Reaktion auf russischen Angriff Großbritannien friert Vermögen von Abramowitsch ein

Die britische Regierung hat wegen des Angriffs auf die Ukraine weitere Strafmaßnahmen gegen russische Superreiche verhängt. Dazu gehört Roman Abramowitsch – auch seinen Fußballclub Chelsea trifft es hart.
Roman Abramowitsch: Dank russischer Energie einer der reichsten Menschen der Welt

Roman Abramowitsch: Dank russischer Energie einer der reichsten Menschen der Welt

Foto: BPI / Shutterstock / IMAGO

Großbritannien hat angesichts der weiteren Eskalation des Kriegs in der Ukraine die Vermögenswerte von sieben russischen Geschäftsleuten eingefroren. Unter den betroffenen Superreichen ist auch der Eigentümer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch.

Der Champions-League-Sieger und Clubweltmeister darf ab sofort keine Spielertransfers mehr tätigen, keine Eintrittskarten für zukünftige Spiele verkaufen und muss sämtliche Fanshops schließen. Das folgt aus den harten Sanktionen gegen Abramowitsch. Der Milliardär verliert damit vorerst die Kontrolle über den Londoner Fußballverein. Ob er ihn nun überhaupt noch verkaufen kann, ist derzeit fraglich. Auch die Zukunft der Mannschaft ist ungewiss.

Chelsea darf den Spielbetrieb nur dank einer Sonderlizenz der Regierung fortsetzen, hieß es vor dem Premier-League-Spiel der Blues am Donnerstag bei Norwich City. "Fußballbezogene Aktivitäten" sind den Londonern demnach weiterhin gestattet. Spieler, Trainer und alle anderen Angestellten dürfen weiter bezahlt werden. Reisekosten bis maximal 20.000 Pfund pro Spiel sind erlaubt. Der finanzielle Aufwand pro Heimspiel darf maximal 500.000 Pfund betragen.

So wolle man verhindern, dass die Sanktionen dem Verein zu sehr schaden. Indem die Londoner weiterhin ihre Spiele bestreiten dürfen, schütze man die Liga, den gesamten Fußballbetrieb, loyale Fans und andere Vereine, teilte die Regierung mit. Trotzdem wird Chelsea von den Sanktionen gegen Abramowitsch hart getroffen. Durch den Verkaufsstopp für weitere Tickets und Merchandising entgehen dem Club wesentliche Einnahmen.

Gut möglich ist außerdem, dass die Blues auch einige Leistungsträger verlieren. So laufen etwa die Verträge mit umworbenen Stars, darunter der deutsche Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger und der Däne Andreas Christensen, im Sommer aus. Angesichts der Sanktionen ist es fraglich, ob neue Verträge ausgehandelt werden dürfen. Obendrein könnte Chelsea keinen Ersatz für das Defensivduo verpflichten.

Reise- und Transportverbot

Wie die britische Regierung bekanntgab, wurde Abramowitschs Vermögen eingefroren. Abramowitsch darf keine Geschäfte mit britischen Privatpersonen und Unternehmen machen und wurde außerdem mit einem Reise- und Transportverbot belegt. "Es darf keine sicheren Häfen geben für die, die Putins bösartigen Angriff auf die Ukraine unterstützt haben", wurde Premierminister Boris Johnson zitiert. Abramowitsch bestreitet eine Nähe zu Kreml-Chef Wladimir Putin.

Abramowitsch hatte kürzlich angekündigt, den Club nach fast 20 Jahren verkaufen zu wollen. Der Schritt galt als Reaktion auf immer lauter werdende Forderungen nach Sanktionen gegen ihn. Nach Informationen der BBC schließt die britische Regierung einen Verkauf des Vereins nicht grundsätzlich aus. Voraussetzung wäre, dass Abramowitsch aus dem Verkauf keinen Gewinn erzielt. Der russische Milliardär hatte angekündigt, die Einnahmen aus dem Verkauf an eine Stiftung für Opfer des Krieges in der Ukraine spenden zu wollen.

Es geht um ein kollektives Nettovermögen von 15 Milliarden Pfund

Zu den weiteren von den Sanktionen betroffenen Geschäftsleuten zählen einer Regierungsmitteilung zufolge:

  • Oleg Deripaska, der Anteile an der En+ Group hält. Die En+-Gruppe kontrolliert den Aluminiumriesen Rusal

  • Dmitri Lebedew, Vorsitzender der Bank Rossiya

  • Alexej Miller, Chef des Energiekonzerns Gazprom

  • Nikolai Tokarew, Präsident der staatlichen russischen Pipelinegesellschaft Transneft

  • Igor Setschin, Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft und

  • Andrey Kostin, Vorstandschef der VTB Bank.

Die Betroffenen wurden britischen Angaben zufolge wegen ihrer Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Sanktionsliste gesetzt. Sie sollen ein kollektives Nettovermögen von 15 Milliarden Pfund besitzen. Premier Johnson sagte: "Wir werden rücksichtslos gegen diejenigen vorgehen, die das Töten von Zivilisten, die Zerstörung von Krankenhäusern und die illegale Besetzung souveräner Verbündeter ermöglichen."

Die Forderungen nach Maßnahmen gegen Abramowitsch und andere russische Oligarchen waren zuletzt immer lauter geworden. In Großbritannien, lange ein Anziehungsort für kremltreue Superreiche, wurde kritisiert, dass Johnsons Regierung im Vergleich zur Europäischen Union und den USA nicht schnell genug gehandelt habe. Allerdings gelang es einigen Oligarchen auch in der EU noch, Vermögenswerte in andere Länder zu transferieren.

apr, hr mit Nachrichtenagenturen