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Kunstpause Schöne Bescherung

Der Markt der seriellen Kunst lockt mit Preziosen zu günstigen Preisen.
Von Linde Rohr-Bongard
aus manager magazin 12/2008

IMMER WIEDER im Dezember das gleiche Elend! Was legt man seinen Lieben auf den Gabentisch? Ganz einfach! Greifen Sie zu erschwinglichen Editionen, die die Kunst aus der Verbrüderung mit dem großen Geld lösen. Im Angebot sind nummerierte und signierte Grafiken, Fotoeditionen, Multiples und Serien von Bildern und Plastiken mit Potenzial auf Wertsteigerung, die ich für Sie aus dem aktuellen Vorrat von Galerien und Kunstvereinen ausgesucht habe. Und die Sie dort bestellen und erwerben können (siehe Bildunterschriften).

Kein Geringerer als der legendäre New Yorker Galerist Leo Castelli riet: "Angehende Sammler mit beschränktem Budget sollten mit Grafiken und Multiples starten. Dieser Markt ist absolut überschaubar." Aber auch saftige Preissteigerungen sind bei serieller Kunst goldene Realität.

So bot beispielsweise 1970 der Galerist René Block den "Schlitten" von Joseph Beuys in einer Auflage von 50 Exemplaren für bescheidene 150 Euro an. Für den Vater der Multiples war die Editionskunst das ideale Medium, um ein großes Publikum mit seiner Philosophie zu infizieren. Heute hat sich der Preis für das rätselhafte "Überlebensstück" bei rund 35 000 Euro eingependelt.

Als Fundgrube erweisen sich die Jahresgaben der deutschen Kunstvereine. Alljährlich zur Weihnachtszeit sind sie wieder landauf, landab zu haben: eine Welle schönster Editionskunst von hoher Qualität und zu moderaten Preisen. Im Programm wechseln Arbeiten von international begehrten Stars wie Rosemarie Trockel mit jungen Avantgardisten wie Mark Leckey ab. Allerdings ist - anders als bei den hier angebotenen Arbeiten - üblicherweise Mitgliedschaft die Voraussetzung, um die heiß begehrten Kunstschnäppchen zu erwerben.

Auch dazu ein illustres Beispiel: Der Westfälische Kunstverein offerierte vor etlichen Jahren für 150 Euro quecksilbrige Gouachen vom Kölner Alchimisten und langjährigen Kunstkompass-Sieger Sigmar Polke. Heute erzielen diese begehrten Trophäen 30 000 bis 40 000 Euro! u

Linde Rohr-Bongard ist Kunstexpertin und Herausgeberin des "Kunstkompasses", der exklusiv im manager magazin erscheint.

Linde Rohr-Bongard ist Kunstexpertin und Herausgeberin des "Kunstkompasses", der exklusiv im manager magazin erscheint.

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