Ein Abgang, zwei Zugänge SAP baut Vorstand erneut um

Mitten in der Corona-Krise baut SAP seinen Vorstand weiter um. Adaire Fox-Martin geht. Scott Russell und Julia White ziehen in den Vorstand ein.
SAP: Umbau geht weiter

SAP: Umbau geht weiter

Foto: SIPHIWE SIBEKO/ REUTERS

Adaire Fox-Martin, die zuletzt die weltweiten Kundenbeziehungen verantwortete, verlasse auf eigenen Wunsch den Dax-Konzern zum Monatsende, erklärte SAP am Freitag. Damit dreht sich das Personalkarussell weiter, dass mit dem Weggang des langjährigen Firmenchefs Bill McDermott 2019 angeschoben wurde. Sein Nachfolger Christian Klein gab sich am Freitag zuversichtlich, nun das "richtige Team" für den Firmenumbau an der Hand zu haben. "Auch aus Geschlechterperspektive", sagte der 40-Jährige mit Blick auf die zwei weiblichen Vorstandsmitglieder.

Nachfolger von Adaire Fox-Martin, die seit 2008 bei SAP tätig ist, wird der Australier Scott Russell, der bisher im asiatisch-pazifischen Raum das Wachstum verantwortete. Zudem zieht Julia White als Marketing-Chefin in den Vorstand ein. Sie kommt genauso wie die neue Personalverantwortliche Sabine Bendiek von Microsoft. Der weltgrößte Softwarekonzern und SAP arbeiten bereits als Partner zusammen und wollen dies laut Klein ausweiten. Neuigkeiten dazu würden am 27. Januar veröffentlicht, sagte Klein mit Blick auf eine dann stattfindende SAP-Veranstaltung.

Betriebsergebnis dürfte um bis zu 6 Prozent fallen

Klein will die Krise nutzen, um SAP als reinen Cloud-Anbieter zu etablieren und das Angebot zu vereinheitlichen. Über kurz oder lang eingemottet wird dafür das traditionelle Geschäft mit Softwarelizenzen, das in der Corona-Krise unter die Räder geraten ist und dafür sorgte, dass SAP im vergangenen Jahr zweimal die Prognose kappen und auch die mittelfristigen Ziele an den Nagel hängen musste. Der Walldorfer Konzern geht nun davon aus, dass die Corona-Krise langsam abklingt und sich die Nachfrage nach Unternehmenssoftware in der zweiten Jahreshälfte "allmählich verbessert".

Trotzdem soll 2021 das bereinigte Betriebsergebnis um ein bis sechs Prozent zurückgehen. Nach anfänglichen Gewinnen drehten die SAP-Aktien leicht ins Minus und notierten mehr als 16 Prozent unter dem Niveau von Ende Oktober, als SAP seine Jahresprognose für 2020 zum zweiten Mal gesenkt hatte. Damals stürzte das Papier binnen weniger Tage knapp 30 Prozent ab - so stark wie zuletzt 1999.

Baldiger Börsengang von US-Tochter Qualtrics

Für Schwung dürfte die Neuemission der US-Tochter Qualtrics sorgen, die laut Klein "bald" ansteht. Ein Börsenprospekt für die Emission wurde bereits an der Nasdaq eingereicht. Demnach dürfte die Software-Plattform, mit der Organisationen Feedback und Daten von Kunden und Mitarbeitern einsammeln können, um diese in Echtzeit zu analysieren und weiterzuverarbeiten, beim Aktienmarktdebüt mit 12 bis 14 Milliarden Dollar bewertet werden. Dies erweitere den Spielraum von SAP, sich strategisch neu auszurichten, sagten die Analysten von Berenberg. Qualtrics war mit acht Milliarden Dollar der letzte große Zukauf von SAP und dürfte es zunächst auch bleiben. Klein will sich nach eigenen Angaben derzeit nur kleinere Akquisitionen anschauen.

Nach einem soliden Schlussquartal erreichte SAP seine eigenen Erwartungen für 2020. Das bereinigte Betriebsergebnis kletterte leicht auf 8,28 Milliarden Euro. Seit Ausbruch der Krise lässt SAP Kostendisziplin walten und spart auch durch weniger Geschäftsreisen, geringere Gebäudekosten und den Umstieg auf virtuelle Veranstaltungen. Der Umsatz legte währungsbereinigt ein Prozent auf 27,3 Milliarden Euro zu. Zuletzt gab es laut SAP eine hohe Akzeptanz des neuen ganzheitlichen Angebots zur umfassenden Geschäftstransformation bei Pilotkunden. Hier will Europas wertvollster Technologiekonzern Ende Januar weiteren Einblick in die Pläne gewähren. Wie die US-Rivalen Salesforce, Workday oder Oracle setzt SAP immer stärker auf den Verkauf von flexibleren Web-Abos, die in der Regel monatlich bezahlt werden und nicht einmalig, was Umsätze prognostizierbarer macht.

Das Schlussquartal ist für SAP besonders wichtig, da in dem Zeitraum traditionell viele Aufträge abgeschlossen werden. In der Corona-Krise hielten sich allerdings viele Firmenkunden zurück, was den Konzernumsatz von Oktober bis Dezember um zwei Prozent auf 7,54 Milliarden Euro drückte, während das bereinigte Betriebsergebnis um drei Prozent auf 2,77 Milliarden Euro und die operative Marge um 1,5 Punkte auf 36,8 Prozent stieg. Im Vorjahresquartal waren hohe Ausgaben für Aktienboni angefallen.

la/reuters
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