Corona-Krise Ryanair fliegt ersten Sommerverlust seit Jahrzehnten ein

Wegen der Coronavirus-Pandemie hat Ryanair den ersten Verlust in einem Sommerhalbjahr seit Jahrzehnten eingeflogen. Analysten sehen Europas größten Billigflieger im Vergleich zu Wettbewerbern finanziell aber sehr gut aufgestellt.
Die Corona-Pandemie lässt auch die Prognosen von Ryanair-Chef Michael O'Leary zerbröseln

Die Corona-Pandemie lässt auch die Prognosen von Ryanair-Chef Michael O'Leary zerbröseln

Foto: TOLGA AKMEN/ AFP

Den Winter schon abgeschrieben, der Sommer 2021 schwer kalkulierbar: Auch Europas größten Billigflieger Ryanair trifft die Corona-Krise, wenn auch nicht so hart wie die auf Langstrecken fokussierten europäischen Netzwerk-Airlines. Mit einem Minus von 197 Millionen Euro wies Ryanair den ersten Nettoverlust im sonst stärkeren Sommerhalbjahr seit 1990 aus,.

Der Umsatz brach fast um vier Fünftel auf 1,2 Milliarden Euro ein, teilte der Konzern am Montag weiter mit. Bei Lufthansa, Air France KLM und der British-Airways-Mutterkonzern IAG schlug die Pandemie, die den Luftverkehr abgesehen von einem Zwischenhoch im Sommer weitgehend abwürgte, dagegen mit mehreren Milliarden Euro Betriebsverlust von April bis September ins Kontor.

Auch die Billigairline hatte zuletzt wegen der verstärkten Reisebeschränkungen in der zweiten Coronavirus-Welle den Flugplan für den Winter zusammengestrichen. Im gesamten bis Ende März laufenden Geschäftsjahr rechnet Ryanair mit 38 Millionen Passagieren, nachdem sie im Vorjahr mit 149 Millionen die meisten Fluggäste aller Airlines aus Europa befördert hatten. Die Zahl könne noch niedriger ausfallen, "wenn die EU-Regierungen den Luftverkehr weiterhin schlecht managen und mehr unkoordinierte Reisebeschränkungen verhängen", warnte Ryanair.

Analysten sehen Ryanair finanziell sehr gut aufgestellt

Im ersten Halbjahr waren 17,1 Millionen oder vier Fünftel weniger Passagiere mit den Iren geflogen. Firmenchef Michael O'Leary (59) erklärte, der Luftverkehr in Europa werde im Winter womöglich nur 25 Prozent des Vorjahres erreichen. Für den Sommer plane Ryanair mit 50 bis 80 Prozent der Vorkrisenkapazität.

Am Kapitalmarkt rutschte die Aktie von Ryanair zunächst um 1,12 Prozent ab. Analysten trauen Ryanair jedoch einen langen Atem in der Krise zu. Denn die Billigairline verfügte Ende September über 4,5 Milliarden Euro Barmittel, obwohl sie nur 600 Millionen Pfund aus einem staatlich abgesicherten Kreditprogramm Großbritanniens abrief.

Die Airline habe eine der besten Bilanzen in der Branche und die Kosten gut im Griff, erklärte Daniel Röska, Analyst von Bernstein Research. Anleger hätten daher wenig Grund zur Sorge. Die Aktie  wurde deshalb auch weniger stark als die der Konkurrenten von den erneuten Lockdowns in Großbritannien, Deutschland und anderen europäischen Ländern getroffen.

Für die Zeit nach der Pandemie rechnet sich Ryanair indes gute Chancen aus, von der finanziellen Notlage vieler Konkurrenten zu profitieren. So dürfte das Flugangebot innerhalb Europas noch jahrelang gedämpft bleiben, hieß es. Dies ermögliche Ryanair, das eigene Streckennetz auszubauen und die Flotte zu vergrößern.

Dabei setzt das Management weiterhin auf Boeings Krisenjet 737 Max, für den seit März 2019 - nach zwei tödlichen Abstürzen bei anderen Fluglinien - ein weltweites Flugverbot gilt. Ryanair hat noch keine einzige der Maschinen der Reihe erhalten und wartet bereits seit mehr als anderthalb Jahren auf das erste Exemplar. Boeing hofft, dass die Behörden den Flugzeugtyp noch im laufenden Jahr die Wiederzulassung erteilen.

Ryanair erwartet, bis zur Hochsaison im nächsten Sommer die ersten rund 30 Maschinen des Typs in Empfang nehmen zu können. Die Jets verbrauchen deutlich weniger Treibstoff als das Vorgängermodell 737 NG, mit dem Ryanair bisher unterwegs ist.

rei/dpa/Reuters