Mordaschow, Fridman, Aven Russische Oligarchen sehen sich zu Unrecht am Pranger

Sie sind milliardenschwer, zählen zu den einflussreichsten Wirtschaftsführern Russlands – und sind jetzt mit Sanktionen belegt. Zu Unrecht, wie Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow und die Oligarchen Michail Fridman und Petr Aven finden. Sie wollen sich wehren.
"Fadenscheinig und unbegründet": Die Milliardäre und russischen Oligarchen Alexej Mordaschow , Michail Fridman, Petr Aven (von links) reagieren mit Unverständnis und Protest auf die gegen sie persönlich verhängten Sanktionen der EU

"Fadenscheinig und unbegründet": Die Milliardäre und russischen Oligarchen Alexej Mordaschow , Michail Fridman, Petr Aven (von links) reagieren mit Unverständnis und Protest auf die gegen sie persönlich verhängten Sanktionen der EU

Foto: Alexander Shcherbak; Sergei Savostyanov; Valery Sharifulin / TASS PUBLICATION / imago images

Der russische Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow (56) hat mit Unverständnis auf die Sanktionen der EU gegen ihn reagiert. "Ich kann nicht verstehen, wie diese Sanktionen gegen mich zu der Beilegung des schrecklichen Konflikts in der Ukraine beitragen sollen", erklärte der Oligarch in der Nacht zum Dienstag schriftlich. "Ich engagiere mich seit sehr langer Zeit für die Entwicklung der wirtschaftlichen, kulturellen und humanitären Zusammenarbeit zwischen vielen europäischen Ländern.

Welche Konsequenz die Sanktionen für Mordaschows Engagement bei Tui haben, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einzuschätzen, wie eine Sprecherin des Milliardärs erklärte.

Die EU hatte am Montagabend Sanktionen gegen mehrere russische Oligarchen in Kraft gesetzt. Auf der Liste steht auch Mordaschow. Nun werden unter anderem ihre Vermögenswerte in der EU eingefroren und ihre Reisefreiheit eingeschränkt. Mordaschow ist Haupteigentümer des Stahlkonzerns Severstal und mit gut einem Drittel der Anteile der größte Einzelaktionär des deutschen Reisekonzerns Tui. Bei dem Unternehmen aus Hannover sitzt er auch im Aufsichtsrat.

Milliardäre Fridman und Aven wollen sich wehren

Die russischen Milliardäre Michail Fridman (57) und Petr Aven (66) fanden erst gar keine Worte des Bedauerns für den tobenden Krieg in der Ukraine. Soviel ist aber klar: Sie wollen die gegen sie erhobenen EU-Sanktionen aber anfechten:

"Michail Fridman und Petr Aven (…) sind zutiefst schockiert über die nachweislich falschen Behauptungen in der EU-Verordnung", mit denen die Sanktionen gegen sie gerechtfertigt werden sollen, ließen die Milliardäre und Geschäftsleute am Dienstag mitteilen. Die Vorwürfe seien "fadenscheinig und unbegründet". Dagegen wollen sie "energisch und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln" vorgehen. Damit sollen ungerechtfertigte und unnötige Schäden für Mitarbeiter, Kunden und Partner sowie "für die Unternehmen, die sie und ihre Partner in den letzten 25 Jahren aufgebaut haben", rückgängig gemacht werden.

Die EU hatte Aven als "einen der engsten Oligarchen von Wladimir Putin" bezeichnet. Fridman wurde als ein "führender russischer Finanzier und Förderer von Putins innerem Kreis" bezeichnet. Fridman wies die Vorwürfe zurück. Es sei unwahr, dass er "enge Beziehungen" zur Regierung von Wladimir Putin gepflegt habe. Beide Milliardäre bezeichneten es als unwahr, dass sie "inoffizielle Abgesandte der russischen Regierung" seien. "Dies sind böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten – schlicht und einfach das Produkt historischer Fantasien und Verschwörungstheorien, die von Privatpersonen mit ihren eigenen Absichten erdacht wurden", so die beiden Geschäftsleute.

"Ich habe mit dem Entstehen der derzeitigen geopolitischen Spannungen absolut nichts zu tun und weiß nicht, warum die EU die Sanktionen über mich verhängt hat."

Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow

Tui-Großaktionär Mordaschow wiederum bezeichnete den Krieg in der Ukraine als "Tragödie für zwei brüderliche Nationen". "Ich hoffe aufrichtig, dass in sehr naher Zukunft ein Weg gefunden werden kann, der den Konflikt löst und das Blutvergießen beendet." Er selbst sei nie nah an der Politik gewesen und habe sich immer darauf fokussiert, wirtschaftlichen Wert und Arbeitsplätze in Unternehmen in Russland und im Ausland zu schaffen. "Ich habe mit dem Entstehen der derzeitigen geopolitischen Spannungen absolut nichts zu tun und weiß nicht, warum die EU die Sanktionen über mich verhängt hat."

Tui-Chef Fritz Joussen (58) hatte sich bereits zuvor zu den erwarteten Sanktionen geäußert. Er rechnete für diesen Fall nicht mit Konsequenzen für das Unternehmen. Tui werde vom Vorstand geführt und nicht von den Anteilseignern oder vom Aufsichtsrat, schrieb Joussen in einem Brief an die Mitarbeiter. "Damit gehen wir davon aus, dass etwaige Restriktionen oder Sanktionen gegenüber Herrn Mordaschow für uns als Unternehmen keine nachhaltig negativen Folgen haben werden."

rei/dpa-afx/Reuters
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