44 Milliarden Dollar für IHS Markit S&P besiegelt größten Firmendeal des Jahres

Die Übernahmewelle schwillt noch höher an: Die Börsenfirma S&P Global kauft den Finanzdatenanbieter IHS Markit. Mit 44 Milliarden Dollar markiert der Kaufpreis einen Jahresrekord.
Daten für die Rallye: Händler an der New Yorker Börse

Daten für die Rallye: Händler an der New Yorker Börse

Foto: Nicole Pereira / AP

Unter Finanzdatenanbietern kommt es zur nächsten Megaübernahme. Der US-Konzern S&P Global, Eigentümer der Ratingagentur S&P und Herausgeber von Börsenindizes wie dem S&P 500  oder dem Dow Jones , schnappt sich für 44 Milliarden Dollar inklusive Schulden den Finanzdatenanbieter IHS Markit, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. Es ist die größte Übernahme des Jahres.

Der Deal wird vollständig in Aktien abgewickelt. Die IHS-Markit-Aktionäre erhalten 0,2838 S&P-Aktien je Anteilsschein und werden 32,25 Prozent an dem fusionierten Unternehmen besitzen. Die S&P-Eigner sollen 67,75 Prozent halten. Die Übernahme soll nach Vorliegen der entsprechenden Genehmigungen im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

Während die Papiere von IHS Markit  im vorbörslichen New Yorker Handel um fast 10 Prozent zulegen konnten, lagen die Aktien von S&P Global  nur leicht im Plus. An der Börse wird S&P Global aktuell mit rund 82,8 Milliarden Dollar bewertet, während die Marktkapitalisierung von IHS Markit bei 36,9 Milliarden Dollar liegt.

S&P-Chef Richard Thornburgh behält das Sagen

Durch den Zusammenschluss erhoffen sich die Unternehmen eine Einsparung bei den laufenden Kosten von 480 Millionen Dollar jährlich, hieß es in der Mitteilung weiter. Gemeinsam mit Synergien beim Umsatz soll der Einfluss auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) nach fünf Jahren ungefähr 680 Millionen Dollar betragen. Zudem wollen die Unternehmen ihre Marge verbessern und profitabler werden.

Bereits für die Jahre 2022 und 2023 prognostizieren die Manager für das Gemeinschaftsunternehmen ein organisches Erlöswachstum von 6,5 bis 8 Prozent jährlich. In neue Technologien sollen zudem jährlich mehr als eine Milliarde Dollar fließen.

An den - aus ihrer Sicht - guten Geschäftsaussichten wollen S&P Global und IHS Markit auch ihre Anleger beteiligen. Vom angepeilten freien Barmittelzufluss von mehr als fünf Milliarden Dollar im Jahr 2023 sollen Anleger durch eine Dividende von 20 bis 30 Prozent des bereinigten, verwässerten Gewinns je Aktie profitieren. Geleitet werden soll das Unternehmen weiterhin von S&P-Global-Konzernchef Richard Thornburgh.

LSE kauft Refinitiv, Deutsche Börse steigt bei ISS ein

In der Datenbranche grassiert das Fusionsfieber. Im vergangenen Jahr kündigte die Londoner Börse LSE für 27 Milliarden Dollar die Übernahme des Datenanbieters Refinitiv an. Die LSE wartet aber immer noch auf grünes Licht der europäischen Wettbewerbshüter. Um ihre Bedenken auszuräumen, hat die Börse eine Reihe von Zugeständnissen angeboten. Refinitiv ist eine Gemeinschaftsfirma des US-Finanzinvestors Blackstone und des Datenanbieters Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört.

Mitte November hatte die Deutsche Börse ihren eigenen Milliardendeal verkündet: Der Frankfurter Börsenbetreiber will die Mehrheit der Anteile am Datenanbieter und Stimmrechtsberater ISS übernehmen.

ak/reuters, dpa-afx
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