14 Werke des Autozulieferers betroffen Schaeffler streicht 4400 Jobs und will mehrere Werke schließen

Auch Kurzarbeit ist auf Dauer keine Lösung: Der Autozulieferer Schaeffler verschärft aufgrund der Corona-Krise sein Sparprogramm. Bis Ende 2022 sollen 4400 Mitarbeiter gehen.
Elisabeth Schaeffler (mit Sohn Georg): Erfahrung mit Sparprogrammen

Elisabeth Schaeffler (mit Sohn Georg): Erfahrung mit Sparprogrammen

Foto: DPA

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler will bis Ende 2022 wegen der Krise in der Automobilindustrie 4400 weitere Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen seien im wesentlichen zwölf Standorte in Deutschland - darunter der Stammsitz im fränkischen Herzogenaurach - und zwei weitere im europäischen Ausland, teilte Schaeffler am Mittwoch mit. Schaeffler erhofft sich durch das Maßnahmenpaket ein Einsparpotenzial in Höhe von 250 bis 300 Millionen Euro jährlich. Dem stehen Kosten für das Spar- und Neuausrichtungsprogramm in Höhe von 700 Millionen Euro gegenüber.

Das Werk Clausthal-Zellerfeld werde geschlossen, es sei denn, es ergebe sich kurzfristig eine Verkaufsmöglichkeit. Für den Standort Wuppertal werde eine Komplettschließung ebenfalls nicht mehr ausgeschlossen. Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen reagierte umgehend und bezeichnete eine Standortschließung als inakzeptabel. Es müsse Perspektiven für die Menschen geben. Für das Werk in Luckenwalde (Brandenburg) könne auch ein Verkauf in Betracht kommen, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld (55) der Deutschen Presse-Agentur.

Darüber hinaus soll es Personalreduzierungen an allen inländischen Standorten geben, besonders betroffen seien Bühl (Baden-Württemberg), Homburg (Saarland), Höchstadt, Schweinfurt (beide Bayern) und Langen (Hessen). Die Produktion vom Standort Eltmann (Landkreis Haßberge/Bayern) werde nach Schweinfurt verlagert. Die Aftermarket-Beschäftigten in Hamburg und Köln sollen möglichst vom Home-Office aus arbeiten.

Der Standort Bühl solle zum neuen Zentrum für E-Mobilität in der Schaeffler-Gruppe ausgebaut werden. Am Firmensitz in Herzogenaurach werden künftig die Wasserstoff-Aktivitäten von Schaeffler gebündelt. Dort soll zudem ein Zentrallabor entstehen. "Wir haben uns vorgenommen, was wir auf der einen Seite freisetzen, dann auch wieder zu investieren", sagte Rosenfeld. "Unser Maßnahmenpaket hat eine offensive und eine defensive Komponente."

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Schaeffler, einer der größten deutschen Zulieferer vor allem für die angeschlagene Automobilbranche, hatte bereits in den vergangenen Jahren seine Kapazitäten heruntergefahren. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen ein Freiwilligenprogramm aufgelegt, das derzeit noch umgesetzt wird und mit dem nahezu 2000 Stellen abgebaut werden sollten. Seit Ende 2018 hat sich die Zahl der Beschäftigten in der Schaeffler-Gruppe insgesamt um rund 8250 auf 84 223 verringert. Matriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thuman (79), die gemeinsam mit ihrem Sohn Thomas Gesellschafterin der Schaeffler AG ist und zu den reichsten Deutschen gehört, hatte bereits nach dem Einstieg bei Continental um das Überleben der Firma bangen müssen .

Situation vieler Zulieferer ist prekär

"Trotz einer Belebung der Nachfrage in allen drei Sparten und vier Regionen in den letzten Monaten bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die daraus resultierende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hoch", heißt es in der Mitteilung. Vorstandschef Rosenfeld hatte zuletzt noch betont, Schaeffler sei bisher relativ gut durch die Corona-Krise gesteuert.

Die Nachricht aus Herzogenaurach kommt nur einen Tag nach einem "Autogipfel" in Berlin, bei dem Bundesregierung und Industrie Maßnahmen zur Stärkung der angeschlagenen Automobilindustrie und ihrer Zulieferer in Deutschland beraten hatten. Die Situation der Zulieferer gilt als besonders prekär. Zuletzt hatte der Schaeffler-Konkurrent Continental größere Personalreduzierungen angekündigt.

la/dpa/reuters
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