Enkraft Aktivistischer Investor bringt sich für RWE-Hauptversammlung in Stellung

RWE-Angreifer Enkraft lässt nicht locker: Der aktivistische Investor hat wie geplant die Abspaltung des Kohlegeschäfts auf die Tagesordnung des Aktionärstreffens gebracht. Mit dem Wohlwollen vieler Profianleger darf er rechnen.
Aktivistischer Investor: Enkraft fordert Abspaltung des Braunkohlegeschäfts

Aktivistischer Investor: Enkraft fordert Abspaltung des Braunkohlegeschäfts

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Der aktivistische Investor Enkraft will auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE über die von ihm geforderte Abspaltung des Kohlegeschäfts abstimmen lassen. Enkraft habe eine Ergänzung der Tagesordnung der für den 28. April geplanten Aktionärsversammlung um eine Abstimmung zur "beschleunigten Umsetzung der Nachhaltigskeitsstrategie" beantragt, wie der Internetseite von RWE am Dienstag zu entnehmen war. Das manager magazin hatte bereits im Januar über die Pläne von Enkraft berichtet , das Thema auf die Tagesordnung zu bringen. Das von Benedikt Kormaier (42) geführte Unternehmen will Deutschlands größten Energieversorger zur schnellen Trennung von seinem schmutzigen Braunkohlegeschäft bringen.

"Auf Antrag eines Aktionärs, der seine Minderheitsrechte geltend gemacht hat, war der Vorstand verpflichtet, die Tagesordnung zu ergänzen", erläuterte eine Konzernsprecherin. Enkraft zufolge soll der Vorstand angewiesen werden, zum nächstmöglichen Zeitpunkt und spätestens zur Hauptversammlung im kommenden Jahr alle notwendigen Vertrags-, Planentwürfe und Berichte für eine Abspaltung des Kohlegeschäfts vorzulegen und alle dafür erforderlichen Voraussetzungen zu erfüllen.

"Wir werden dazu inhaltlich rechtzeitig Stellung nehmen", hieß es dazu von RWE. Vorstandschef Markus Krebber (49) hält nach eigener Aussage am von der Bundesregierung beschlossenen Kohleausstieg fest, will diesen jedoch mit Rücksicht auf die Arbeitsplätze und die regionale Wirtschaft nicht überstürzen. RWE-Finanzchef Michael Müller (57) hatte vergangene Woche auf der Bilanzpressekonferenz in Essen betont, der Vorstand sei von seiner Position überzeugt und sehe sich durch den gestiegenen Aktienkurs auch bestätigt.

Ansage des Miniaktionärs

Der Finanzinvestor hatte sich im September mit der Forderung nach einer raschen Abspaltung des Braunkohlegeschäfts an RWE gewandt und diese seitdem mehrfach in Briefen an den Vorstand und an Aufsichtsratschef Werner Brandt (68) untermauert. Das Kohlegeschäft führe zu einer relativ schwachen Bewertung im Vergleich zu Wettbewerbern, die sich auf erneuerbare Energien konzentrierten, argumentiert Enkraft. Das Resümee des Investors: Eine Konzentration auf erneuerbare Energien würde den Aktienkurs von RWE in etwa verdoppeln, auf 61 Euro oder mehr.  RWE habe ein theoretisches Wertsteigerungspotenzial von rund 16,5 Milliarden Euro.

Die Ansage des Miniaktionärs mag dreist erscheinen; manche RWE-Manager spielen sie herunter als "Sturm im Wasserglas". Tatsächlich aber ist Enkraft Teil einer wachsenden Bewegung: Aktivisten, die mit den klassischen Folterwerkzeugen hantieren und auf eine hohe Rendite zielen, dabei aber vor allem Ökoargumente ins Feld führen. Auch die Unterstützung vieler Profianleger scheint gesichert: "Enkrafts Argumente sind diskussionswürdig", so Deka-Nachhaltigkeitschef Ingo Speich.

sio/Reuters