdgas (LNG) aus anderen Ländern importieren kann, werden noch Jahre vergehen, machten kürzlich die Aussagen der Projektträger deutlich, die den Bau von Terminals in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel planen. Jetzt könnten direkte Importe nach Deutschland doch schon früher möglich sein als gedacht: Laut Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD, 54) könnte der Import von Flüssigerdgas (LNG) über ein Importterminal in Wilhelmshaven noch vor dem Winter 2023 gelingen. Möglich sein soll dies über ein schwimmendes LNG-Terminal, eine sogenannte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU).

Nach Angaben des Ministers soll die schwimmende Anlande- und Speicherplattform in einem ersten Schritt zügig geschaffen werden. Dort soll das flüssige LNG mit Tankern angelandet und zwischengelagert werden. Ein solcher Speicher verfügt laut dem Energieministerium in Hannover über die Kapazität von 9 bis 10 Milliarden Kubikmeter. Weitere Terminal-Projekte sollen danach bis 2026 folgen.

In Wilhelmshaven gebe es bislang drei Projekte von Unternehmen, die den Import über Terminals organisieren wollen. "Wenn wir sie alle drei umsetzen würden, würden wir wirklich auf eine nennenswerte Leistungsfähigkeit kommen. Wir könnten damit die Hälfte des importierten russischen Gases über die Küste Wilhelmshavens importieren", sagte Lies. Insgesamt gehe es um 25 Milliarden Kubikmeter. Hinsichtlich des Terminals müsse nun geschaut werden, wie und in welche Reihenfolge die drei Projekte umgesetzt werden können. Laut Lies solle eine Entscheidung dazu noch im März getroffen werden, um das anvisierte Ziel, den Import von LNG bis 2023, zu erreichen.

Das Interesse am Leasing von solchen FSRU-Anlagen ist in Europa kürzlich stark gestiegen, berichtet die Agentur Bloomberg . Die Schiffe, die eine schnellere und billigere Alternative zu Terminals an Land bieten, wurden in den vergangenen zehn Jahren von Asien bis Lateinamerika rasch eingesetzt.

Die Schiffe werden entweder auf Bestellung gebaut oder aus älteren LNG-Tankern umgebaut und können innerhalb weniger Monate installiert werden. Importterminals an Land benötigen dagegen eine bestehende Infrastruktur, der Bau dauert mehrere Jahre. Eigentümer und Betreiber solcher Anlagen berichten, eine Reihe von Anfragen von europäischen Projekten erhalten zu haben, die wiederbelebt werden.

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg hatte Bundeskanzler Olaf Scholz den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland angekündigt und dabei Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven in Niedersachsen als Standorte genannt. Auch im niedersächsischen Stade laufen Planungen für ein Flüssigerdgas-Terminal.

LNG ist tiefgekühltes, unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas, das sich in Tankern transportieren lässt und in Europa als Alternative zu Pipeline-Gas genutzt werden soll. Bisher bezieht die EU knapp die Hälfte ihres herkömmlichen Erdgasbedarfs aus Russland. Diese Abhängigkeit soll nun so rasch wie möglich verringert werden.

dri/dpa-afxp
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