Airline schließt mehrere Standorte Piloten kritisieren Ryanair-Rückzug aus Deutschland

Bei Ryanair spitzt sich der Streit um Pilotengehälter zu. Die Airline droht nun wichtige Standorte in Deutschland zu schließen - darunter Frankfurt-Hahn und Berlin-Tegel.
Ryanair-Chef Michael O'Leary: Die Basis auf dem Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn will Ryanair schon zum 1. November schließen. Auch in Berlin-Tegel droht noch in diesem Jahr das Aus.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Die Basis auf dem Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn will Ryanair schon zum 1. November schließen. Auch in Berlin-Tegel droht noch in diesem Jahr das Aus.

Foto: TOLGA AKMEN/ AFP

Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat den angekündigten Rückzug des irischen Billigfliegers Ryanair aus seinen wichtigsten Stützpunkten in Deutschland am Mittwoch als unverständlich kritisiert. Hintergrund ist ein am Dienstag bekannt gewordenes internes Schreiben, wonach die Flughäfen Frankfurt-Hahn im Hunsrück sowie Weeze bei Düsseldorf bereits vor Beginn des Winters nicht mehr als Basen genutzt werden sollen. Gleiches gilt für den Flughafen Berlin-Tegel, der aber ohnehin Anfang November geschlossen werden soll. Ryanair reagiert mit den Rückzugsplänen auf die Weigerung der Pilotengewerkschaft, die Kürzungspläne der Airline mitzutragen.

Die Unternehmensleitung habe immer wieder betont, dass Ryanair "der Krise ganz gut Herr" geworden sei, sagte Cockpit-Sprecher Jannis Schmitt dazu am Mittwoch dem SWR. Er äußerte die Befürchtung, die Fluggesellschaft wolle in der Krise "einfach nur Mitnahmeeffekte generieren" und beispielsweise Piloten später zu schlechteren Konditionen wieder einstellen.

Den Informationen des Unternehmens an die Piloten zufolge soll der von Ryanair  als "Frankfurt-Hahn" bezeichnete Flughafen im Hunsrück ab 1. November nicht mehr als Basis genutzt werden; ein genaues Datum für "Düsseldorf-Weeze" soll kommende Woche mitgeteilt werden. Ob dies auch bedeutet, dass diese Flughäfen von Ryanair  gar nicht mehr angeflogen werden oder von anderen Stützpunkten aus bedient werden, war zunächst unklar.

Kürzungen auch in Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld geplant

Personalkürzungen dürfte es demnach zudem an den Ryanair-Basen Frankfurt am Main, Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld geben, in geringerem Maße auch in Baden-Baden und Memmingen. Das genaue Ausmaß der Einschnitte will das Unternehmen demnach vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängig machen. Ryanair verhandelt derzeit mit den Beschäftigten des Unternehmens sowie mehrerer Tochtergesellschaften über Gehaltskürzungen. Dabei geht es um Einkommensverluste von 20 bis 30 Prozent. Dies wurde laut VC von den Piloten der Ryanair-Tochter Malta Air abgelehnt. Die Gewerkschaft steht den Unternehmensforderungen insgesamt skeptisch gegenüber.

Nach VC-Angaben sind von angedrohten Kündigungen bis zu 170 Piloten betroffen. Ein Sprecher der Pilotengewerkschaft bekräftigte auf dpa-Anfrage, die Gewerkschaft habe trotz mehrheitlicher Ablehnung der Forderungen des Managements ein Interesse an einer Verhandlungslösung. Auch lehne man die Vorschlage des Arbeitgebers nicht vollständig ab, aber es gebe "noch Luft nach oben". Eine Schließung von Basen sei nicht automatisch gleichbedeutend mit der Aufgabe von Flugverbindungen.

170 Piloten droht die Kündigung

Die Piloten in Hahn bekämen noch in dieser Woche ihre Kündigung, teilte Malta-Air-Personalchef Shane Carty mit. Die Airline wollte ihr internes Schreiben nicht weiter kommentieren. Die Pandemie hat weltweit die Fluggesellschaften hart getroffen und teils zu massiven Stellenkürzungen geführt.

Die VC hatte zuvor mitgeteilt, die bei der Ryanair-Tochter Malta Air beschäftigten Piloten aus Deutschland hätten nur zu 49,4 Prozent für eine Krisenvereinbarung gestimmt. Auch der Vorstand der Gewerkschaft betrachte diese als unzureichend. Sie sehe eine Beschäftigungssicherung nur bis März 2021 vor, während die Einschnitte bei der Bezahlung bis 2024 gelten sollten. Bei der österreichischen Tochter Laudamotion stimmten die Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern Einbußen nach anfänglichem Widerstand zu, nachdem Ryanair mit dem Ende des Standorts Wien samt seiner rund 300 Beschäftigten gedroht hatte.

rei/dpa/Reuters